Asylfall in Österreich Behörde sprach Afghanen Homosexualität ab - Mitarbeiter versetzt

Er sei nicht schwul - "Gang, Gehabe und Bekleidung" deuteten nicht darauf hin: Mit dieser Begründung lehnte eine Behörde den Antrag eines Asylbewerbers ab. Das Amt hat den Fehler nun eingeräumt und reagiert.
Junge Flüchtlinge (Symbolbild)

Junge Flüchtlinge (Symbolbild)

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) in Österreich hat "sprachliche Verfehlungen" bei der Begründung eines negativen Asylbescheids bedauert. "Ein respektvolles Verhalten im Umgang mit Menschen und die qualitätsvolle Bearbeitung der Bescheide sind Grundvoraussetzung für die Arbeit des Bundesamtes", teilte die Behörde mit.

Anlass ist ein bizarrer Asylfall: Ein Mitarbeiter hatte einem 18-jährigen Afghanen, der sich wegen seiner Homosexualität in seiner Heimat verfolgt fühlte, den Schutzstatus verweigert. "Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten", hatte die Wochenzeitung "Falter" aus der Begründung zitiert. Der Mitarbeiter sei inzwischen versetzt worden.

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In seiner Begründung hatte der Mitarbeiter ferner behauptet, dass Homosexuelle grundsätzlich nicht aggressiv seien. Der 18-Jährige habe sich aber während seines Aufenthalts mit anderen gestritten. "Ein Aggressionspotenzial ist bei Ihnen also vorhanden, das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre." Das Amt befand: "Sie sind nicht homosexuell und haben daher bei Ihrer Rückkehr nach Afghanistan nichts zu befürchten."

(Wie die Rechtslage in Deutschland ist und wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Asylgründe wie sexuelle Orientierung und Glaubenswechsel prüft, lesen Sie hier.)

Die Behörde hat aus Anlass des Falls nach eigenen Angaben auf der Suche nach Mängeln 500 Bescheide überprüft - und keine weiteren Auffälligkeiten gefunden. Das BFA habe in den vergangenen beiden Jahren rund 120.000 Asylentscheidungen getroffen. Dies bedeute bei einer durchschnittlichen Länge von rund 70 Seiten pro negativem Bescheid ein Volumen von mehr als fünf Millionen Seiten. "Aus dieser enormen Menge ein paar wenige Sätze herauszunehmen, bildet nicht die Realität ab", so das Amt.

asa/dpa