Nuklearwaffen Russland drängt zur Abrüstung

Moskau hat eine neue Initiative zu einer radikalen nuklearen Abrüstung vorgestellt. Der Plan sieht vor, dass die fünf Atommächte ihre Nuklearwaffen in großem Umfang verschrotten.


Moskau - Russland, die USA, Großbritannien, China und Frankreich sollen danach bis spätestens 2009 ihre nuklearen Arsenale auf zusammen 4000 Sprengköpfe von gegenwärtig rund 14.000 reduzieren, erklärte Außenamtssprecher Alexander Jakowenko der Agentur Interfax. Präsident Wladimir Putin habe diese Initiative bereits Anfang der Woche dem französischen Staatschef Jacques Chirac während dessen Besuchs in Moskau unterbreitet. Gleichzeitig bekräftige Jakowenko die ablehnende Haltung Moskaus gegenüber den Raketenabwehrplänen der USA.

Kerngedanke dieses Vorstoßes sei, dass die fünf ständig im Uno-Sicherheitsrat vertretenen Atommächte umgehend Konsultationen über die strategische Stabilität aufnehmen. Dabei wolle Moskau darauf dringen, dass die USA und Russland unabhängig von den Abmachungen in den Start-Abrüstungsabkommen ihre nuklearen Arsenale weiter radikal verringern. Dabei sollten beide Seiten jeweils auf "weit unter 1500 Sprengköpfe" kommen.

In Folge dieser radikalen Abrüstung würde sich die Gesamtzahl der nuklearen Sprengköpfe in den Arsenalen der fünf Atommächte nach dem Jahr 2008 auf 4000 verringern, erklärte Jakowenko. Gleichzeitig hoffe Moskau, dass sich auch "andere Mitglieder des Atom-Clubs" weiterhin zurückhielten.

Gleichzeitig bestehe Moskau auf der Beibehaltung und Stärkung des ABM-Vertrages von 1972 zur Begrenzung nationaler Raketenabwehrsysteme, da dieses Abkommen nach Putins Erklärung "eng verbunden" sei mit weiteren Reduzierungen im Start-Rahmen. "Die Folgen einer Missachtung dieses Abkommens hätte höchst negative Folgen für die strategische Stabilität", unterstrich Jakowenko erneut die von Moskau abgelehnten Raketenabwehrpläne Washingtons.

Im Rahmen ihrer Konsultationen sollten die fünf Atommächte auch Gegenmaßnahmen zur "Verwässerung der internationalen Maßnahmen gegen die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen" erörtern. Dazu gehöre es unter anderem, einen weltweiten Kontrollmechanismus für Raketentechnologie zu schaffen.

Die Diskussion der Atommächte dürfe sich jedoch nicht nur auf die Erde beschränken. "Zu den Bedrohungen der strategischen Stabilität zählt Moskau auch ein neues Wettrüsten dort, wo es noch nicht angefangen hat, nämlich im Weltraum", sagte Jakowenko. "Der Verhandlungsprozess ist daher aus Moskauer Sicht reif für die Ausarbeitung einer internationalen Vereinbarung, die Waffen im Weltraum verbietet."



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