Nuklearstreit Iran will Entscheidung erzwingen

Iran verliert bei den Atomgesprächen mit der Europäischen Union langsam die Nerven. Sie dauern der Regierung in Teheran einfach zu lange. Die Mullahs wollen nun einen abschließenden Vorschlag unterbreiten. Für den Fall, dass die Verhandlungen scheitern, soll Israel bereits Angriffspläne entwickelt haben.


In Bau befindlicher iranischer Reaktor Buschehr: Iran macht Druck auf die EU
AP

In Bau befindlicher iranischer Reaktor Buschehr: Iran macht Druck auf die EU

Teheran - Iran ziehe in Erwägung, einen abschließenden Vorschlag zur Lösung des Streits vorzulegen, sagte heute der iranische Unterhändler Sirus Naseri in Teheran. "Es könnte nicht mehr lange dauern, und wir legen unseren letzten Vorschlag auf den Tisch, und sie können ihren Weg wählen und wir setzen uns mit den Folgen auseinander", sagte Naseri. "Wir sind nicht mehr weit von dem Stadium entfernt." Der iranische Unterhändler betonte im staatlichen Fernsehen, dass sein Land keine Konfrontation wolle.

Die EU will die Regierung in Teheran dazu bewegen, künftig auf die Anreicherung von Uran zu verzichten. Bei dem Anreicherungsprozess entstehendes Material kann auch für die Herstellung von Atombomben genutzt werden. Die USA, die an den Verhandlungen nicht beteiligt sind, werfen Iran vor, nach Atomwaffen zu streben. Die iranische Führung hat dies stets bestritten und betont, sein Atomprogramm diene lediglich zivilen Zwecken. Für die Dauer der Verhandlungen hatte das Land seine Uran-Anreicherung ausgesetzt.

Zuletzt hatte Iran den Vorschlag der EU und der USA zurückgewiesen, für die Aufgabe seines Atomprogramms wirtschaftliche Anreize anzunehmen. So war dem Land etwa eine Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation (WTO) in Aussicht gestellt worden. Die EU und die USA haben Iran zudem gedroht, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einzuschalten, sollte das Land nicht kooperieren. Der Sicherheitsrat kann Sanktionen gegen Iran verhängen.

Israel soll Pläne für Angriff auf Iran haben

Einem Zeitungsbericht zufolge soll Israel für den Fall, dass die diplomatischen Verhandlungen scheitern, Pläne für einen Angriff auf den Iran entwickelt haben.

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon und die wichtigsten Mitglieder seines Kabinetts hätten bereits im Februar während eines privaten Treffens eine erste Genehmigung für einen einseitigen Angriff gegeben, berichtete die Londoner "Sunday Times". Überfälle von Spezialkommandos und Luftangriffe seien vorgesehen, um iranische Atomeinrichtungen und unterirdische Anlagen zu zerstören. In den vergangenen Monaten hätten sich die israelischen Streitkräfte bereits mit Simulationen darauf vorbereitet.

US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte dagegen gestern Abend im US-Fernsehen, sie kenne keine derartigen Pläne. Auch Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres sagte, er denke nicht, dass die Möglichkeit eines israelischen Angriffs auf Iran bestehe.

Dem Zeitungsbericht zufolge haben die USA angedeutet, den israelischen Plänen nicht im Wege zu stehen, falls die diplomatischen Bemühungen Iran nicht zum Umdenken brächten. "Wenn alle Anstrengungen, Iran zu überzeugen, seine Pläne zur Atomwaffenproduktion fallen zu lassen, scheitern sollten, wird die US-Regierung Israel einen Angriff erlauben", zitierte die "Sunday Times" israelische Sicherheitskreise.

Rice bekräftigte dagegen das Interesse ihres Landes an einer diplomatischen Lösung. "Der Präsident schließt natürlich keine seiner Optionen aus. Aber ich denke, er hat sehr klar gesagt, dass dieses Problem aus unserer Sicht diplomatisch gelöst werden kann", sagte sie dem US-Fernsehsender CBS.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.