Obama über Afghanistan "Dies ist keine amerikanische Mission"

Problemfall Afghanistan: US-Präsident Barack Obama will die Strategie für das Land überdenken und die afghanische Armee deutlich ausbauen. Zwar hätten die Alliierten die Taliban zurückgedrängt - aber die USA und ihre Verbündeten hätten noch einen langen Weg vor sich.


London - Dieser Sommer wird "ein harter Kampf werden": Am Rande seines Besuchs in Ghana hat US-Präsident Barack Obama die USA und ihre Verbündeten auf schwere Zeiten in Afghanistan eingeschworen. Vor ausländischen und afghanischen Sicherheitskräften liege noch ein "weiter Weg". Zugleich unterstützte er in einem Fernsehinterview den angeschlagenen britischen Premierminister Gordon Brown.

US-Präsident Barack Obama: "Taliban in Afghanistan zurückgedrängt"
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US-Präsident Barack Obama: "Taliban in Afghanistan zurückgedrängt"

Obama lobte zudem den Einsatz der Soldaten in Afghanistan: Durch die Großoffensive der US-Armee zusammen mit afghanischen Truppen im Süden des Landes seien die Taliban zurückgedrängt worden. Nach den Präsidentschaftswahlen im August müssten die USA und ihre Verbündeten die Lage im Land aber überprüfen, sagte Obama dem Fernsehsender "Sky News".

Möglicherweise müsse beim Aufbau des Landes mehr getan werden. Dabei gehe es nicht nur um unmittelbare Sicherheitsfragen. So müsse man über Alternativen für afghanische Bauern nachdenken, die Schlafmohn anbauten, sagte Obama mit Blick auf den immer noch weit verbreiteten Anbau des Drogenrohstoffs. Zudem sei es wichtig, ein Justizsystem zu etablieren, dem die Afghanen vertrauten.

Der Erfolg in dem Land hänge auch von dem Engagement europäischer Staaten ab, bekräftigte er in dem Interview: "Dies ist keine amerikanische Mission." Ausdrücklich würdigte Obama das Engagement der Briten in Afghanistan: Mit dem Tod von acht Soldaten innerhalb von 24 Stunden sind am Hindukusch mehr Briten gefallen als im Irak. Britische und US-Soldaten liefern sich derzeit im Süden des Landes heftige Kämpfe mit den radikal-islamischen Taliban.

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"Großbritannien hat eine außerordentliche Rolle in dieser Koalition gespielt und verstanden, dass wir weder Afghanistan noch Pakistan einen sicheren Zufluchtsort für al-Qaida sein lassen können", sagte der US-Präsident. Schließlich habe das Terrornetzwerk sowohl in New York als auch in London Anschläge verübt.

Damit kam Obama dem britischen Premierminister Gordon Brown zu Hilfe, der durch die steigende Zahl der getöteten Soldaten in Afghanistan unter enormen öffentlichen Druck geraten ist. In einem Brief an einen wichtigen parlamentarischen Ausschuss bekräftigte Brown am Samstag die bedeutende Rolle, die britische Soldaten in Afghanistan einnähmen. Ziel des Kampfeinsatzes sei es, terroristische Netzwerke aus Afghanistan und Pakistan zu tilgen, die gewählte Regierung gegen die Taliban zu unterstützen und den Heroinhandel einzudämmen, mit dem der Terror finanziert werde.

Auch Außenminister David Miliband verteidigte den Einsatz. Die Soldaten kämpften "für die Zukunft Großbritanniens". Afghanistan dürfe nicht wieder zur "Brutstätte des Terrorismus" werden, sagte er am Samstag der BBC. Er versprach, die britischen Soldaten in Afghanistan würden mit allen nötigen Ausrüstungsgegenständen versorgt werden. Man könne nicht Soldaten an die Front schicken, ohne diese mit den erforderlichen Hilfsmitteln auszustatten.

Kritiker werfen der Regierung von Premierminister Gordon Brown vor, zu wenige Soldaten nach Afghanistan zu schicken und die 9000 derzeit am Hindukusch stationierten britischen Soldaten nur unzureichend. "Wir haben unsere Soldaten im Stich gelassen", sagte Adam Holloway, Abgeordneter der oppositionellen Konservativen Partei und Mitglied im Verteidigungsausschuss, am Samstag. "Die Zahl der Todesopfer zeigt, dass wir es entweder richtig oder gar nicht machen sollten."

kgp/dpa/AP/AFP/Reuters



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