Obamas Vize-Kandidatin 5:5 für Clinton

Sie hat gegen Barack Obama verloren - und am Samstag will Hillary Clinton das auch offiziell zugeben. Aber was dann? Wird der Präsidentschaftskandidat sie als Vize nominieren? Es sprechen genau so viele Gründe dafür wie dagegen.

Von , New York


New York - Sie brauchte 24 Stunden, um sich zu fangen. Am gestrigen Mittwochabend, nach zahllosen Telefonaten mit Freunden, Kollegen und Unterstützern, beugte sich Hillary Clinton der Realität. Dem Unvermeidbaren - dem Ende ihres Wahlkampfes. Am nächsten Samstag, erklärte ihr Wahlkampfbüro, werde sich Clinton offiziell hinter ihren bisherigen Rivalen Barack Obama stellen, der bei den letzten beiden Vorwahlen am vergangenen Dienstag genügend Parteitagsdelegierte für die Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten gewonnen hatte.

Clinton werde bei einem Auftritt in Washington - an dem der Tradition nach auch Obama teilnehmen dürfte - "ihren Anhängern danken und ihre Unterstützung für Senator Obama und die Einheit der Partei zum Ausdruck bringen", teilte ihr Lager mit. Die Großveranstaltung - nach ersten Presseberichten am Freitag und in New York, Clintons Wahlheimat - werde am Samstag in der US-Hauptstadt stattfinden, "um noch mehr Anhängern Clintons, die daran teilnehmen wollen, Platz zu bieten".

Mehrere US-Medien meldeten darüberhinaus, Clinton werde ihren Wahlkampf offiziell aber nur "suspendieren". Will heißen: Sie gibt auf, doch ihre Parteitagsdelegierten bleiben vorerst an sie gebunden - ein letzter Machthebel also.

Der Druck war offenbar zu groß geworden. Noch am vergangenen Dienstag hatte sich Clinton, obwohl Barack Obama die Nominierung sicher hatte und das Rennen somit gelaufen war, alle weiteren Optionen vorbehalten. Hatte bei ihrer Abschiedsveranstaltung in New York stoisch gerufen: "Die Frage ist, wohin gehen wir von hier aus? Heute Abend werde ich keine Entscheidungen treffen." Hatte ihre Anhänger gebeten, ihr über ihre Wahlkampf-Website Ratschläge fürs weitere Vorgehen zu geben.

Doch die Parteispitze und die Top-Demokraten im Kongress drängten sie, die bittere Pille endlich zu schlucken. Parteichef Howard Dean sowie die Sprecher von Repräsentantenhaus und Senat, Nancy Pelosi und Harry Reid, hatten am gestrigen Mittwoch alle noch unentschlossenen Superdelegierten offen aufgefordert, die Qual spätestens am Freitag zu beenden - die Qual der Demokraten und die Qual des Clinton-Camps.

"Ich bin froh, dass wir eine Entscheidung getroffen haben, und ich hoffe, dass wir unsere Partei einen und vorwärts gehen können", zitierte die "New York Times" den Ex-Vizepräsidenten Walter Mondale. "Wir haben geschworen, sie bis zum Ende zu unterstützen", sagte der New Yorker Abgeordnete Charles Rangel in mehreren Interviews. "Unser Problem ist, dass wir nicht bestimmen können, wann zum Teufel das Ende ist." Es war ein klares Signal zum Abpfiff.

Dieser Abpfiff soll nun am kommenden Samstag kommen - 16 Monate, nachdem Hillary Clinton in einem Web-Video ihre Präsidentschaftskandidatur erklärt hatte. Der TV-Unternehmer Robert Johnson, ein prominenter Clinton-Unterstützer, sagte auf CNN, er wolle nun mit einer Gruppe schwarzer Politiker im Kongress auf Obama einwirken, dass er Clinton zu seiner Vizepräsidentschaftskandidatin mache.

Auch das "Wall Street Journal" meldete, Clinton wünsche sich diesen Vizeposten, um gemeinsam mit Obama als "Ticket der Einheit" zu kandidieren und die fast 18 Millionen Amerikaner, die in den Vorwahlen für sie gestimmt hatten, sanft ins Obama-Lager hinüber zu bugsieren. Doch die Zeitung schoss diese Vorstellung im nächsten Satz auch gleich schon wieder ab: Enge Berater Obamas hätten ein solches Obama/Clinton-Ticket als "höchst unwahrscheinlich" bezeichnet, da es da etliche "deal-breaker" gebe - widrige Umstände, die dem entgegenstünden (siehe unten).

Und so laufen die Spekulationen weiter heiß: Was wird nun aus Hillary Clinton? Wird Obama sie tatsächlich zu seiner Vizekandidatin ernennen? Wird es ein unschlagbares "Dream Ticket" geben? Oder wird er sie mit einer anderen Machtposition in seinem Dunstkreis abfinden? Wie anders, fragt Tim Russert von NBC News, ließe sich "das Problem Clinton" lösen?

Dabei ist diese Sache alles andere als einfach. Die Suche nach einem Vizepräsidenten ist eine Wissenschaft für sich, ein diplomatischer Eiertanz, der über Wochen hinweg im stillen Kämmerlein praktiziert wird - und bislang nur selten mit offenen Machtansprüchen zu tun hatte wie im Fall Clinton. Geografie und die Wahlkarte spielen eine Rolle, persönliche Animositäten, politische Schulden, eiskaltes Kalkül um jede Wählerstimme.

SPIEGEL ONLINE hat die Pros und Contras einer Clinton-Vizekandidatur zusammengestellt.

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.