Nuklear-Streit Rafsandschani verteidigt Irans Atomprogramm

Irans Ex-Präsident Rafsandschani hat sich im Atomstreit zu Wort gemeldet. Während international vor einem Schaden des Weltfriedens gewarnt wird, verteidigte der moderate Kleriker jetzt die Wiederaufnahme des Forschungsprogramms.


Teheran - "Wir können nicht auf unser Recht verzichten", sagte Akbar Haschemi Rafsandschani, der Vorsitzender des Schlichterrats ist, des höchsten Vermittlungsorgans im iranischen politischen System. "Wir werden mit Weisheit unsere Rechte verteidigen und wenn man uns Schwierigkeiten bereitet, werden sie es bereuen und Iran wird als Sieger hervorgehen."

Ex-Präsident Rafsandschani: "Wir werden unsere Rechte verteidigen"
AP

Ex-Präsident Rafsandschani: "Wir werden unsere Rechte verteidigen"

Rafsandschani warnte den Westen vor voreiligen Schritten. "Der Westen sollte jetzt klug vorgehen und nichts tun, was er nachher bereut", sagte er in einer Rede an der Universität Teheran zum islamischen Opferfest. An die iranische Regierung appellierte er, besonnen zu bleiben und nur ihre "legitimen Rechte" gemäß dem Atomwaffensperrvertrag durchzusetzen.

Rafsandschani unterstrich, Iran werde die Atomtechnologie niemals für militärische Zwecke missbrauchen. Das habe Teheran schon während des Kriegs mit dem Irak (1980 - 1988) unter Beweis gestellt.

Rafsandschani, der als entschiedener Gegner der radikalen Politik des derzeitigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gilt, besitzt nach wie vor großen Einfluss in der iranischen Politik.

Die Ankündigung Teherans, die Urananreicherung wieder aufzunehmen, hat international zu scharfen Reaktionen geführt. Die USA schließen eine Einschaltung des Weltsicherheitsrats nicht aus. Die EU-Staaten wollen heute in Berlin über ihr weiteres Vorgehen beraten. Der amtierende EU-Ratsvorsitzende und österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel warf Teheran vor "dem Weltfrieden geschadet" zu haben. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sieht die Verhandlungen mit Iran "an einem sehr schwierigen Punkt angelangt". Die Brechung der Siegel an den Atomanlagen sei "eine Provokation, die so nicht hinnehmbar" sei, sagte Erler heute im Deutschlandfunk.

Erler betonte, ohne eine iranische Zusicherung, dass es nicht zu konkreten Aktivitäten kommen werde, könne nicht weiter verhandelt werden. Er warnte zugleich, das Thema vor den Uno-Sicherheitsrat zu bringen, wie es die USA wünschen. Damit verbundene mögliche Sanktionsforderungen gegen Iran könnten zu einer Eskalation in der Region führen. Dennoch rechne er derzeit nicht mit einer militärischen Eskalation. "Es gibt noch genügend Spielräume für eine diplomatische Lösung", betonte der Staatsminister.



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