Mini-Internet in Nordkorea Click me if you can

Viel Zeit verbringt in Nordkorea sicherlich niemand im Internet - denn die Möglichkeiten zum Surfen sind ziemlich begrenzt: Nur 28 Webseiten soll es dort geben, berichtet die BBC.

Kim Yong Un beim Besuch einer Farm
REUTERS/ KCNA

Kim Yong Un beim Besuch einer Farm


Während bereits die Hälfte aller Menschen weltweit durch das Internet surft, ist Nordkorea eines der wenigen Länder, in denen die Mehrzahl der Bevölkerung "offline" ist. Von 25 Millionen Menschen im kommunistischen Norden der koreanischen Halbinsel sollen gerade einmal 7000 Menschen in der Netzwelt unterwegs sein. Und die 28 Webseiten des Landes sind nur schwer abrufbar - offenbar sind sie überlastet, weil internationale Medien die Liste der dort offiziell registrierten Seiten veröffentlichten.

Auf die Anzahl der in Nordkorea registrierten Seiten (Endung: .kp) ist ein Sicherheitsexperte gekommen. Er hat nach eigenen Angaben die Fehlkonfiguration eines Servers genutzt, mit dem nordkoreanische Internetadressen verwaltet werden - dort war auf einmal eine Liste aller Webseiten abrufbar, berichtet die BBC.

Wer sich die Seiten genauer anschauen möchte, braucht auf jeden Fall viel Geduld. Sehr viel. Und muss am besten koreanisch verstehen. Nur wenige Seiten sind auf Englisch - so wie jene derZeitung Rodong Sinum, die aber gleichzeitig Sprachrohr des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas ist.

Hat sich nach langem Warten die Seite geöffnet, offenbart sich dem Geduldigen die Nachrichtenwelt Nordkoreas. Und die wird, welche Überraschung, von einer Person dominiert: dem Diktator Kim Yong Un. Die erste Rubrik lautet dann auch gleich: "Aktivitäten des Obersten Führers".

Der Diktator gibt gerne Anweisungen

Glaubt man dem Nachrichtenüberblick, gehören Besuche sowie Anweisungen und Anleitungen zu den Lieblingsaktivitäten des 32-Jährigen: Kim Yong Un gibt Anweisung beim Abschießen von ballistischen Raketen und während eines Farmbesuchs Tipps zum Fruchtanbau, Kim Yong Un gibt Anweisungen beim Besuch der synthetischen Lederfabrik, Kim Yong Un bei einem offiziellen Fototermin.

Die Seiten werden nicht häufig aktualisiert und reproduzierten meist die Inhalte, die sie von der staatlichen Nachrichtenagentur erhielten, sagte Chad O'Carroll von NK News der BBC. NK News ist ein amerikanisches Medium, das nordkoreanische Medien analysiert. "Sie ahmen nicht die westlichen Medien nach", sagt O'Carroll. Internationale Nachrichten spielten kaum eine Rolle.

Aber es gibt auch buntere Webseiten in Korea: zwar kein Boulevard, aber trotzdem delikat. Es geht ums Essen. Auf der Webseite cooks.org.kp sind laut BBC alle Restaurants des Landes aufgelistet - quasi ein Restaurantführer, in dem der Oberste Führer selbst aber mal keine Rolle spielt - oder gar Tipps gibt.

Die Seite ist derzeit nicht abrufbar. Zu sehen sind laut BBC-Artikel dort unter anderem Restaurants mit Spezialitäten, die in der westlichen Welt eher Magengrummeln verursachen würde: zum Beispiel ein Hundefleisch-Restaurant in der Hauptstadt Pjöngjang.

Warum das nordkoreanische Essen so gut ist, wird dort auch erklärt: "Geschmack, Aroma, wunderschöne Farben und die Auswahl - und es ist gut für den Körper."

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mho



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