Österreich FPÖ gewinnt erste Runde der Präsidentenwahl

Die rechtspopulistische FPÖ hat bei der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten einen spektakulären Erfolg erzielt. Hochrechnungen sehen sie bei rund 37 Prozent. Unklar ist noch, wer gegen Kandidat Hofer in die Stichwahl geht.

FPÖ-Politiker Norbert Hofer
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FPÖ-Politiker Norbert Hofer


Die Rechtspopulisten der FPÖ haben in Österreich bei der ersten Runde zur Wahl des Bundespräsidenten die meisten Stimmen geholt. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer bekam am Sonntag nach Hochrechnungen mehr als 36 Prozent der Stimmen und lag damit weit vor den anderen fünf Kandidaten.

Es ist das bisher beste Ergebnis der FPÖ auf Bundesebene. Da der 45-Jährige die absolute Mehrheit verfehlte, kommt es allerdings am 22. Mai zu einer Stichwahl der beiden Bestplatzierten.

Um den Einzug in die Stichwahl mussten zunächst noch der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen und die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss zittern. Nach einer Hochrechnung des Instituts Sora kam Van der Bellen auf 21,1 Prozent. Griss lag demnach bei 18,8 Prozent. Den Bauunternehmer Richard Lugner wählten etwa 2,5 Prozent.

Ein Debakel wurde die Wahl für die Bewerber der rot-schwarzen Regierung. Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) kamen nach den Hochrechnungen auf jeweils rund zwölf Prozent.

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Bundespräsidentenwahl in Österreich: Die Kandidaten im Überblick

Damit steht fest, dass der nächste Bundespräsident erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg nicht von einer der beiden Volksparteien gestellt oder unterstützt wird. Es wird erwartet, dass das desolate Abschneiden der Kandidaten zu heftigen innerparteilichen Diskussionen bei Sozialdemokraten und Konservativen führen wird.

Die FPÖ hatte unter dem europakritischen Slogan "Österreich zuerst" Stimmung auch in der Flüchtlingsfrage gemacht. Die einst von Jörg Haider dominierte Partei wurde aber nach ersten Analysen darüber hinaus zu einem Sammelbecken der Protestwähler generell. "Es war eine Anti-System-Wahl. Die Menschen sind unzufrieden, wie die Demokratie gestaltet wird", sagt der Politikberater Thomas Hofer.

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer, ein gelernter Flugzeugtechniker, hatte sich zunächst für zu jung für eine Kandidatur gehalten. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache überredete den bisher eher unbekannten 45-Jährigen aber dann doch.

Der in den Umfragen hoch gehandelte ehemalige Grünen-Chef Van der Bellen blieb unter den Erwartungen. Der 72 Jahre alte Wirtschaftsprofessor war als unabhängiger Kandidat mit massiver Unterstützung der Grünen aufgetreten. Unabhängig war auf jeden Fall die Top-Juristin Griss, die ihren Wahlkampf aus privaten Spenden finanzierte und für einen liberal-bürgerlichen Kurs steht.

Am Sonntag waren 6,4 Millionen Österreicher ab 16 Jahren zur Wahl aufgerufen. Der Bundespräsident wird für sechs Jahre gewählt und kann ein zweites Mal kandidieren. Amtsinhaber Heinz Fischer scheidet im Juli nach zwei Amtsperioden aus.

Das Staatsoberhaupt hat weitgehend repräsentative Aufgaben, ist aber laut Verfassung auch Oberbefehlshaber des Bundesheeres und kann in bestimmten Fällen das Parlament auflösen.

lov/dpa



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