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Anruf beim Präsidenten-Umarmer "Da hab ich schon ganz andere Sachen gestemmt"

Die Aktion ist jetzt schon Kult: Pizzabäcker Scott Van Duzer hob US-Präsident Obama bei einem Wahlkampf-Zwischenstopp in Florida mal eben in die Luft. Im Interview erzählt er, wie es dazu kam - und warum der Secret Service zuvor die Messer versteckte.

SPIEGEL ONLINE: Hallo Mr. Van Duzer, haben Sie kurz Zeit, uns zu erzählen, wie Sie Präsident Obama umarmt haben?

Van Duzer: Sie sind aus Deutschland? Crazy! Das ist jetzt der 300. Anruf heute. Die ganze Welt redet ja schon über diese Umarmung!

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihnen ist es laut - wo erwischen wir Sie gerade?

Van Duzer: Am Flughafen. Ich bin auf dem Weg nach New York. Anderson Cooper von CNN hat mich in seine Show eingeladen. Anderson Cooper! Hätte ich auch nicht gedacht, dass mir das mal passiert.

SPIEGEL ONLINE: Es kommt aber auch nicht alle Tage vor, dass jemand den mächtigsten Mann der Welt einfach so umarmt. Wie ist das passiert?

Van Duzer: Ich war gerade Golfen, da hat mich ein Mitarbeiter angerufen, der Präsident würde gleich einen Zwischenstopp in unserem Shop machen, ich solle mich doch beeilen. Kaum war ich da, stiefelte Obama auch schon rein und fragte nach mir. Einfach so. Als wenn er ein Freund von mir wäre. Er hat dann auf meine Muskeln gezeigt, gelacht und ich habe ihn in die Luft gestemmt. Das war das Verrückteste, was ich jemals gemacht habe.

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Umarmung für den Präsidenten: Obama und der Pizzabäcker

Foto: SAUL LOEB/ AFP

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie keine Angst, vom Secret Service erschossen zu werden?

Van Duzer: Nee. Darüber habe ich überhaut nicht nachgedacht. Ich hab's einfach gemacht. Es kam irgendwie über mich. Er war da, und ich wollte ihm zeigen, wie glücklich ich bin.

SPIEGEL ONLINE: War er schwer?

Van Duzer: Der Präsident hat gesagt, er wiege 77 Kilo. Das war kein Problem für mich, da habe ich schon ganz andere Sachen gestemmt.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat Obama reagiert?

Van Duzer: Total locker. Er meinte: 'Wow, bist du Gewichtheber, oder was?' Dann haben wir nur noch gelacht.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie denn Gewichtheber?

Van Duzer: Früher habe ich viel trainiert. Heute gehe ich noch ein-, zweimal im Monat ins Studio. Aber ich bin neulich mit dem Fahrrad von Florida nach Washington gefahren. Das sind so 1600 Kilometer. Da kriegt man schon ein bisschen Kraft.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Leute, die sagen, ihre Umarmung müsse abgesprochen gewesen sein. Ein eingespielter Wahlkampftrick vom Obama-Team gewissermaßen.

Van Duzer: Ach, das ist doch Quatsch. Wir haben erst eine gute halbe Stunde vor seiner Ankunft erfahren, dass er überhaupt kommt. Der Secret Service war zuerst da. Sie kamen rein, um alles zu entfernen, was gefährlich sein könnte. Messer, Gabeln und so was. Und dann standen sie da einfach rum. Ich habe mit den Sicherheitsleuten nichts vorher besprochen. Ich wusste ja selbst nicht, dass ich gleich den Präsidenten hochheben würde!

SPIEGEL ONLINE: Hat er was gekauft bei Ihnen?

Van Duzer: Ja, 18 Pizzen für 195 Dollar. Und er hat 'ne Menge Trinkgeld dagelassen. Sicher mehr als 20 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind Republikaner, richtig?

Van Duzer: Ja, ich bin Republikaner. Aber ich habe Obama vor vier Jahren gewählt. Und ich werde ihn jetzt wieder wählen.

SPIEGEL ONLINE: Seine Gegner sagen, er tue nicht genug für kleine Unternehmen. Wie sehen Sie das?

Van Duzer: Ich sehe das anders. Ich finde, dass er immer Enthusiasmus ausstrahlt. Egal, was er tut. Er braucht einfach noch ein bisschen mehr Zeit. Und ich will mit dafür sorgen, dass er sie bekommt.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon ein Bild von der Umarmung in Ihrem Shop aufgehängt?

Van Duzer: Nein, noch nicht. Aber ich werde eins ins Weiße Haus schicken, damit Obama es unterschreibt. Dann werde ich das in meinem Shop schön präsentieren.

Das Interview führte Veit Medick