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23. November 2008, 15:37 Uhr

Obamas Super-Kabinett

Timothy Geithner wird US-Finanzminister

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Jetzt ist es amtlich: Der New Yorker Notenbankchef Timothy Geithner wird Finanzminister unter dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama. Er soll Obamas erster Ansprechpartner sein, wenn es um die Verwirklichung der Steuerversprechen und die Bewältigung der Finanzkrise geht.

Washington - Timothy Geithner, bislang Chef der Federal Reserve Bank in New York, wird der neue starke Mann im US-Finanzministerium, das bestätigte Obamas Berater David Axelrod am Sonntag. "Von seinem Naturell her und seiner Erfahrung ist er der richtige Mann", sagte Axelrod dem Fernsehsender Fox. Geithner, mit 47 Jahren ebenso alt wie Obama und im Falle seiner Ernennung einer der jüngsten Finanzminister der US-Geschichte, scheint vielen der richtige Mann, sich der Krise zu stellen.

"Tim ist eine großartige Wahl", sagte der Chef des Investmentarms der Großbank Creduit Suisse der "New York Times". "Er hat den Intellekt, die Erfahrung und die Fähigkeit, über politische Lager hinweg zu arbeiten, was man bei diesem Job braucht." Auch im Kapitol ist man ihm wohlgesonnen. Geithner "wird im Senat sehr gut aufgenommen werden", sagt der Vorsitzende des Bankenausschusses, Kent Conrad. "Das ist die Art von Leuten, deren Hand man inmitten des Sturms am Ruder sehen will. Und dies ist (ein Sturm der) Kategorie 4."

Der jungenhaft wirkende Geithner kämpft von Anfang an als Teil der Spitzentroika gemeinsam mit Finanzminister Paulson und US-Notenbankchef Ben Bernanke gegen die Kreditkrise.

Er ist einer der wichtigsten Architekten der Rettung der Investmentbank Bear Stearns im März und der Milliardenspritze für den Versicherungsriesen AIG. Schon in den Anfängen der Misere setzte er sich für staatliche Intervention ein, "und er wird diesen aktiven Ansatz vermutlich auch in seinem neuen Job weiterverfolgen", mutmaßt das "Wall Street Journal".

Brenzlige Situationen an der Finanzfront sind ihm alles andere als fremd: Schon in den neunziger Jahren formulierte Timothy Geithner maßgeblich die US-Politik inmitten der Währungs- und Wirtschaftskrisen in Russland, Mexiko und Asien.

Als Finanzminister wird seine Aufgabenpalette gigantisch sein: Neben der Krise muss er sich um die Zukunft der vom Staat kontrollierten größten US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac kümmern, um die notwendige Reform der Finanzregulierung und -aufsicht, und auch darum, was die neue Regierung mit der zweiten Hälfte des 700 Milliarden Dollar (555 Milliarden Euro) schweren Bankenrettungspakets anfangen will.

Außerdem wird Geithner Obamas erster Ansprechpartner sein, wenn es um die Verwirklichung der Steuerversprechen geht, nach denen die Reichen künftig stärker zur Kasse gebeten werden und die Mittelschicht entlastet werden soll. Auch wird er ein gewichtiges Wort bei einem zweiten Konjunkturprogramm mitzureden haben, das sehr wahrscheinlich kommt und nach Ansicht von Fachleuten einen Umfang von mehr als 300 Milliarden Dollar (238 Milliarden Euro) haben müsste.

Geithner wird sich auf den Rat seines Mentors, dem früheren Finanzminister Larry Summers, stützen können, der voraussichtlich einen hohen Beraterposten im Weißen Haus bekommt und ebenfalls als Ressortchef im Gespräch war.

Viele in Obamas Wirtschaftsteam haben noch nicht die 40 erreicht: Spitzenberater Jason Furman ist 38 Jahre alt, Etatchef Peter Orszag und Austan Goolsbee, der das Wirtschaftsberatergremium des Präsidenten leiten soll, sind 39. Alle drei gelten als Pragmatiker ohne besonderen politischen Links- oder Rechtsdrall. Das "Wall Street Journal" spricht von einem "Wiedereinzug akademischer Ökonomen und Technokraten" nach der Bush-Ära, in der auch schon Aluminiumkonzern- und Bahnmanager auf den Chefsessel des Finanzministeriums gehoben wurden.

Von der Wall Street gab es bereits Vorschusslorbeeren: Kaum war das Gerücht am Freitag in der Welt, Geithner werde neuer Finanzminister, setzten die Märkte zum Kursfeuerwerk an.

jjc/dpa

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