Obama unter Druck US-Militär zweifelt an Chancen der Gaddafi-Gegner

Amerikas Wähler fürchten einen längeren Einsatz ihrer Truppen gegen Gaddafi. Von der Rede Barack Obamas am Abend erwarten sie klare Ansagen. Doch ein zu schnelles Ende der Mission könnte den Sieg der Rebellen gefährden, warnen US-Militärs.

Obama: US-Bürger erwarten Klartext zum Libyen-Einsatz
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Obama: US-Bürger erwarten Klartext zum Libyen-Einsatz


Washington/Tripolis - John McCain brachte auf den Punkt, was die US-Bürger offenbar an der bisherigen Libyen-Politik ihres Präsidenten stört. Bislang sei die Strategie von Barack Obama von "Durcheinander, Unentschiedenheit und Verzögerung" gekennzeichnet, kritisierte der republikanische Senator und Kriegsveteran: "Kein Wunder, dass die Amerikaner verwirrt sind (...) Einmal heißt es, es sei ein humanitärer Einsatz, dann wieder, dass Gaddafi weg müsse."

Umso mehr sind die Amerikaner gespannt auf die angekündigte Ansprache Obamas vor der Militäruniversität des Pentagons in Washington. In dieser Rede an die Nation soll der US-Präsident die Sorgen zerstreuen, dass den Truppen nach Afghanistan und Irak ein dritter längerer Kriegseinsatz in einem muslimischen Land bevorsteht. Bislang hat sich Obama zum Aufstand der Rebellen mit Äußerungen zurückgehalten: Es gehe in dem vom Sicherheitsrat durch eine Resolution genehmigten Einsatz um den Schutz von Zivilisten und nicht darum, Gaddafi zu stürzen.

Doch je länger der Kampf der Rebellen gegen die Truppen von Gaddafi dauert, wächst die Unruhe in der US-Bevölkerung. "Ich weiß, wie sehr sich die Leute Sorgen machen, und natürlich wird der Präsident sich Montagnacht ans Volk wenden, um auf viele dieser Bedenken einzugehen", kündigte Außenministerin Hillary Clinton bereits an. Bisher steht die Mehrheit der Amerikaner Umfragen zufolge hinter dem Libyen-Engagement. Doch spätestens, wenn sich ein langer Krieg abzeichnen sollte, könnte sich dies ändern.

Mit seiner Rede muss sich Obama auch gegen Kritik vonseiten republikanischer Abgeordneter, aber auch aus den eigenen Rängen verteidigen. Abgeordnete beklagten, dass sich der Präsident vor Beginn der US-Beteiligung am Libyen-Einsatz nicht die Befugnis dafür beim Kongress holte. Zudem habe er sich nicht eng mit Kongressabgeordneten über den Einsatz beraten. Sie verlangen von ihrem Präsidenten präzise Angaben zur militärischen Rolle der USA in Libyen in den nächsten Tagen.

Der republikanische Abgeordnete Newt Gingrich, ein möglicher Bewerber um das Präsidentenamt, sagte dem US-Sender Fox, er hoffe, dass Obama in seiner Rede wesentlich klarer sein werde, als er es bis jetzt gewesen sei. "Ich hoffe, der Präsident wird sagen, dass er (bei seinen Entscheidungen) allen voran den Kongress hinzuzieht und nicht nur die Arabische Liga und die Vereinten Nationen", sagte Gingrich.

General warnt vor zu frühem Abzug

In US-Medien wurde spekuliert, Obama werde in seiner Ansprache vor allem auf die Erfolge der Intervention eingehen. Die "New York Times" berichtete, die USA hätten auch schon damit begonnen, ihre Truppenpräsenz in der Region zu reduzieren: Mindestens ein U-Boot, von dem Marschflugkörper auf libysche Einrichtungen abgefeuert wurden, habe die Gegend verlassen. Weitere US-Kriegsschiffe sollten folgen, verlautete demnach aus dem Pentagon.

Obama hatte bereits am Wochenende "wichtige Fortschritte" der internationalen Militäraktion in Libyen hervorgehoben. Auch Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates bezeichneten die Einrichtung der Flugverbotszone über Libyen als "vollendet". Gaddafi an einem Vormarsch auf Rebellenstädte zu hindern, sei nun viel einfacher.

Es wird auch erwartet, dass Obama seinen Landsleuten erneut versichert, dass unter keinen Umständen US-Bodentruppen in Libyen zum Einsatz kommen und die USA ihre Führungsrolle bei dem internationalen Militäreinsatz vollständig an die Nato und andere Partner übergeben werden.

Die "Washington Post" zitierte am Montag jedoch ungenannte Regierungsmitglieder, die einen Sieg der Rebellen für eher unwahrscheinlich halten. Sie meinen, dass Gaddafis Regime wegen des internationalen Drucks entweder von selbst zerbricht oder dass ein Ende seiner 41-jährigen Herrschaft am Verhandlungstisch erzielt wird. General Carter Ham, Chef des Afrika-Kommandos der US-Truppen, warnte nach Angaben der "New York Times" bereits, ohne eine permanente westliche Unterstützung würden die Rebellen den Kampf gegen das Gaddafi-Regime nicht gewinnen. Denn nach wie vor seien die Soldaten des Despoten den Kämpfern der Aufständischen waffentechnisch überlegen. Nur die Luftangriffe der Alliierten verhinderten, dass Gaddafis Luftwaffe die Rebellen schnell wieder zurückdränge.

Die Rebellen in Libyen stießen bei ihrer Offensive gegen Gaddafis Truppen trotz der Unterstützung durch die internationalen Streitkräfte derweil an ihre Grenzen. Von einer Eroberung Sirtes, der Geburtsstadt des Diktators, 460 Kilometer östlich von Tripolis, konnte keine Rede sein. Der Haupttrupp der Aufständischen stand immer noch dort, wo er am Vorabend gestanden hatte - westlich der 180 Kilometer entfernten Stadt Bin Dschawad.

als/Reuters/dpa/dapd

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Seite 1
tauschspiegel 28.03.2011
1. ziemlich einseitige selbstgeißelung
Zitat von sysopAmerikas Wähler fürchten einen längeren Einsatz ihrer Truppen gegen Gaddafi. Von der Rede Barack Obamas am Abend erwarten sie klare Ansagen. Doch ein zu schnelles Ende der Mission könnte den Sieg der Rebellen gefährden, warnen US-Militärs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753631,00.html
*** es zeigt sich immer klarer, dass der angriffskrieg der willigen keine hilfe ist und die deutsche skepsis vollkommen berechtigt war. der deutschen aussenpolitik angesichts dieser fakten unfähigkeit vorzuwerfen (aktueller SPIEGEL) zeugt von einer komplett naiven einschätzung der tatsächlichen verhältnisse in lybien. die forderung sich trotz berechtigter zweifel allein aus falschverstandener bündnistreue sich der operation anzuschließen ist zwar typisch deutsch - aber viel zu einseitig. frankreich und gb leisten sich einige sonderwege mehr, ohne dass gleich die westliche welt zusammenbricht.
Bezahler 28.03.2011
2. Gott seis gedankt
Zitat von sysopAmerikas Wähler fürchten einen längeren Einsatz ihrer Truppen gegen Gaddafi. Von der Rede Barack Obamas am Abend erwarten sie klare Ansagen. Doch ein zu schnelles Ende der Mission könnte den Sieg der Rebellen gefährden, warnen US-Militärs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753631,00.html
Dafür,das wir uns nicht in diesen sich anbahnenden Kladeradatsch hineinziehen ließen müssen wir jeden Morgen und Abend Gott danken. Dieses ganze Dafürgemecker ist für mich völlig unverständlich.Durch die weise,gar seherische Entscheidung unseres Aussenministers geht dieser Kelch nun an uns vorüber.Geschickt ist es die Sache mit den Afgahnischen AWACS vorzuschieben.Nur den Skandal kann ich nicht erkennen.Aber jetzt nach der Wahl kann sich die Opposition ja wieder Ehrlichkeit leisten und eingestehen,das die Enthaltung im Sicherheitsrat,zumal gemeinsam mit Brasilien,Russland,China,Indien und weiterer kleinerer Mitglieder erfolgt,gut war.
dead_man_walking 28.03.2011
3. Weit
Ich find das die Rebellen, in der Kürze der Zeit, schon relativ weit gekommen sind. Man muss die Entwicklungen der nächsten Tage abwarten.
trubeldubel 28.03.2011
4. Wie aus dem inneren Kreis zu erfahre ist...
... plant die UNO als eine völlig souveräne Organisation, die Terrorstaaten USA, GB und F mit Flugverbotszonen zum Schutz der Zivilbevölkerungen souveräner Staaten einzurichten. Die nächste Tagung des UNSR wird den Ausschluss dieser drei kriegstreibenden und kriegsführenden Staaten aus dem UNSR und der UNO beschließen. Zudem wird die Verbrecherorganisation NATO aufgelöst. Alle Vermögenswerte fallen einer Treuhandgesellschaft zu. Deutschland beschließt, das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umzubenennen. Der oberste Führungskreis der Kriegsflotte, Heer und Luftwaffe wird ab sofort wieder Generalstab genannt. Da Deutschland sich zur Zeit noch nicht im Kriegszustand (sondern nur in Grenzstreitigkeiten am Hindukusch) befindet, bleibt die Verfassung bis auf weiteres inkraft.
jetztwirdsgut 28.03.2011
5. ???
Wo steht eigentlich der Spiegel bei dem Thema??? Gestern Franzosen und Engländer zitieren und Libyen für den Wahlkampf benutzen und heute mahnend den Finger heben, dass selbst die Amerikaner Zweifel haben. Die Einzigen die hurraschreiend diesen Krieg (oder sind es doch nur humanitäre Einsatze...wieviel Sauerstoff verbraucht so eine Tomahawk eigentlich beim Explodieren...aber das sind ja nur Kollateralschäden, oder...?) wollten waren die alten Kolonialmächte Frankreich und England. An deren Wesen soll dann wohl die arabische Welt genesen. Und das ich in diesem sonst so seriösen Blatt amerikanische PR lesen muss (CNN-Reporter und Financial Times Reporter...ob die Story wirklich stimmt...?), ist auch erstaunlich. Wissen sie wie groß die Budgets des amerikanischen Militärs für PR sind...? Glückwunsch sie überholen glatt die BILD...
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