Österreichs Regierungskrise im Minutenprotokoll "Unerhörte Respektlosigkeit" - Präsident Van der Bellen verurteilt Straches Aussagen

Österreichs Bundespräsident Van der Bellen hat den Vorschlag von Kanzler Kurz aufgegriffen und für Neuwahlen plädiert. Zugleich kritisierte er den zurückgetretenen Vizekanzler Strache scharf.

FLORIAN WIESER/EPA-EFE/REX

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Jetzt ist es offiziell: In Österreich stehen Neuwahlen an. Bundeskanzler Sebastian Kurz hat dem Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen diesen Schritt vorgeschlagen. Das Staatsoberhaupt will in den kommenden Tagen das weitere Vorgehen besprechen. Vorgezogene Neuwahlen seien der einzige Weg, das Vertrauen in die öffentlichen Institutionen wieder herzustellen, sagte Van der Bellen. Die Äußerungen Straches in dem Video nannte er "eine unerhörte Respektlosigkeit". "Es sind beschämende Bilder und niemand soll sich für Österreich schämen müssen", sagte das Staatsoberhaupt. "So sind wir nicht." Alex Halada/AFP Bundespräsident Van der Bellen während seiner Erklärung 5/18/19 7:32 PM Wir beenden hiermit das Minutenprotokoll zur Regierungskrise in Österreich. Selbstverständlich halten wir Sie aber auf SPIEGEL ONLINE zu Reaktionen und allen weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden. 5/18/19 7:28 PM Laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA hatte es durchaus noch Versuche gegeben, die seit 2017 bestehende Koalition zu retten. Demnach sei eine Einigung zwischen ÖVP und FPÖ an einer Personalie gescheitert. Die ÖVP habe von der FPÖ die Absetzung von Innenminister Herbert Kickl verlangt, berichtete APA. Die ÖVP habe ihr ehemaliges Kernressort wieder selbst übernehmen wollen. In der Pressekonferenz hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz seine Möglichkeiten so umschrieben: Er könne nun versuchen, die Macht aufrecht zu erhalten, indem er Köpfe austausche. Er könne einen „fliegenden Wechsel zur Sozialdemokratie“ anstreben. Aber: „Ich bin davon überzeugt, dass beides nicht das ist, was unser Land braucht“, sagte Kurz. 5/18/19 7:13 PM Auch via Twitter äußerte sich das österreichische Staatsoberhaupt 5/18/19 4:11 PM Ungarns rechts-nationaler Ministerpräsident Viktor Orbán will sich zum Rücktritt des zuletzt von ihm in Budapest herzlich begrüßten österreichischen Vizekanzlers und FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache nicht äußern. "Wir betrachten das als eine innere österreichische Angelegenheit, weswegen die (ungarische) Regierung das nicht zu kommentieren wünscht", erklärte ein Sprecher Orbans auf eine Anfrage des Nachrichtenportals "index.hu". Erst vor knapp zwei Wochen hatte Orban den durch ein Video in Korruptionsverdacht geratenen Wiener Rechtspopulisten an seinem Amtssitz in Budapest empfangen. Der Ungar drängt die konservative Europäische Volkspartei (EVP), der auch CDU und CSU angehören, dazu, sich nach der Europawahl in zwei Wochen auf eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten unter dem Italiener Matteo Salvini einzulassen. Salvinis neuem Block gehört auch die bislang von Strache geführte FPÖ an. 5/18/19 4:08 PM Die Wut und die Ungeduld der Menschen vor dem Kanzleramt in Wien wächst. Alle warten auf ein Statement von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Mein Kollege Hasnain Kazim ist vor Ort und schildert im Video seine Eindrücke. 5/18/19 3:54 PM 5/18/19 3:42 PM Nun melden die österreichische Nachrichtenagentur APA und die Deutsche Presse-Agentur, dass das Land offenbar auf Neuwahlen zusteuert. Die Freiheitliche Partei (FPÖ) wolle ihren Innenminister Herbert Kickl nicht opfern, um die Koalition beizubehalten, berichtet die APA weiter und bezieht sich auf FPÖ-Kreise. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) überlege laut diesen Informationen nun, wie er diese Entscheidung kommunizieren soll. Sebastian Kurz soll sich gegen 19.45 Uhr zum Rücktritt seines Vizekanzlers Heinz-Christian Strache äußern. Der Termin war mehrfach verschoben worden. Am Nachmittag war Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Strache von allen Ämtern zurückgetreten. Der 49-Jährige zog damit die Konsequenzen aus der Affäre um ein brisantes Video, das 2017 heimlich auf Ibiza aufgenommen worden war. Leonhard Foeger/ Reuters Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache 5/18/19 3:38 PM "Kann sein, dass morgen Österreich brennt": Mit diesen Worten beendete Jan Böhmermann seine Sendung am Donnerstag. Was wusste er über das Video? 5/18/19 3:28 PM Kanzlerin Angela Merkel hat angesichts der Vorgänge in Österreich einen entschiedenen Kampf gegen Rechtspopulismus gefordert. "Europa ist eine Vereinigung von Ländern, die sich entschieden haben, auf einer gemeinsamen Wertebasis zusammenzuarbeiten", sagte Merkel in Zagreb auf eine Frage zur Regierungskrise in Österreich. "Wir haben es mit Strömungen, populistischen Strömungen zu tun, die in viel Bereichen diese Werte verachten, die das Europa unserer Werte zerstören wollen. Dem müssen wir uns entschieden entgegenstellen", forderte sie. Zur Frage, ob Österreichs Kanzler Sebastian Kurz die Koalition mit der rechtspopulistischen FPÖ beenden sollte, nahm sie keine Stellung, sondern verwies auf das angekündigte Statement des ÖVP-Politikers. 5/18/19 2:56 PM In Wien geht man nun davon aus, dass es Neuwahlen geben wird , schreibt mein Kollege Hasnain Kazim. Die sind nach österreichischer Verfassung nur möglich, wenn sich das Parlament, der Nationalrat, selbst per Gesetz auflöst oder wenn der Bundespräsident das Parlament auf Vorschlag der Bundesregierung auflöst. Es wird spekuliert, dass Kurz Van der Bellen darum gebeten hat. 5/18/19 2:49 PM Und es geht weiter mit möglichen Statements österreichischer Politiker: Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird laut österreichischer Agentur APA um 20.35 Uhr eine öffentliche Erklärung zur Regierungskrise abgeben. Aber wie der Tag heute bereits gezeigt hat: Auf Uhrzeiten ist heute nicht so recht Verlass. 5/18/19 2:35 PM Die Wut und die Ungeduld der Menschen auf dem Ballhausplatz, vor dem Kanzleramt in Wien, wächst, schreibt mein Kollege Hasnain Kazim aus Wien. Alle warten auf ein Statement von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sein Auftritt vor Journalisten war am Mittag erwartet worden, dann am Nachmittag. Es heißt, in seiner der Partei, der ÖVP, sei schließlich überlegt worden, ob er sich überhaupt heute äußern sollte. Das aber sei angesichts des riesigen internationalen Interesses und des großen, spontanen Demo wieder verworfen worden. Jetzt heißt es, Kurz werde um 19.45 Uhr vor die Kameras treten. Angeblich wolle die ÖVP nach dem Rücktritt von Vizekanzler Strache auch den FPÖ-Innenminister Herbert Kickl loswerden, der immer wieder für Krach in der Koalition gesorgt hat. Das Innenministerium, heißt es, müsse wieder in ÖVP-Hand kommen. Aus der FPÖ wiederum heißt es, entweder bleibe Kickl im Amt – oder die Koalition sei am Ende. 5/18/19 2:31 PM 5/18/19 2:29 PM Der SPÖ-Spitzenkandidat für die bevorstehende EU-Wahl, Andreas Schieder, fordert einen Rücktritt der Regierung in Wien. "Es ist ein unfassbarer Skandal. Strache und die FPÖ wollten unsere Heimat an russische Oligarchen verkaufen", erklärte Schieder auf Twitter. Der Rücktritt von Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache reiche nicht. Es brauche eine fundamentale Erneuerung der Politik, sagte er. 5/18/19 2:27 PM Der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, sieht sich durch die jüngsten Entwicklungen in Österreich in seinem Kurs der Abgrenzung gegen Rechtspopulisten bestätigt. "Ich habe es schon lange und viele Male gesagt (...), linke und rechte Extremisten und Populisten sind keine Lösung", erklärte er in Zagreb. Konkreter wollte sich Weber zum Rücktritt des österreichischen Vizekanzlers und FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache nicht äußern. 5/18/19 2:21 PM Nach der Enthüllung vom SPIEGEL und der SZ folgen Konsequenzen: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist nach der Veröffentlichung der Videoszenen eines fragwürdigen Treffens in einer Villa auf Ibiza zurückgetreten . 5/18/19 2:14 PM Etwa 5000 Menschen haben sich nach dem Rücktritt von Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor dem Regierungssitz in der Wiener Innenstadt zu einer Demonstration versammelt. Unter den Demonstranten herrschte laut Polizei ausgelassene Partystimmung. Neben Neuwahlen wird auch der Abgang von Bundeskanzler Sebastian Kurz gefordert. 5/18/19 1:24 PM Nicola Beer bezieht die Enthüllung auf die Strategie der AfD. Die FDP-Spitzenkandidatin bei der Europawahl schrieb in einer Mitteilung: «Der Skandal, in den der österreichische Vizekanzler verwickelt ist, zeigt ungeachtet der dubiosen Herkunft des Videos, mit welch windigen Politikern und Parteien die AfD in Europa gemeinsame Sache machen will.» 5/18/19 1:22 PM Linken-Chef Bernd Riexinger schreibt, dass mit der Video-Affäre das wahre Gesicht der FPÖ zum Vorschein gekommen sei. "Partei der Reichen, korrupt und dreist." 5/18/19 12:54 PM 5/18/19 12:42 PM Auch AfD-Fraktionssprecher Christian Lüth twitterte zu der Enthüllung und nannte sie einen „Pseudoskandal. SPIEGEL-Redakteurin Ann-Katrin Müller fotografierte den Tweet. Lüth hat seinen Beitrag offenbar inzwischen wieder gelöscht. 5/18/19 12:41 PM 5/18/19 12:36 PM Die AfD-Führung , die in den vergangenen Jahren Kontakte zur FPÖ und auch zu Strache aufgebaut hat, wirkte am Samstag über Stunden sprachlos und reagierte auf Anfragen zunächst nicht . Hinter den Kulissen wurde nach einer Sprachregelung gesucht, erfuhr der SPIEGEL aus gut informierten Kreisen der Partei. Frank Hansel, Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und ein Vertreter des gemäßigt geltenden Teils der Partei, reagierte am frühen Nachmittag. Er sagte dem SPIEGEL: "Wir gehen unseren Weg weiter. Mit Leuten, die die persönliche Reife haben. Der Mann war offenbar nicht ausreichend geerdet." Für die AfD ist die Affäre heikel. Wiederholt haben Spitzenpolitiker die Nähe zu Strache gesucht und sich mit ihm filmen und ablichten lassen. So trafen sich im Juni 2017 die damalige AfD-Spitzenkandidaten und heutigen AfD-Fraktionschefs im Bundestag, Alexander Gauland und Alice Weidel, in einem Hotel in Wien mit Strache und anderen FPÖ-Spitzen. Die Zusammenkunft wurde filmisch dokumentiert. Ende Mai vergangenen Jahres hatte Weidel eine europapolitische Initiative Straches - die Rückstellung der EU-Freizügigkeit - ausdrücklich als "überfälligen Denkanstoß " begrüßt. Und erst im Herbst 2018 hatte AfD-Ko-Chef und Europaspitzenkandidat Jörg Meuthen auf dem Europaparteitag in Magdeburg erklärt, nach der Wahl strebe seine Partei im EU-Parlament eine gemeinsame Kooperation mit Strache, dem italienischen Innenminister Matteo Salvini und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban an. 5/18/19 12:34 PM Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat Neuwahlen in Österreich gefordert. "Es muss ein Schlussstrich gezogen werden", sagte Habeck am Samstag auf einem Wahlparteitag der Grünen zur Europawahl. "Österreich braucht Neuwahlen, so wie wir neu wählen müssen, welche Politik wir eigentlich haben wollen", fügte er hinzu. Das Beispiel Österreich zeige, "was passiert, wenn man sich mit Populisten einlässt". 5/18/19 12:26 PM „Rechtspopulisten treten die Pressefreiheit mit Füßen und wollen unsere Demokratie aushöhlen - nicht nur in Österreich, sondern in allen europäischen Ländern. Und der Skandal der FPÖ zeigt, dass ihnen im Kampf gegen unsere offenen und demokratischen Gesellschaften jedes Mittel recht ist", sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Anton Hofreiter , dem SPIEGEL. Es sei ein ein Fehler von Sebastian Kurz gewesen, mit der FPÖ zu koalieren. "In Österreich sind jetzt Neuwahlen geboten", sagte Hofreiter. "Und in ganz Europa muss besonders für die Konservativen gelten: mit den Rechtspopulisten und Rechtsradikalen darf es keine Zusammenarbeit geben.“ 5/18/19 12:03 PM Außenminister Heiko Maas (SPD) hat den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) für seine Regierungskoalition mit der rechtspopulistischen FPÖ scharf kritisiert. „Rechtspopulisten sind die Feinde der Freiheit. Mit Rechtspopulisten gemeinsame Sache zu machen, ist verantwortungslos", sagte Maas der "Bild am Sonntag". Auch wenn er fest davon überzeugt sei, dass die große Mehrheit in Europa das längst erkannt habe, rief Maas angesichts der Europawahl zu einem deutlichen Bekenntnis gegen Rechtspopulisten auf: "Wir müssen laut und klar genug gegenhalten, damit Rechtspopulisten in Europa nicht noch mehr Zulauf bekommen." 5/18/19 12:00 PM "Dieser ungeheuerliche Skandal zeigt, Rechtspopulisten verachten unsere Werte wie Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit und arbeiten an der systematischen Aushöhlung der Demokratie ", sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock der "Welt am Sonntag". 5/18/19 11:58 AM "Das Skandalvideo um FPÖ-Chef Strache zeigt die Dummheit und moralische Verkommenheit der Rechtsradikalen, wie wir das überall zu sehen bekommen. Korrupt, undemokratisch, gefährlich ", schreibt Ralf Stegner bei Twitter . Der stellvertretende SPD-Vorsitzende fordert: "Keinen Millimeter Freiraum für die rechten Demokratiefeinde!" 5/18/19 11:52 AM Das angekündigte Statement von Kanzler Sebastian Kurz verzögert sich offenbar. Es war eigentlich für 13.30 Uhr angesetzt. 5/18/19 11:37 AM Auch Straches Vertrauter und FPÖ-Fraktionsvorsitzender Johann Gudenus tritt der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge von allen Ämtern zurück. Gudenus war bei dem Treffen auf Ibiza ebenfalls dabei und ist in den Videoszenen zu sehen . 5/18/19 11:36 AM 5/18/19 11:36 AM Vor dem Kanzleramt in Wien, am Ballhausplatz, haben sich mehrere Tausend Demonstranten versammelt. Die Stimmung ist sehr gereizt, teilweise aggressiv. Die Menschen sind wütend über die bürgerlich-rechtskonservative Regierung, sie fordern auch den Rücktritt von Kanzler Kurz und Neuwahlen. Ein Statement von Kurz, für spätestens 14 Uhr angekündigt, wird wegen der lauten Proteste möglicherweise verschoben. 5/18/19 11:36 AM „Hiermit gebe ich bekannt, dass ich meine Funktion als geschäftsführender Klubobmann sowie mein Nationalratsmandat zurücklegen werde", schreibt Gudenus laut der "Kleinen Zeitung" in einer persönlichen Erklärung. "Ebenso trete ich hiermit von sämtlichen Funktionen in der Freiheitlichen Partei Österreichs zurück." Er wolle sein tiefstes Bedauern über die zwei Jahre zurückliegenden Vorkommnisse zum Ausdruck bringen. "Zudem bedaure ich zutiefst, durch mein Verhalten das in mich gesetzte Vertrauen der Wähler, Funktionäre und Mitarbeiter enttäuscht zu haben.“ (EIBNER/EXPA/MARTIN_GRUBER / IMAGO/EIBNER EUROPA) Johann Gudenus 5/18/19 11:35 AM (FLORIAN WIESER/EPA-EFE/REX) Die Proteste richten sich gegen den zurückgetretenen FPÖ-Chef Strache 5/18/19 11:35 AM Amtsmissbrauch, Bestechung, Geldwäsche und staatsfeindliche Verbindungen: Das sind die möglichen Straftatbestände, die Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus vorgeworfen werden. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet, hat SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim die beiden FPÖ-Politiker bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft angezeigt. In den veröffentlichten Videoteilen habe Strache eine Reihe strafrechtlich relevanter Tathandlungen besprochen - und auch "konkret zu ergreifende Schritte zur Durchsetzung" zum Ausdruck gebracht, schreibt Jarolim in seiner Anzeige. Somit bestehe "zumindest der Verdacht wesentlicher Vorbereitungshandlungen zur Durchführung strafbarer Handlungen". 5/18/19 11:35 AM (REUTERS/Leonhard Foeger) Menschen protestieren vor dem Kanzleramt in Wien 5/18/19 11:34 AM Das Statement von Sebastian Kurz verzögert sich weiter. Nun ist offenbar 19.45 Uhr angepeilt. Laut einem Mitarbeiter des Kanzleramtes befindet er sich "in einer Nachdenkphase" . Für Kurz stellt sich nun die Frage, ob er den Posten von Vizekanzler Strache nachbesetzt oder es zu Neuwahlen kommt. In diesem Fall könnte der Bundespräsident das Parlament auf Vorschlag des Kanzlers auflösen, oder das Parlament kann selbst per Gesetz eine Auflösung beschließen. Der Kanzler kann es de facto nicht. Am Nachmittag war Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache von allen Ämtern zurückgetreten. Der 49-Jährige zog damit die Konsequenzen aus der Affäre um ein brisantes Video, das 2017 heimlich auf Ibiza aufgenommen worden war. 5/18/19 11:28 AM SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil spricht sich für das Ende der Zusammenarbeit zwischen ÖVP und FPÖ aus: "Sebastian Kurz hat keine andere Möglichkeit als diese Regierung sofort zu beenden und sich dafür zu entschuldigen, dass er Spaltern und Hetzern wie Strache Verantwortung übertragen hat." 5/18/19 11:18 AM Nun melden sich auch weitere deutsche Politiker zu Wort. FDP-Chef Christian Lindner erklärte gegenüber dem SPIEGEL: "Die Affäre enthüllt etwas vom wahren Denken der Rechtspopulisten." Sie betrachteten Politik als Geschäftsmodell und " vertreten hinter den Kulissen das Gegenteil von dem, womit sie Wähler ködern", sagte Lindner. Der FDP-Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Marco Buschmann, kritisierte die FPÖ und Strache gegenüber dem SPIEGEL und forderte personelle Konsequenzen:"Politiker, die gezielt die Pressefreiheit einschränken wollen, leiden unter einem schwerwiegenden Demokratiedefizit. Sie dürfen daher keine hohen Staatsämter ausüben.“ 5/18/19 11:12 AM SPD-Chefin Andrea Nahles hat sich zu der Video-Affäre geäußert: "In Österreich muss es Neuwahlen geben", sagte sie dem SPIEGEL . "Ein einfacher Rücktritt von FPÖ-Chef Strache reicht nicht aus. Wer hat den Rechtspopulisten denn erst in eine Regierung gebracht? Das war Kanzler Sebastian Kurz, Vorbild für viele Konservative in Europa." 5/18/19 11:09 AM Falls Sie noch nicht ganz auf dem Nachrichtenstand an diesem turbulenten Tag sind, hier ein kleiner Überblick. Der SPIEGEL und der "Süddeutschen Zeitung" haben am Freitag Videoaufnahmen mit brisantem Inhalt veröffentlicht. Diese zeigen, wie Strache 2017 einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte für Wahlkampfhilfe unter anderem öffentliche Aufträge in Aussicht stellte, sollte die FPÖ an die Regierung kommen. Das Video entstand wenige Monate vor der Nationalratswahl 2017. In Österreich sorgte der Bericht für ein politisches Beben. Aus diesem Grund hat Strache nun seinen Rücktritt als Vize-Kanzler und Parteichef erklärt. Hier hat mein Kollege Hasnain Kazim noch einen hilfreichen Überblick zu den wichtigsten Personen zusammengestellt. 5/18/19 10:59 AM FLORIAN WIESER/EPA Heinz-Christian Strache erklärt seinen Rücktritt 5/18/19 10:53 AM Nach dem angekündigten Rücktritt des Vize-Kanzlers stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter für das Regierungsbündnis? Wird Straches Posten mit einem anderen Politiker besetzt oder kommt es zu Neuwahlen? Das ist bisher noch unklar. Kanzler Sebastian Kurz will sich um 13.30 Uhr äußern. Laut Strache wird die Führung in der Partei wird ab sofort sein Stellvertreter Norbert Hofer übernehmen. Auch in der Regierung gilt Hofer als möglicher Nachfolger Straches. Er ist im Kabinett aktuell Verkehrsminister. 5/18/19 10:52 AM Ein anderes Szenario ist, dass die rechtskonservative Regierung platzt. Steht Österreich vor Neuwahlen? Darüber wird vor der Pressekonferenz von Bundeskanzler Kurz nun heftig spekuliert. Einem ORF-Bericht zufolge sind Neuwahlen frühestens Mitte Juli möglich. „Ein Urnengang mitten in den Sommerferien ist allerdings höchst unwahrscheinlich“, heißt es auf der Website des Senders. „Realistisch wäre eine Nationalratsneuwahl im September oder Oktober." Als mögliche Wahltermine seien in diesem Zusammenhang bereits der 15. bzw. 22. September genannt worden. 5/18/19 10:46 AM Der Satiriker Jan Böhmermann hat das heikle Video mit heimlichen Aufnahmen des FPÖ-Politikers Heinz-Christian Strache bereits vor Wochen gekannt . Das bestätigte sein Manager Peter Burtz der dpa. Er dementierte aber, dass die Aufnahmen Böhmermann angeboten worden seien. Da sie ihm nicht angeboten worden seien, habe er sie auch nicht abgelehnt. Woher Böhmermann die Aufnahmen kannte, wisse er nicht, sagte Burtz. Böhmermann hatte bereits im April bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy in einer Video-Botschaft Andeutungen zu dem Fall gemacht. Den Preis könne er nicht persönlich abholen, weil er «gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge», hatte Böhmermann gesagt. Er verhandele gerade, wie er die «Kronen Zeitung» übernehmen könne, dürfe darüber aber nicht reden. Der Auftritt hatte ihm scharfe Kritik in österreichischen Medien eingebracht. Er würdige die österreichische Regierung herab, hieß es damals. (Sven Hoppe / dpa ) 5/18/19 10:45 AM Heinz-Christian Strache verurteilte in seiner Erklärung das Vorgehen der Medienhäuser SPIEGEL und „Süddeutsche Zeitung“ und kritisierte die heimlichen Videoaufnahmen. Es habe sich um eine "Auftragsarbeit" gehandelt. "Das war ein gezieltes politisches Attentat", sagte Strache, der hinter der Berichterstattung ein Komplott wittert, das, wie er sagte, "an Niederträchtigkeit nicht zu übertreffen" sei. Es habe bereits des öfteren "dirty campaigning und Verleumdungskampagnen" gegeben, aber ein inszeniertes Erlebnis wie jenes vor zwei Jahren in Ibiza habe er noch nicht erlebt, sagte der 49-Jährige. 5/18/19 10:44 AM Der „BuzzFeed“-Chefredakteur Daniel Drepper twitterte in der vergangenen Nacht einen Artikel des Recherchezentrums "Correctiv". Demnach dürfen Journalisten illegal entwendetes Material veröffentlichen, wenn das öffentliche Interesse groß genug ist. Show more Tickaroo Liveblog Software
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ariston666 18.05.2019
1. Neuwahlen Jetzt!
Kurz und seine Marionettenregierung sollte schleunigst zurücktreten! Ich hoffe die wohlverdiente Quittung bekommen diese Rechtspopulisten bei den Europawahlen!
spon_5112961 18.05.2019
2. Ein Hoch
auf den investigativen..., ach, überhaupt!!! Sehr zum Wohle!
joes.world 18.05.2019
3. Dumm und Dümmer
Strache hatte also mit der angeblichen Estin deshalb gesprochen, weil sie Referenzen hatte: sie war seinem Adlatus Gudenus bekannt. Mit dem sie schon monatelang in Kontakt war und unbedingt auch Strache kennen lernen wolllte. So Strache in seiner PK. Wer ist Gudenus, der seinem Chef diese Dame ans Herz legte? So sehr, dass Strache, der schon mal von Agent Provokateuren hinein gelegt wurde, in das Haus der ihm unbekannten Dame geht und herzhaft seine gesamte Parteistrategie offen legte. Wie ein geiler Pubertierender, der vor einer hübschen Frau angeben muss. Denn als attraktiv bezeichnete Strache diese Frau. Gudenus, der Mann dem Strache vertraute, führt die FPÖ Fraktion im Ösi-Parlament. Er besticht durch wenig Wissen, noch geringerer Intelligenz nd sicherlich keinem wachen und objektivem Beurteilungsvermögen. Aber was will man schon an Urteilskraft bei jemandem vermuten, der so rechts denkt, wie der dumpe Gudenus. So jemanden vertraute Strache uind ließ sich von der feschen Frau nach allen Regeln der Kunst vorführen. Gib dem Strache eine geile Tussi, die auch noch mit hunderten Millionen winkt ujnd der Strache weiß nicht, worauf er sich nun konzentrieren soll: angetrunken der Dame unverzüglich an die Wäsche zu gehen oder doch ein paar Millionen klar Schiff machen. Was für ein Irrsinn, was für eine Operette. Hollywood könnte aus der Story eine Tragikkomödie machen. Denn die besten Stücke schreibt immer noch das Leben. Leider ist der Titel "Dumm und Dümmer" schon vergeben. Für den Film über unsere zwei Ibiza-Gockeln.
Little_Nemo 18.05.2019
4. Stunde der Wahrheit
Ein guter Tag für Österreich, Europa und die Welt.
at.engel 18.05.2019
5.
Ich wüsste nicht, wie Österreich da an vorgezogenen Wahlen vorbeikommen will. Für eine simple Umbesetzung gibt es überhaupt keine Basis mehr. Ansonsten wäre es langsam mal an der Zeit, dass westliche Demokratien die zunehmende Einflussnahme osteurpäischer Länder auf unsere Politik ernst nehme - in Österreich sowieso, aber auch in Deutschland. Was Extrem-Rechts betrifft sowieso, aber nicht nur!
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