Obama zu US-Arbeitslosenzahlen "Das ist nicht gut genug"

US-Präsident Barack Obama zeigt sich zerknirscht über die jüngsten Arbeitslosenzahlen. Die Quote ist zwar gesunken, doch es sind deutlich weniger Jobs als erwartet entstanden - und für die Wähler zählt vor allem die Wirtschaftslage.

US-Präsident Obama: Der Kampf für eine zweite Amtszeit ist ein Kampf gegen um Jobs
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US-Präsident Obama: Der Kampf für eine zweite Amtszeit ist ein Kampf gegen um Jobs


Washington - Schwache Arbeitsmarktdaten haben US-Präsident Barack Obama einen Dämpfer im Kampf um seine Wiederwahl versetzt. Die Arbeitslosenquote ist im August zwar um 0,2 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent gefallen, teilte das Arbeitsministerium mit. Doch die Mehrheit der zuvor noch aktiv Arbeitssuchenden sei lediglich aus der Statistik verschwunden und nicht in neuen Jobs gelandet.

Mit 96.000 neuen Arbeitsplätzen entstanden demnach im August den dritten Monat in Folge deutlich weniger Jobs als erwartet. "Das ist nicht gut genug. Wir wissen, dass das nicht gut genug ist. Wir müssen schneller mehr Arbeitsplätze schaffen", rief Obama seinen Zuhörern bei einer Veranstaltung in New Hampshire zu, nachdem die jüngsten Daten veröffentlicht worden waren.

Der schwache Arbeitsmarkt gilt als größte Hürde für ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Die US-Konjunktur hatte im Frühjahr mit einer Jahresrate von 1,7 Prozent zugelegt, aber zum ersten Quartal an Fahrt verloren. Auch der Rückgang der Arbeitslosenquote ist nach Ansicht von Postbank-Experte Heinrich Bayer "nicht unbedingt ein gutes Zeichen". Denn es signalisiere vielmehr, "dass Arbeitslose in verstärktem Maße die aktive Suche nach einer Beschäftigung einstellten." Sie fallen damit aus der Statistik. Die prekäre Lage unterstreicht auch eine andere Zahl: Die Quote für die Teilhabe am Arbeitsmarkt - also der Anteil der Amerikaner, die einen Job haben oder einen suchen - fiel auf 63,5 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit September 1981.

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US-Wahlkampf 2012: Die Stunde Barack Obamas
Der maue Arbeitsmarkt dürfte Ökonomen zufolge auch die US-Notenbank Fed dazu bringen, der Wirtschaft mit einem neuen Programm zum Anleihenkauf (QE) unter die Arme zu greifen. "Diese schwachen Daten sind wahrscheinlich der letzte Mosaikstein, den die Fed braucht, bevor sie nächste Woche eine neue Runde QE einläutet," sagte Joseph Trevisani von Worldwide Markets. Fed-Chef Ben Bernanke hatte jüngst die Stagnation am Arbeitsmarkt als "große Sorge" bezeichnet und bekräftigt, dass die Zentralbank "bei Bedarf" die Wirtschaft stützen werde. Die Fed entscheidet am Donnerstag wieder über ihre Zins- und Geldpolitik.

Die Ankurbelung der Wirtschaft und das Schaffen neuer Jobs ist ein wichtiges Thema im Wahlkampf von Obama. Er kündigte in seiner Rede auf dem Parteitag der Demokraten am Donnerstag an, bis Ende 2016 eine Million neue Industriejobs schaffen zu wollen und bat um mehr Zeit zur Lösung der Wirtschaftskrise. "Sie haben mich gewählt, damit ich die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist, dass es mehr als nur ein paar Jahre dauern wird, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben", sagte Obama.

Obama hat in Umfragen seit Monaten nur einen hauchdünnen Vorsprung vor seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Die Wähler trauen dem Republikaner eher zu, die wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Romney hatte zwölf Millionen mehr Jobs in den nächsten vier Jahren versprochen und nutzte die schwachen Zahlen, um Obama vor der November-Wahl zu attackieren. "Wenn die vergangene Nacht noch eine Party war, herrscht an diesem Morgen Katerstimmung", sagte Romney.

Der Herausforderer wittert seine Chance. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist kein Präsident bei einer Arbeitslosigkeit von mehr als acht Prozent wiedergewählt worden.

lgr/Reuters/AFP/AP



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Thaeve 07.09.2012
1.
Zitat von sysopAFPUS-Präsident Barack Obama zeigt sich zerknirscht über die jüngsten Arbeitslosenzahlen. Die Quote ist zwar gesunken, doch es sind deutlich weniger Jobs als erwartet entstanden - und für die Wähler zählt die Wirtschaftslage. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854627,00.html
Es ist auch noch nie ein Schwarzer gewählt worden. Noch nie hatte eine europäische Fußballmannschaft außerhalb Europas die WM gewonnen, bis... Spanien 2010 Bislang noch nie... sind keine Gesetzmäßigkeiten, sondern Kaffeesatzleserei von Glaskugelbesitzern.
punjaabi24 07.09.2012
2. Qe
Die Konjunktur weltweit schwächelt. Obama wird es schwer haben und eine Verschärfung der Rezession spielt Romney in die Hände. Die Republikaner repräsentieren das "Ego-Amerika" in Reinkultur. Nicht, dass die Demokraten so viel besser wären, aber wohl bei weitem das kleinere Übel. Zu den QE Programmen: Man kann nur ohnmächtig zuschauen, wie versucht wird, eine aus den Fugen geratene Weltwirtschaft durch verzweifelte geldpolitische Stromstöße aus dem Koma zu erwecken. Bin gespannt, wie lange die letzten Zuckungen noch anhalten, bevor die nationalen Schulden der Amerikaner- natürlich zu Lasten der Vermögen - drastisch entwertet werden. Dann wird das, was im September 2008 begann, vollendet werden - und die Karten neu verteilt. Und das weltweit.
52er 07.09.2012
3.
Es ist genügend Geld in der amerikanischen Wirtschaft vorhanden um sofort neue Arbeitsplätze zu schaffen, solange ein schwarzer Demokrat amerikanischer Präsident ist, wird dies nicht geschehen. Mit viel Geld hat die Wirtschaft den republikanischen Wahlkampf unterstützt, sie wird nicht mit der Schaffung von Arbeitsplätzen Obama den Wahlkampf erleichtern. Dies ist im übrigen nicht nur die Wahlkampfmethode der amerikanischen Wirtschaft. Mit sanftem Druck wird der "freie" Wähler dorthin gebracht wo er hin soll. Nur- auf diese Weise bekommt er nie den Präsidenten den er haben möchte.
irobot 07.09.2012
4. Hier könnte Ihre Werbung stehen!
---Zitat--- Er kündigte in seiner Rede auf dem Parteitag der Demokraten am Donnerstag an, bis Ende 2016 eine Million neue *Industriejobs *schaffen zu wollen... ---Zitatende--- Industrie? In den USA? Also ich kenne mich mit deren Industrie ehrlich gesagt nicht so gut aus. Aber haben die US-Unternehmen nicht einen Großteil davon in Billiglohn-Länder ausgelagert und stehen jetzt ohne nennenswerte Industrieproduktion da? Oder das, was sie haben (z.B. Automobilindustrie) ist international nicht konkurrenzfähig. Das wird wohl schwer, da neue Jobs zu schaffen.
Stelzi 07.09.2012
5. Oje..
Zitat von punjaabi24Die Konjunktur weltweit schwächelt. Obama wird es schwer haben und eine Verschärfung der Rezession spielt Romney in die Hände. Die Republikaner repräsentieren das "Ego-Amerika" in Reinkultur. Nicht, dass die Demokraten so viel besser wären, aber wohl bei weitem das kleinere Übel. Zu den QE Programmen: Man kann nur ohnmächtig zuschauen, wie versucht wird, eine aus den Fugen geratene Weltwirtschaft durch verzweifelte geldpolitische Stromstöße aus dem Koma zu erwecken. Bin gespannt, wie lange die letzten Zuckungen noch anhalten, bevor die nationalen Schulden der Amerikaner- natürlich zu Lasten der Vermögen - drastisch entwertet werden. Dann wird das, was im September 2008 begann, vollendet werden - und die Karten neu verteilt. Und das weltweit.
Welche Rezession? Die USA sind in keiner Rezession. Dazu bedarf es einer stagnierenden oder schrumpfenden Wirtschaft, und zwar zwei Quartale in folge. Das tut sie aber aktuell nicht. Folgerichtig gibts in den USA im Moment keine Rezession. Bist aber nicht der Einzige hier, der das nicht wusste.
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