Obamas Debatten-Flop "Ich war einfach zu höflich"

Sein erstes TV-Duell gegen Mitt Romney lief mies, in Umfragen schwächelt Barack Obama. Jetzt gibt sich der US-Präsident selbstkritisch: Er habe einen schlechten Tag gehabt - und sei zu nett gewesen.

US-Präsident Obama: "Ich hatte einen schlechten Tag"
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US-Präsident Obama: "Ich hatte einen schlechten Tag"


Washington - Der Druck auf Amtsinhaber Barack Obama steigt: Nach dem müden Auftritt in der ersten Fernsehdebatte ist sein deutlicher Vorsprung auf seinen Konkurrenten Mitt Romney geschrumpft. Nun bemüht sich der Präsident um eine Erklärung für sein schlechtes Abschneiden: "Ich war einfach zu höflich", sagte er im Radioprogramm "Tom Joyner Morning Show".

Im Übrigen sei er nicht gut in Form gewesen, gab der Präsident beim Fernsehsender ABC World News zu. "Gouverneur Romney hatte einen guten Tag. Ich hatte einen schlechten Tag." Unabhängig von der Tagesform seien die fundamentalen inhaltlichen Fragen des Präsidentschaftswahlkampfs aber die gleichen geblieben.

Während der ersten Debatte vor einer Woche hatte sich der Präsident matt und lustlos präsentiert. Romney, der sonst oft hölzern wirkt, überraschte dagegen: Er zeigte sich souverän und sogar humorvoll. Seitdem steigen seine Popularitätswerte.

Für die Präsidentenwahl am 6. November erwartet Obama nun ein knappes Ergebnis, wie er mit Blick auf seine sinkenden Werte in Umfragen sagte. In einer Umfrage des Pew Research Center hatten etwa Dreiviertel der rund 1500 Befragten angegeben, der Republikaner Romney habe sich bei der Debatte am 3. Oktober besser als Obama geschlagen. Nun deutet alles darauf hin, dass es bei der Abstimmung ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen geben wird.

Hilfe vom gelben Vogel?

Obama hofft nun auf Wahlkampfhilfe vom großen, quietschgelben Vogel Bibo aus der "Sesamstraße". Denn Konkurrent Romney hatte sich im ersten Duell zumindest einen Fehler erlaubt. Er brachte die "Sesamstraßen"-Fans gegen sich auf, als er ankündigte: "Ich mag PBS und ich mag Big Bird - aber ich werde die Subventionen trotzdem streichen." Seine Äußerung sorgte binnen Sekunden für Empörung im Netz.

Seitdem macht der Präsident das Schicksal des Vogels bei seinen Wahlkampfreden zum Thema. Am Dienstag in Columbus, Ohio, spielten Obamas Leute sogar den "Sesamstraßen"-Song. Allerdings ist das für manchen Demokraten dann auch zu viel des Guten: Sie fragen sich, ob das die richtige Strategie für den Wahlkampf ist und Obama mit dem 2,4-Meter-Vogel seine Kampagne wiederbeleben kann. Eine Fernsehpuppe könne wohl kaum eine mögliche Präsidentschaft von Romney gefährden, so die Meinung der kritischen Parteifreunde. "Ich bin nicht sicher, ob ich verstehe, warum er das tut", sagte Bill Galston, ein ehemaliger Berater von Ex-Präsident Bill Clinton.

Hinzu kommt, dass die Macher der "Sesamstraße" alles andere als begeistert sind: Sie wollen nicht, dass Bibo von der Politik instrumentalisiert wird.

Hartes Vize-Duell erwartet

Obama versucht derweil, nach der misslungenen Debatte seine Anhänger zu beschwichtigen. Beim nächsten Termin kommende Woche wolle er seinem Gegner mehr Paroli bieten, kündigte der Demokrat an. "Wir werden dann etwas mehr Aktivität sehen." Am 16. und 22. Oktober treffen sich der Präsident und sein Herausforderer zu den weiteren beiden TV-Duellen.

Zunächst treffen aber am Donnerstagabend (Freitagmorgen um 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit) in Danville im Bundesstaat Kentucky erst einmal Vizepräsident Joe Biden und der republikanische Vizekandidat Paul Ryan zu einem Rededuell zusammen. Kommentatoren rechnen während der 90 Minuten mit einer harten Redeschlacht.

heb/Reuters

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Seite 1
spontifex 11.10.2012
1. "Ich war zu hoeflich"
Zitat von sysopAFPSein erstes TV-Duell gegen Mitt Romney lief mies, in Umfragen schwächelt Barack Obama. Jetzt gibt sich der US-Präsident selbstkritisch: Er habe einen schlechten Tag gehabt - und sei zu nett gewesen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-erklaert-flop-in-tv-debatte-ich-war-zu-hoeflich-a-860649.html
Andere fliegen einfach 'raus aus den US, wenn sie beim Interview durch USCIS oder EOIR "zu nett" oder "zu höflich" besonders ihrem Herkunftsland gegenüber sind.
ralf-weinert 11.10.2012
2. Charakter Eigenschaften
Wen interessiert, ob der Präsident lustlos, matt oder Humorvoll. "Hey, du willst zwar meine Kinder in irgend ein Land, von dem ich nicht weiß wo es liegt, zum töten und getötet werden hinschicken. Aber du hast ein guten Witz gemacht, darum wähle ich dich!" Ich wähl doch einen Politiker nach seinen politischen Zielen und nich nach Oberflächlichkeiten-.-
flowpower22 11.10.2012
3.
Zitat von sysopAFPSein erstes TV-Duell gegen Mitt Romney lief mies, in Umfragen schwächelt Barack Obama. Jetzt gibt sich der US-Präsident selbstkritisch: Er habe einen schlechten Tag gehabt - und sei zu nett gewesen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-erklaert-flop-in-tv-debatte-ich-war-zu-hoeflich-a-860649.html
Zwar ist Paul Ryan ein Irrer, aber ein kluger und gewiefter. Biden hingegen ist einfach nur ein arroganter dummy, der sofort nicht einen Satz mit Substanz absondern kann. Unser Yes-we-can GuantanamoObama hat so derart enttäuscht, dass man sich direkt seine Abwahl wünschen könnte, wäre da nicht Romney/Ryan. Wäre Nixon der Gegenkandidat, wäre die Sache glasklar.
michael2273 11.10.2012
4. Die sicheren Wahlsieger
Egal wie die US-Wahlen ausgehen. Sieger sind auf jeden Fall die Spiegel-Leser. Entweder darf man sich über eine Niederlage der schändlichen Republikaner freuen. Oder man kann endlich wieder seinen Antiamerikanismus freien Lauf lassen, jedoch gleichzeitig elegant darauf hinweisen, dass man nicht "antiamerikanisch", sondern lediglich ein "Gegner der Romney-Administration" sei. Das Simpsons-Paradoxon « Aron Sperber (http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/09/29/das-simpsons-paradoxon/) Ich glaube, dass die zweite Variante vielen sogar lieber wäre, denn immer nur die israelische Regierung als Feindbild zu nehmen, könnte auf Dauer verdächtig wirken
heiko1977 11.10.2012
5.
Zitat von ralf-weinertWen interessiert, ob der Präsident lustlos, matt oder Humorvoll. "Hey, du willst zwar meine Kinder in irgend ein Land, von dem ich nicht weiß wo es liegt, zum töten und getötet werden hinschicken. Aber du hast ein guten Witz gemacht, darum wähle ich dich!" Ich wähl doch einen Politiker nach seinen politischen Zielen und nich nach Oberflächlichkeiten-.-
Mag für Europa, noch, gelten (wobei auch hier ein Wechsel zu erkennen ist); in den USA steht aber die Show im Vordergrund und wie smart sich ein Kandidat darstellen kann und ob er als "harter" Kerl gilt alles andere ist ziemlich nebensächlich.
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