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Russland NSA-Enthüller Snowden hat Moskauer Flughafen verlassen

Mehr als einen Monat lang saß der NSA-Enthüller Edward Snowden am Moskauer Flughafen Scheremetjewo fest, jetzt hat er die Transitzone des Airports verlassen. Laut seinem Anwalt hat er vorläufiges Asyl in Russland erhalten.

Moskau - Edward Snowden ist offiziell nach Russland eingereist - sein Antrag auf vorläufiges Asyl ist bewilligt worden. Das teilte Snowdens Anwalt mit. Der Sender Russia24 zeigte die neuen Papiere des NSA-Enthüllers.

Snowden hat die Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo somit nach mehr als einem Monat verlassen. Das melden sowohl die Agentur Interfax als auch die Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf einen Vertreter des Flughafens beruft. Snowden saß am Airport fest, weil die USA seine Reisedokumente für ungültig erklärt hatten.

Wo sich der 30-Jährige jetzt aufhält, wurde zunächst nicht bekanntgegeben. Im staatlichen Fernsehsender Rossija 24 sagte sein Anwalt Anatoli Kutscherena, Snowden sei an einem sicheren und geheimen Ort. "Er ist derzeit einer der meistgesuchten Menschen der Welt", sagte der als kremlnah bekannte Kutscherena. Dem Juristen zufolge darf er nun ein Jahr in Russland bleiben. Snowden hatte am 16. Juli offiziell seinen vorläufigen Asylantrag eingereicht.

Zugriff auf beliebige Netzkommunikation

Mit der Enthüllung geheimer Spähprogramme der USA und weiterer Länder zur Überwachung der weltweiten Internet- und Telefonkommunikation hatte der frühere Geheimdienstmitarbeiter international für Aufsegen gesorgt.

Am Mittwoch hatte der Journalist Glenn Greenwald weitere Dokumente aus dem Fundus des NSA-Whistleblowers veröffentlicht - sie betreffen das Spähprogramm XKeyscore. Mit diesem System können NSA-Mitarbeiter nach dem Bericht des "Guardian" in Echtzeit die E-Mails von Nutzern lesen sowie ihre Suchen im Internet, Einträge in sozialen Netzwerken und faktisch alle sonstigen Tätigkeiten im Netz verfolgen. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen über XKeyscore.

Das System sei nur ausgewählten Personen zugänglich und unterliege strengsten Kontrollen gegen Missbrauch, erklärte der Sprecher des Präsidenten Jay Carney. Nach SPIEGEL-Informationen setzt auch der deutsche Bundesnachrichtendienst XKeyscore ein, das Bundesamt für Verfassungsschutz "testet" derzeit eigenen Angaben zufolge das System.

"Russland fest entschlossen, meinen Sohn zu beschützen"

Snowden floh zunächst nach Hongkong und dann weiter nach Russland, wo er am 23. Juni landete. Die US-Regierung forderte mehrfach erfolglos seine Auslieferung von Moskau - sie sucht ihn wegen Geheimnisverrats. Präsident Wladimir Putin hatte mehrfach aber die Auslieferung Snowdens ausgeschlossen, er begründete dies mit der in den USA geltenden Todesstrafe.

Der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, betonte am Mittwoch, dass es sich bei Snowden um einen "ziemlich unbedeutende Angelegenheit" handeln würde. Putin habe die Hoffnung, dass sich die Beziehungen zu den USA nicht verschlechtern würden - viele Male habe er dies bereits betont. Es gebe keinerlei Anzeichen, dass Präsident Barack Obama seinen für September geplanten Besuch in Moskau abbrechen werde.

Snowdens Vater hatte seinem Sohn noch am Mittwoch empfohlen, in Russland zu bleiben. "Ich denke, dass Russland fest entschlossen und in der Lage ist, meinen Sohn zu beschützen", sagte Lon Snowden dem Fernsehsender Rossia 24. "Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich in Russland bleiben."

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NSA-Enthüllungen: Chronologie der Snowden-Affäre

Foto: Carsten Rehder/ dpa
kgp/heb/dpa/Reuters/AFP
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