Obamas Kabinett Ein General fürs Weiße Haus

Der designierte US-Präsident Obama hat offenbar eine wichtige Personalie entschieden. Aus der demokratischen Partei sickerte durch, dass James Jones Nationaler Sicherheitsberater werden soll - ein General a.D., um den schon Präsident Bush gebuhlt hatte.


Washington - Die Generalsuniform hat James Jones im vergangenen Jahr abgelegt, dem Militärischen bleibt er aber auch in Anzug und Krawatte verbunden. Der frühere Oberkommandierende der Nato wird laut US-Medien als Nationaler Sicherheitsberater ins Weiße Haus wechseln und damit eine zentrale Rolle in der Außen- und Sicherheitspolitik des künftigen Präsidenten übernehmen. Am Montag will Barack Obama die Personalie nach US-Zeitungsberichten auf einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Anzug und Krawatte statt Uniform: Der frühere Nato-Oberkommandierende rückt offenbar ins Kabinett von Barack Obama ein
AFP

Anzug und Krawatte statt Uniform: Der frühere Nato-Oberkommandierende rückt offenbar ins Kabinett von Barack Obama ein

Mit Jones rekrutiert Obama einen weithin anerkannten Verteidigungsexperten, mit dem er neben seinem Wunsch nach einer Neubestimmung der Außen- und Sicherheitspolitik auch noch die Liebe zum Basketball teilt.

Vier Jahrzehnte verbrachte Jones im aktiven Militärdienst. Dem 64-Jährigen wird über die Parteigrenzen hinweg das politische Gewicht zugetraut, das Amt des Sicherheitsberaters zu einem wirklichen Machtzentrum im Weißen Haus auszubauen. Dem Wechsel in Obamas Regierung ging denn auch eine lange Reihe von Hofierungsversuchen aus beiden politischen Lagern voraus. Als Jones im Februar 2007 aus dem Militärdienst ausschied, warb die Regierung von Präsident George W. Bush um ihn, er hätte einen hohen Regierungsposten bekommen können. Jones lehnte ab. Es war in Washington ein offenes Geheimnis, dass er nicht eine Außenpolitik vertreten wollte, an der er Zweifel hatte.

Den Irak-Krieg schätzte Jones als "Debakel" ein, die US-Regierung habe den Einsatz mangelhaft vorbereitet, kritisierte er offen. Mit der Planung und Ausführung des Einsatzes im Irak hatte Jones wenig zu tun, umso mehr hingegen mit dem internationalen Militäreinsatz in Afghanistan, für den er bis Dezember 2006 als Nato-Oberkommandierender einen Teil der Verantwortung trug. Damit liegt er auf einer Linie mit Obama, der den Einsatz im Irak beenden, jenen in Afghanistan hingegen ausweiten will. Wie Obama fordert auch Jones seit langem die Schließung des Internierungslagers Guantanamo auf Kuba.

Mit der Anwerbung von Jones hat Obama ein weiteres Mal seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, brillante Denker für den Dienst in seiner Regierung zu rekrutieren. Jones hat sich nicht nur als Militär, sondern auch als sicherheitspolitischer Analytiker einen Namen gemacht. Zuletzt leitete er ein Institut der US-Handelskammer zur Erforschung neuer Energiequellen, außerdem arbeitete er für den Atlantic Council, eine angesehene Washingtoner Denkfabrik. Für Außenministerin Condoleezza Rice diente er als Sondergesandter für Sicherheitsfragen im Nahen Osten.

Im politischen System der USA bedeutet der Zugang zum Ohr des Präsidenten einigen Einfluss, und Jones wird praktisch täglich Zugang zu Obama und damit auch politische Gestaltungsmacht haben. Der Vietnam-Veteran wird immer mit im Raum sein, wenn der Präsident militärische Entscheidungen trifft. Den Einsatz von Militär betrachtet Jones, der im Jahr 1967 in die US-Marineinfanterie aufgenommen wurde, als legitimes Mittel zur Wahrung nationaler Interessen. Vorrangiges Instrument ist für ihn aber die Diplomatie. Zu den dringendsten Anliegen zählt für ihn, das angeschlagene Image der USA in der Welt zu reparieren.

Dabei mag es hilfreich sein, dass Jones - ebenso wie Obama - einen Teil seines Lebens im Ausland verbracht hat. Aufgewachsen ist er in Paris, wo sein Vater einen US-Konzern vertrat. Jones spricht fließend Französisch. Später arbeitete er jahrelang im Nato-Hauptquartier in Brüssel. Dem neuen Präsidenten wird Jones vielleicht nicht nur mit politischem Rat, sondern auch mit Sportsgeist zur Seite stehen: Obama erholt sich gerne mit einer Partie Basketball vom politischen Alltagsgeschäft. Jones, der mehr als 1,90 Meter misst, war während seines Studiums an der Georgetown-Universität ein gefürchteter Spieler des Hochschulteams.

Peter Wütherich/AFP



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