Neuer FPÖ-Chef Hofer Radikaler mit Umgangsformen

Er trug ein Erkennungszeichen der Nationalsozialisten, forderte eine Volksbefragung zum Austritt aus der EU, wollte als möglicher Bundespräsident Regierungen entlassen, wenn sie nicht spuren. Jetzt übernimmt Norbert Hofer die FPÖ.
Norbert Hofer

Norbert Hofer

Foto: Lisi Niesner / REUTERS

Norbert Hofer lässt kaum eine Gelegenheit aus, um deutlich zu machen, wohin er will. Vor ein paar Wochen, im April, bei der Vorstellung eines autonomen Flugtaxis in Wien, ließ er es wieder fallen: "Ein regulärer Flugbetrieb wäre theoretisch schon heute möglich. Ich rechne jedenfalls damit, bevor ich in die Hofburg ziehe."

Die Hofburg also. Sein großes Ziel, das er 2016 knapp verpasste. Norbert Gerwald Hofer möchte Bundespräsident der Republik Österreich werden. Vor drei Jahren schaffte er es, sich als stärkster Kandidat im Rennen um das höchste Amt des Landes für die Stichwahl zu qualifizieren. Mit 35 Prozent im ersten Wahlgang ließ er alle Konkurrenten hinter sich. Es war ein überraschender, blitzartiger Aufstieg, denn Anfang 2016 war Hofer selbst in Österreich noch so gut wie unbekannt.

In der Stichwahl scheiterte er mit 49,65 Prozent knapp gegen Alexander Van der Bellen. Die FPÖ ging gegen das Ergebnis vor, das Verfassungsgericht in Wien hob die Wahl wegen formaler Mängel bei der Auszählung auf. In der Wiederholung unterlag er deutlicher mit 46,2 Prozent.

Mehr als zwei Millionen Menschen hatten für Hofer gestimmt, und so reifte sein Plan, es im Jahr 2022 noch einmal zu versuchen. Bis dahin wollte er sich als Bundesminister für Verkehr, Technologie und Innovation für das höchste Staatsamt profilieren - als jemand, der das Land modernisiert und voranbringt.

Stattdessen wird er nun erstmal neuer Chef der rechtspopulistischen FPÖ.

Schon im Wahlkampf zur Präsidentenwahl hatte er, zum Teil auf drastische Weise, deutlich gemacht, dass er im Amt keinesfalls den Grüßonkel spielen, sondern zupacken würde. Die Menschen würden sich noch "wundern, was alles gehen wird", sagte er, was als Drohung verstanden wurde gegenüber einer Regierung, die er entlassen würde, sollte sie nicht nach seinem Willen spuren. Er forderte auch eine Volksbefragung zum Austritt Österreichs aus der EU.

Die Blume trägt er nicht mehr - genauso wie die Waffe

Von beiden Aussagen distanzierte er sich später wieder. So wie er auch das Tragen einer Kornblume am Revers einstellte, einst Erkennungszeichen von Nationalsozialisten. Auch auf das Mitführen einer Pistole, einer Glock 26, verzichtete er nach heftiger Kritik. Als Präsident, sagte er, würde er jedenfalls keine Waffe mehr tragen.

Seine Kritiker nennen ihn einen "Wolf im Schafspelz", einen "Völkischen hinter einer schönen Fassade", einen "Mann mit zwei Gesichtern". Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse nannte ihn einen "Nazi", der Journalist und Autor Armin Thurnher einen "Faschisten". Hofer hat am FPÖ-Programm, das sich zu einer "deutschen Volksgemeinschaft" bekennt, maßgeblich mitgeschrieben.

Er ist Ehrenmitglied der deutschnationalen Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld, Flüchtlinge bezeichnete er als "Invasoren" und warnte auch schon mal davor, dass Menschen über die Grenzen nach Österreich kämen, "die bereit sind, einem anderen den Kopf abzuschneiden". Bei Hofer hängt es davon ab, vor wem er redet: Vor Parteifreunden haut er drauf, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gibt er ganz den Staatsmann.

Hofer inszeniert sich als Mann des Volkes

Zuletzt hat sich Hofer bemüht, den freundlichen, verbindlichen Typ zu geben, der fortan, anders als andere FPÖ-Spitzenpolitiker, auf rabiate Sprüche verzichtet. Er versteht es, sich als Mann des Volkes zu inszenieren und dabei nicht nur die klassische FPÖ-Wählerschaft, nämlich unzufriedene Arbeiter und Angestellte, sondern auch Bürgerliche für sich zu gewinnen.

Vertrauen zurückzugewinnen - das ist Hofers größte Aufgabe als neuer FPÖ-Chef. Denn die Ibiza-Affäre hat nicht nur seinen Vorgänger Heinz-Christian Strache das Amt gekostet, sondern ganz Österreich in eine Krise gestürzt. Das Vertrauen vieler Menschen in den Staat und in die Politik ist erschüttert. Hofer selbst spricht von einem "unentschuldbaren Video". Offen ist bislang, ob er mit unentschuldbar meint, dass Strache in die Falle getappt ist oder was er gesagt hat. Es ist eher von Ersterem auszugehen.

Die FPÖ, die bei der Nationalratswahl 2017 fast 26 Prozent erreichte, ist Umfragen vom Wochenanfang zufolge auf 18 Prozent gefallen - ein Absacken, aber kein Absturz. Für die Kernwählerschaft der FPÖ, so scheint es, sind "die Medien" die Bösen und die FPÖ das Opfer.

Aus Sicht der FPÖ ist Hofer der geeignete Mann, die Schäden für die Partei in Grenzen zu halten und wieder zu reparieren. Ob er nun, nach der plötzlichen Beförderung vom Parteivize zum Chef, noch immer Bundespräsident werden will, lässt er offen. Bis zur nächsten Präsidentenwahl dauere es ja noch, sagte er am Dienstag im ORF. Bei der Neuwahl wird er wahrscheinlich als Spitzenkandidat antreten. Sein natürliches Ziel, auch wenn es wohl unerreichbar bleiben wird, muss jetzt lauten: Bundeskanzler.

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