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Politiker-Selfies: Schnappschuss mit Smartphone

Foto: AP/dpa

Schnappschuss im Weißen Haus Handy-Konzern legt Obama mit Werbe-Selfie herein

Guerilla-Marketing im Weißen Haus: Das Selfie eines Baseball-Profis mit Barack Obama macht auf Twitter die Runde. Doch hinter dem harmlosen Schnappschuss steckt offenbar eine perfide Werbekampagne.

Washington - Die Stars des Baseball-Teams Red Sox waren zu Gast im Weißen Haus, sie überreichten dem US-Präsidenten ein Trikot mit der Aufschrift "Obama", und der Spieler David Ortiz zückte sein Smartphone. Er wollte ein Selbstporträt mit dem Staatsoberhaupt aufnehmen. Eine harmlose Sache? Was man eben so macht, wenn man neben einem der mächtigsten Männer der Welt steht? Oder der geschickte Trick eines Elektronikkonzerns, um sein Smartphone zu vermarkten?

Wohl Letzteres, denn offenbar ist auch Barack Obama nicht vor Marketingstrategen sicher. Das schreibt die "Washington Post" . Der Smartphone-Hersteller Samsung habe das Selfie von Ortiz mit dem Präsidenten geschickt eingefädelt, so das Blatt.

"Was für eine Ehre", schrieb Ortiz über das Foto , das am Dienstag entstand und dann bei Twitter mehr als 40.000-mal geteilt wurde. Außerdem wurden unzählige Bilder weiterverbreitet, auf denen zu sehen ist, wie der Spieler den Schnappschuss aufnimmt  - mit einem Samsung-Smartphone. Der Twitter-Account von Samsung Mobile in den USA retweetete das Bild stolz.

Wohl nicht rein zufällig hatte David Ortiz am Montag einen Vertrag mit Samsung Mobile unterschrieben. Ein Team habe dann die Idee entwickelt, den Besuch im Weißen Haus zu nutzen, geben Firmenvertreter laut "Washington Post" unumwunden zu. "Sie hörten, dass er das Weiße Haus besuchen würde und arbeiteten mit David einen Plan aus", zitiert die "Washington Post" Theresa Cha, eine Samsung-Sprecherin. "Sie wussten aber nicht, was er aufnehmen könnte."

Sowohl die Red Sox als auch Ortiz selber dementieren, dass das Foto als Werbung für den Konzern gedacht war. Aber auch die Red Sox und Samsung haben einen Werbedeal. Experten bezweifeln, ob die Marke davon profitiert, dass der Präsident hereingelegt wurde. "Ich würde meinen Kunden ein solches Vorgehen nicht empfehlen", sagte ein Werbefachmann der Zeitung.

Vertreter des Weißen Hauses erklärten am Mittwoch, weder sie noch der Präsident hätten gewusst, dass das Foto als Marketing-Gag gedacht war.

Allerdings hätte Obama gewarnt sein müssen. Bei den Oscars gelang Samsung ein Coup, als eine Reihe von Stars - darunter Bradley Cooper, Julia Roberts und Jennifer Lawrence - sich zu einem Familienfoto um das Smartphone der Moderatorin Ellen DeGeneres versammelten. Das Bild ging um die Welt. Was nach spontanem Party-Spaß aussah, war jedoch Teil eines millionenschweren Werbedeals.

Als Obama im März in der Show von DeGeneres zu Gast war, machte er sich über das Oscar-Selfie lustig: Es sei ein "ziemlich billiger Trick" gewesen, so viele Stars hinter sich zu versammeln, damit der Tweet viel weiterverbreitet wird, scherzte er. Nun wurde er offenbar selbst Opfer eines solchen Tricks.

kgp
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