Österreich Haiders Schwester geht in die Regierung

Am Kabinettstisch von Österreichs Kanzler Wolfgang Schüssel sitzt künftig eine neue Ministerin. Nachdem Sozialminister Haupt - angeblich aus gesundheitlichen Gründen - aufgibt, übernimmt FPÖ-Chefin Haubner seinen Sessel. Sie ist die Schwester des Kärntner Rechtspopulisten Jörg Haider und gilt als dessen Statthalterin.


Haubner mit ihrem Vorgänger Haupt
AP

Haubner mit ihrem Vorgänger Haupt

Wien - Erst vor einem halben Jahr wurde Ursula Haubner zur Chefin der Freiheitlichen gewählt. Jetzt erhält die Haider-Schwester außerdem Ministerrang, wie die Freiheitliche Partei Österreichs heute bekannt gab. Die bisherige Sozial-Staatssekretärin löst damit ihren Vorgesetzten und Parteifreund Herbert Haupt ab. Haupts Rückzug sei aus gesundheitlichen Gründen erfolgt, heißt es. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die FPÖ schon länger einen Rückzug Haupts gewünscht, dieser das Ansinnen bislang jedoch zurückgewiesen hatte.

Haupt sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA, er habe sein Amt seit fünf Wochen nur mit Hilfe von Antibiotika ausüben können und lebe mit dem Risiko eines Herzinfarkts. Die Personalentscheidung wurde am Wochenende bei einem Klausurtreffen der FPÖ-Spitze in Pöllauberg in der Oststeiermark getroffen. Haupt hatte im vergangenen Juli bereits den Parteivorsitz an Haubner abgeben müssen. Vizekanzlerin wird Haubner jedoch nicht. Dieses Amt soll weiterhin Infrastrukturminister Hubert Gorbach ausüben.

Der starke Mann der FPÖ: Jörg Haider
AFP

Der starke Mann der FPÖ: Jörg Haider

Die kleinere Regierungspartei kämpft seit Jahren gegen ihren Popularitätsverlust an. In Umfragewerten liegt sie derzeit bei etwa zehn Prozent. Großer Beliebtheit erfreut sich allerdings weiterhin der ehemalige Parteichef, der Kärntner Landeshauptmann Haider. Im Vergleich zu ihm gilt seine Schwester als gemäßigt. Haider dürfte jedoch auch weiterhin der starke Mann in der Partei bleiben.

An ihrer unverbrüchlichen Treue zum Bruder ließ die 59-Jährige nie einen Zweifel. Bereits zum Amtsantritt als Staatssekretärin stellte sie klar: "Er soll wissen, ich bin eine verlässliche Partnerin". Selbst tritt sie zwar stets leise auf, stellte aber einmal klar: "Ich bin gar nicht das Gegenteil. Wir sind nur unterschiedlich in der Wahl unserer Ausdrucksmittel". Wenn es darauf ankommt, kann sich Haider stets auf seine Schwester verlassen. Beim von ihm in die Wege geleiteten Delegierten-Treffen von Knittelfeld, auf dem das Ende der ersten schwarz-blauen Koalition eingeleitet wurde, kämpfte sie Schulter an Schulter mit ihrem Bruder.

Die gelernte Hauswirtschaftslehrerin Haubner ist erst seit 1997 politisch tätig, damals wurde sie Landesrätin in Oberösterreich. Sie soll eine kompetente Sozialpolitikerin sein, die sich als Staatssekretärin vor allem für Arbeitnehmer eingesetzt haben soll. An der Serie von Wahlniederlagen konnte sie jedoch auch als Parteichefin nichts ändern. So fiel die FPÖ bei der Landtagswahl im September in Vorarlberg von satten 27,4 Prozent auf 12,9 Prozent ab.

Auch die Flügelkämpfe in der Partei gehen weiter, Haubner gelang es bisher nicht, die Ultrarechten in die Schranken zu verweisen.



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