Notwehr Junge Iranerin kommt aus Todeszelle frei

Menschenrechtlerinnen haben ihren Fall weltbekannt gemacht - mit Erfolg: Nach einem Jahr Haft kam die junge Iranerin Nazanin Fatehi in der letzten Woche aus ihrer Todeszelle frei. Jetzt will sie gegen die Todesstrafe in ihrer Heimat kämpfen.

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Berlin - "Nazanin geht es gut, sie ist sehr glücklich", sagt die Menschenrechtlerin Mina Ahadi zu SPIEGEL ONLINE. In der vergangenen Woche war die 19-jährige Nazanin Fatehi freigekommen, nachdem sie ein Jahr lang in einem Teheraner Gefängnis in der Todeszelle saß. Die junge Frau sei herzlich von den Menschen, die vor dem Gefängnis auf sie warteten, begrüßt worden, so Ahadi.

Nazanin Fatehi in Freiheit: Die Schule besuchen, spazieren gehen
Mina Ahadi

Nazanin Fatehi in Freiheit: Die Schule besuchen, spazieren gehen

Mina Ahadi, Vorsitzende des Internationalen Komitees gegen die Todestrafe und selbst aus Iran, hatte eine weltweite Kampagne gestartet, um Nazanin freizubekommen. In den Kampf für Nazanin hatte sich auch die iranischstämmige ehemalige Miss-Kanada eingeschaltet - für Nazanin demonstriert und mit Petitionen auf den Fall aufmerksam gemacht. Engagierte Anwälte kümmerten sich daraufhin um den Fall der jungen Frau.

Das Martyrium von Nazanin Fatehi dauerte beinahe zwei Jahre: Im Frühjahr 2005 wurde Nazanin festgenommen und Anfang 2006 von einem iranischen Gericht zum Tode verurteilt, weil sie sich gegen eine Vergewaltigung gewehrt hatte und dabei ihren Peiniger tödlich verletzte. Der Prozess wurde neu verhandelt - zuletzt hatten die Richter entschieden, Nazanin habe in Notwehr gehandelt. Um freizukommen, war jetzt nur noch eine Menge Geld nötig: "Insgesamt 43.000 Dollar haben wir gezahlt, damit Nazanin frei kommt", sagt Mina Ahadi zu SPIEGEL ONLINE.

Direkt nachdem sie aus dem Gefängnis entlassen wurde, habe Nazanin Fatehi bei ihr angerufen, um sich zu bedanken, so Mina Ahadi. "Sie will jetzt ihre Freiheit nutzen, wieder die Schule besuchen, spazieren gehen", erklärt die Menschenrechtlerin.

Zu ihren Eltern konnte die junge Frau allerdings noch nicht zurück. "Die Fatehis haben große Angst, dass die Familie des Mannes, den Nazanin in Notwehr getötet hat, sich rächen wird", sagt Mina Ahadi. Ob das Gericht verlange, dass die Fatehis Blutgeld an die Familie des getöteten Mannes zahle, sei noch nicht klar, so Ahadi. "Wenn ein Blutgeld verlangt wird, wird sich Nazanins Familie dagegen wehren. Denn das Gericht hat entschieden, dass sie aus Notwehr handelte."

Nazanin wolle sich jetzt gegen die Todesstrafe im Iran stark machen. Sie stehe weiterhin Kontakt mit den Frauen, die mit ihr im Gefängnis saßen und nicht freikommen. "Sie hat diese Schicksale nicht vergessen", sagte Mina Ahadi zu SPIEGEL ONLINE. Ungefähr 30 Kinder und Jugendliche säßen in Iran in einer Todeszelle, schätzt die Menschenrechtlerin.



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