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11. Juli 2009, 18:54 Uhr

Obama in Ghana

Yes we can - auch in Afrika

Begeisterter Empfang für Barack Obama in Ghana - doch der US-Präsident lässt sich nicht nur feiern. Er kritisiert die afrikanischen Regierungen, verurteilt Korruption und Misswirtschaft. Seine Botschaft: "Die Zukunft Afrikas liegt bei den Afrikanern."

Accra - Barack Obama hätte auch mühelos das nationale Fußballstadion füllen können. Doch nur geladene Gäste konnten den US-Präsidenten aus der Nähe sehen. Mit Trommelrhythmen und traditionellen Tänzen hatten die Ghanaer dem Besucher aus Washington bereits in der Nacht zum Samstag einen rauschenden Empfang bereitet.

Obamas Wahlkampfslogan "Yes, we can!", der in Afrika zum geflügelten Wort des Glaubens an die eigene Kraft und die Hoffnung für eine bessere Zukunft geworden ist, prangte auch von einem Banner in dem mit ghanaischen und US-Flaggen geschmückten Kongresszentrum in Accra, wo Obama vor den Abgeordneten des Parlaments sprach.

Der Wandel, den der Wahlkämpfer Obama seinen Landsleuten versprach, soll auch Afrika erreichen. Doch dabei, so mahnte der US-Präsident, seien vor allem die Afrikaner selbst gefragt. "Die Zukunft Afrikas liegt bei den Afrikanern." Ein wenig erinnerte seine mit Spannung erwartete Rede an die eigene Antrittsrede mit der Betonung harter Arbeit und bevorstehender Anstrengungen. Das wahre Potential Afrikas könne nur bei einer verantwortungsbewussten Regierungsführung freigesetzt werden, sagte Obama. "Dies ist es, was an vielen Stellen viel zu lange Zeit gefehlt hat. Und diese Verantwortung liegt allein in den Händen der Afrikaner", sagte Obama.

Kritik an Ausbeutung der Wirtschaft

Auf solche Worte, auf die Kritik an Stammesdenken und Korruption, an Langzeitpräsidenten und Menschenrechtsverletzungen, haben nicht nur in Ghana viele Menschen gewartet. Dass Obama von vielen Afrikanern wegen seines kenianischen Vaters als einer der Ihren gesehen wird, verleiht seiner Botschaft zusätzliche Glaubwürdigkeit

Grafik: Karte von Ghana
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Grafik: Karte von Ghana

Der US-Präsident forderte stärkere Anstrengungen bei der Verhinderung von Kriegen sowie bei der Bekämpfung von Korruption und Krankheiten. Den Ländern, in denen dies umgesetzt wird, stellte er höhere Entwicklungshilfe in Aussicht. In seiner Rede vor dem Parlament gab Obama den bislang detailliertesten Einblick in seine Afrika-Politik. Wohlstand sei in keinem Land zu schaffen, in denen die Regierungen die Wirtschaft ausbeuteten, um sich selbst zu bereichern oder in denen die Polizei von Drogenhändlern bestochen werde. "Kein Unternehmen will in einen Ort investieren, in dem die Regierung 20 Prozent von der Spitze abschöpft", sagte Obama.

Obama hatte Ghana ganz bewusst als Stopp auf seinem Heimweg vom G-8-Gipfel ausgewählt. Nach einem Treffen mit seinem Kollegen John Atta Mills pries er das Land als Erfolgsmodell für den gesamten Kontinent. Ghana sei ein Beispiel für eine gut geführte Wirtschaft. Mills bezeichnete Obamas Besuch als positives Signal. Ghana sehe sich dadurch in seinem Demokratiekurs bestätigt. Die Kakao- und Gold-Nation steht besser da als viele andere Länder Afrikas. Wirtschaftsreformen hatten noch vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise zu einem starken Wachstum und hohen ausländischen Investitionen geführt.

Obama wollte knapp einen Tag in Ghana bleiben. Auf seinem Terminkalender stand noch der Besuch eines Forts, das einstmals als Stützpunkt für den Sklavenhandel diente. Er sagte, der Ort erinnere ihn daran, wie grausam Menschen sein könnten. Anschließend wollte er mit seiner Familie zurück in die USA fliegen. Der US-Präsident betonte, sein Besuch solle zeigen, dass Afrika nicht von weltpolitischen Themen ausgeschlossen sei. Die USA hätten ein fortwährendes Interesse an der Entwicklung Afrikas, sagte Obama.

Das Interesse der Afrikaner an Obama ist allerdings auch groß: "Willkommen zu Hause", wurde der erste schwarze US-Präsident auf den Titelseiten mehrerer ghanaischer Zeitungen begrüßt. Die Reggae-Gruppe "Black Rasta" hatte extra einen neuen Song komponiert, der seit Tagen landauf, landab in den Radiostationen gespielt wird.

Die Zuhörer von Obamas Rede waren besonders begeistert, als er sich zu seinen afrikanischen Wurzeln bekannte, zu einer Familiengeschichte, die eingebettet ist in die Tragödien und Triumphe afrikanischer Geschichte. "Ich habe das Blut Afrikas in mir", sagte Obama.

Dass der Hoffnungsträger aus Amerika nun nicht nur Entwicklungshilfe und Gelder zur Förderung der Landwirtschaft verspricht, sondern auch die Afrikaner selbst in die Verantwortung nehmen will, trifft gerade bei jenen auf offene Ohren, die es satt sind, ihren Kontinent nur im Zusammenhang mit Kriegen, Hunger und Krisen in den Schlagzeilen zu sehen. Ihr Motto sind die Worte, mit denen Obama seine Rede beendete: "Yes, we can."

sac/dpa/Reuters

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