Obama "Iran nimmt internationale Verpflichtungen nicht ernst"

US-Präsident Obama wählte deutliche Worte: Es sei nicht hinnehmbar, "dass Demonstranten eine Botschaft überrennen und in Brand stecken können," sagte er in Reaktion auf den Angriff auf die britische Vertretung in Teheran. Die US-Regierung ermahnte Iran, die Schuldigen zu verfolgen.

US-Präsident Obama: "Dieses Verhalten ist nicht hinnehmbar"
AP

US-Präsident Obama: "Dieses Verhalten ist nicht hinnehmbar"


Teheran - In Sprechchören nannten iranische Demonstranten am Dienstag die britische Botschaft eine "Spionagehöhle" - mit demselben Wort hatten Teilnehmer einer Protestveranstaltung im Jahr 1979 die US-Botschaft bezeichnet. In Reaktion auf die aktuellen Ereignisse forderte die US-Regierung die strafrechtliche Verfolgung der Angreifer im Iran.

"Dass Demonstranten eine Botschaft überrennen und in Brand stecken können, zeigt, dass die iranische Regierung ihre internationalen Verpflichtungen nicht ernst nimmt", sagte US-Präsident Barack Obama. "Dieses Verhalten ist nicht hinnehmbar."

Der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, hatte Iran früher am Dienstag ermahnt, die Schuldigen zu verfolgen und zu gewährleisten, dass sich solche Ereignisse nicht in anderen diplomatischen Vertretungen wiederholten. Carney sagte, das US-Außenministerium sei in engem Kontakt mit der britischen Regierung und bereit, "seinen Verbündeten in schwierigen Zeiten zu helfen".

Der Uno-Sicherheitsrat schloss sich der harschen Kritik an der Attacke auf die britische Botschaft an und rief die iranische Regierung in einer Pressemitteilung dazu auf, "alle erforderlichen Schritte" einzuleiten, um Diplomaten und diplomatische Gebäude so zu schützen, wie es das entsprechende Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen aus dem Jahr 1961 vorsehe.

Im Jahr 1979 waren bei Unruhen die Vertretung der USA besetzt und 52 US-Geiseln für 444 Tage im Gebäude festgehalten worden. Seitdem unterhält Washington keine diplomatischen Beziehungen mit Teheran.

Westerwelle bestellt iranischen Botschafter ein

Auch Deutschland verurteilte die Erstürmung "auf das Schärfste", wie es in einer Erklärung eines Sprechers des Auswärtigen Amtes in Berlin hieß. Offenbar sei auch die Deutsche Schule in Teheran in Mitleidenschaft gezogen worden. "Iran ist völkerrechtlich zum Schutz von ausländischen Diplomaten und ausländischen Missionen verpflichtet und muss dieser Schutzpflicht ohne Wenn und Aber nachkommen", forderte der Sprecher.

Aus Protest gegen die gewaltsame Stürmung der britischen Botschaft in Teheran hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle den iranischen Botschafter einbestellt. Der Vorfall auf dem Vertretungsgelände sei völkerrechtswidrig und inakzeptabel, kritisierte der FDP-Politiker am Dienstag in Berlin bei einem Treffen mit dem griechischen Außenminister Stavros Dimas. Nach Angaben eines Sprechers des Auswärtigen Amtes wurde der iranische Botschafter Ali Reza Sheikh Attar für Mittwoch zum Gespräch zitiert.

bos/heb/dapd/dpa



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