Nationalratswahl 2019 Die Ergebnisse aus Österreich im Einzelnen

Stimmverteilung, Mandatsverschiebung, Wahlbeteiligung: 6,4 Millionen Österreicher waren bei der vorgezogenen Parlamentswahl aufgerufen abzustimmen. Hier die wichtigsten Zahlen im Überblick.

Hofburg in Wien
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Hofburg in Wien


Für die Briefwahl wurden 1.070.933 Wahlkarten von den Gemeinden Österreichs ausgestellt, bei 6.396.802 Wahlberechtigten insgesamt.

*bis Dezember 2018 "Liste Pilz"; Quelle: Bundesministerium für Inneres Österreich

Ergebnisse der Nationalratswahl 2019 in den Bezirken und Wien

Vorläufige Endergebnisse ohne Briefwahl

Nationalratswahl 2019: Stimmenanteile der Parteien in den Bezirken und in Wien

Bezirk Bundesland ÖVP SPÖ FPÖ NEOS Liste Jetzt Grüne
Eisenstadt (Stadt) Burgenland 41,7 20,4 14,4 7,5 1,7 13,3
Eisenstadt-Umgebung Burgenland 37 31 16 5,2 1,5 8,4
Güssing Burgenland 43,6 28,7 17,1 3,4 0,8 5,6
Jennersdorf Burgenland 40,7 24,2 22 3,8 1,2 7,2
Mattersburg Burgenland 35,6 31,7 17,3 5,1 1,3 8,3
Neusiedl am See Burgenland 38,3 28,4 18,5 5,2 1,3 7,5
Oberpullendorf Burgenland 41,8 32,5 14,7 3,8 1 5,4
Oberwart Burgenland 36,1 30,7 21,5 3,7 1,1 6,3
Rust (Stadt) Burgenland 34,2 30,4 20,2 5 1,2 7,9
Feldkirchen Kärnten 35,8 23,4 25,8 5,9 1,4 6,5
Hermagor Kärnten 44,7 25 17,4 5,2 1 5,9
Klagenfurt Land Kärnten 36,3 26 18,2 6,8 1,7 9,6
Klagenfurt Stadt Kärnten 32 24,8 16,8 8,4 2,6 13,8
Sankt Veit an der Glan Kärnten 35,6 26,3 24,5 5,4 1,3 6
Spittal an der Drau Kärnten 38,1 22,9 24,2 6,2 1,2 6,7
Villach Land Kärnten 33,1 28,9 21,3 6,2 1,7 7,7
Villach Stadt Kärnten 30,9 29,2 18,7 7,3 2,2 10,2
Völkermarkt Kärnten 38,9 20,5 19,2 6,6 1,6 12,3
Wolfsberg Kärnten 37,6 26,5 23,5 4,7 1,1 5,7
Amstetten Niederösterreich 42,5 19,8 16,9 6,1 1,4 9,6
Baden Niederösterreich 35,4 23,8 18 8,2 2,2 11,5
Bruck an der Leitha Niederösterreich 36,9 24,8 19,3 6,5 1,9 9,6
Gänserndorf Niederösterreich 40,8 23,4 19,9 5,8 1,7 7,4
Gmünd Niederösterreich 48,1 23,2 16,3 4,6 1,4 5,8
Hollabrunn Niederösterreich 51,5 17,3 15,8 5,7 1,3 7,5
Horn Niederösterreich 56,5 13,9 15,6 5,3 1,1 7
Korneuburg Niederösterreich 42,8 18,2 15,2 9 1,9 12,1
Krems an der Donau (Stadt) Niederösterreich 39 22 15,8 7,6 1,8 12,5
Krems (Land) Niederösterreich 50,1 15,8 16,3 6,7 1,3 9
Lilienfeld Niederösterreich 43 25,3 16,5 5 1,5 7,7
Melk Niederösterreich 45,9 20,2 18,5 5,4 1,3 7,7
Mistelbach Niederösterreich 48,9 17,5 16,8 5,9 1,4 8,6
Mödling Niederösterreich 36,8 18 12,8 12,8 2,4 16,2
Neunkirchen Niederösterreich 41 23,2 19,8 5,5 1,7 7,9
Sankt Pölten (Land) Niederösterreich 41,9 18,7 16,3 7,9 1,9 12,3
Sankt Pölten (Stadt) Niederösterreich 31,4 29,5 15,7 6,9 2,2 13
Scheibbs Niederösterreich 51,6 16,5 15,4 5,8 1,1 8,7
Tulln Niederösterreich 42,3 16,4 15,2 9,6 2 13,4
Waidhofen an der Thaya Niederösterreich 53,6 13,9 19,3 4,8 1,2 6,2
Waidhofen an der Ybbs (Stadt) Niederösterreich 47,2 16,4 13 7,4 2,1 13,1
Wiener Neustadt (Land) Niederösterreich 42,2 20,8 20,5 6,3 1,5 7,6
Wiener Neustadt (Stadt) Niederösterreich 31,2 25,5 21,4 7,2 2,2 11,1
Zwettl Niederösterreich 58,8 11,3 17,5 5,3 0,9 5,6
Braunau am Inn Oberösterreich 44,5 16,8 21,9 5,5 1,3 8,9
Eferding Oberösterreich 37,2 21,7 20,6 6,8 1,3 11,5
Freistadt Oberösterreich 43,9 21 16,1 5,6 1,1 11,4
Gmunden Oberösterreich 35,2 26,1 16,7 6,9 1,7 12,2
Grieskirchen Oberösterreich 42,6 16,9 21,3 6,4 1,1 10,9
Kirchdorf an der Krems Oberösterreich 40,2 20,2 19,5 6,8 1,2 11,2
Linz (Stadt) Oberösterreich 25 29,9 15,4 7,6 2,3 18,1
Linz-Land Oberösterreich 30,9 27,8 17,9 8 1,6 12,8
Perg Oberösterreich 40,2 25,3 16,7 5,5 1,2 10,3
Ried im Innkreis Oberösterreich 43,1 15,1 23,9 6,1 1,1 9,8
Rohrbach Oberösterreich 50,4 14,4 17 6,3 1 10
Schärding Oberösterreich 46,2 14,8 24,5 4,9 0,8 8
Steyr (Stadt) Oberösterreich 23,2 37,2 18,2 5,1 1,9 13,1
Steyr-Land Oberösterreich 39,3 24,2 17,1 5,9 1,3 11,3
Urfahr-Umgebung Oberösterreich 40,8 18,6 14,1 8,2 1,4 16
Vöcklabruck Oberösterreich 36,2 30,6 18,2 4,7 1,5 7,5
Wels (Stadt) Oberösterreich 26,6 29,7 20,8 7 1,6 13,1
Wels-Land Oberösterreich 36,8 20,5 21,9 7,7 1,4 10,8
Hallein Salzburg 48,4 17,5 13,4 7,6 1,5 10,7
Salzburg (Stadt) Salzburg 36,8 19,4 12,5 9,1 2,3 18
Salzburg-Umgebung Salzburg 49,1 13 14,7 8,6 1,4 12,1
Sankt Johann im Pongau Salzburg 52,1 18,3 16,3 5,9 0,9 6
Tamsweg Salzburg 53,1 14,7 21,1 4,9 0,9 4,8
Zell am See Salzburg 52,3 17,7 15,2 6,6 1 6,7
Bruck-Mürzzuschlag Steiermark 34,2 30 19,4 5,2 1,9 7,6
Deutschlandsberg Steiermark 42,2 19,7 23 5,2 1,2 7,8
Graz (Stadt) Steiermark 28,8 17 13 10,1 2,9 25,2
Graz-Umgebung Steiermark 39 17,7 20,1 7,3 1,7 12,7
Hartberg-Fürstenfeld Steiermark 51 12,3 22,7 4,7 1 7,6
Leibnitz Steiermark 45,1 16,8 23,8 5 1,1 7,2
Leoben Steiermark 33,5 29,8 19,6 5,7 1,9 7,2
Liezen Steiermark 42,4 22,2 18,8 6,2 1,5 7,6
Murau Steiermark 49 19,8 19 5,1 1 5,4
Murtal Steiermark 38 27,8 19,5 5 1,5 6,5
Südoststeiermark Steiermark 51,8 11,7 23,1 4,8 1 6,7
Voitsberg Steiermark 36,5 23,4 24,5 5,1 1,5 7,3
Weiz Steiermark 45,4 16 20,5 5,5 1,2 10,2
Imst Tirol 51,8 10,9 16,6 8,2 1,6 9,9
Innsbruck-Land Tirol 43,5 14,1 15,8 9,1 1,8 14,5
Innsbruck-Stadt Tirol 29,8 18,3 15,2 10,1 3 21,7
Kitzbühel Tirol 56,7 10,9 13,8 6,8 1,1 10
Kufstein Tirol 49,3 13,4 17,2 6,4 1,5 11,1
Landeck Tirol 58,1 12,2 11,1 7,9 1,4 8,7
Lienz Tirol 57,4 8,6 15,3 6,9 1,3 9,5
Reutte Tirol 54,6 11,7 13,5 8 1,4 9,9
Schwaz Tirol 50,6 13 17,7 6,6 1,4 9,7
Bludenz Vorarlberg 38,3 16,2 17 11,9 2 12,8
Bregenz Vorarlberg 41,5 12,7 14,6 12 1,9 15,9
Dornbirn Vorarlberg 33,5 15,3 16,7 13,1 2,6 17,3
Feldkirch Vorarlberg 35,1 12,7 15,4 14,1 2,3 18,5
Wien Wien 24,1 28,9 14,2 8,7 3,2 19

Angaben in Prozent; Stand: vorläufiges Endergebnis ohne Briefwahl; Quelle: Bundesministerium für Inneres Österreich

Parteien bei der Nationalratswahl 2019
SPÖ
Die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) bestimmte zusammen mit der ÖVP große Teile der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Die Sozialdemokraten stellten acht Kanzler, 1970 bis 1983 sogar in einer Alleinregierung unter Bruno Kreisky. Die Wurzeln der traditionellen Arbeiterpartei reichen in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Besonders unter Kreisky machte sie einen Schritt hin zur Mitte und zur linken Volkspartei. In der jüngeren Geschichte verlor sie deutlich an Stimmenanteilen: Seit der Nationalratswahl 2008 liegt sie unter 30 Prozent. 2013 gab es mit 26,8 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1945. Die Wahl 2017 verlief mit 26,9 Prozent nur unwesentlich besser. Derzeit hat die SPÖ etwa 180.000 Mitglieder. 2018 wurde erstmals eine Frau an die Spitze der Partei gewählt: Pamela Rendi-Wagner.
ÖVP
Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist die zweite der beiden traditionellen Großparteien. Sie hat etwa eine halbe Million Mitglieder. Viele Jahre regierten die Konservativen in einer Großen Koalition mit der SPÖ. Seit 1945 kamen sechs Kanzler aus der ÖVP. Ihr Bündnis mit der rechtspopulistischen FPÖ im Jahr 2000 war besonders umstritten. 2013 fuhr sie mit 24 Prozent ihr schlechtestes Wahlergebnis bei Nationalratswahlen ein. Nach dem für sie aber recht erfolgreichen Wahlkampf 2017 ging sie wieder ein umstrittenes Bündnis mit den Freiheitlichen ein und stellte mit Sebastian Kurz den Kanzler, der die Migrationspolitik verschärfte und auf die innenpolitischen Fehltritte seines Koalitionspartners eher zurückhaltend reagierte. In Folge der Ibiza-Affäre im Mai 2019 verlor er durch ein Misstrauensvotum sein Amt.
FPÖ
Die Freiheitliche Partei Österreichs ist seit Jahrzehnten eine der stärksten Rechtsparteien Europas. Unter dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider erlebte sie seit den Achtzigern zunächst eine Glanzzeit; Triumph und europaweiter Skandal war 2000 die Regierungsbeteiligung im Kabinett Wolfgang Schüssel (ÖVP); Österreich wurde mit Sanktionen belegt. Später spaltete sich die Haider-Fraktion aber im Streit als Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) von der Mutterpartei ab; nach Haiders Tod 2008 verlor das Bündnis an Bedeutung. Die FPÖ verzeichnete seit 2006 wieder kontinuierliche Stimmenzuwächse. 2016 unterlag ihr Kandidat Norbert Hofer nur knapp im Präsidentschaftswahlkampf. Ende 2017 (26 Prozent bei der Nationalratswahl) trat sie in eine Koalition mit der ÖVP ein. Schon mehrfach erschütterten Korruptionsskandale die Partei. FPÖ-Mitglieder sahen sich zudem wiederholt mit ihrer rechtsextremen Vergangenheit konfrontiert. So auch Heinz-Christian Strache, der seit 2005 die FPÖ geführt hatte. Er stolperte im Mai 2019 dann aber über die Ibiza-Affäre und trat als Parteivorsitzender und Vizekanzler zurück. Derzeit wird die Partei von Hofer geführt.
Die Grünen
Die Grünen in Österreich haben auf Bundesebene bislang noch keine großen Erfolge feiern können, obwohl sie sogar in einigen Bundesländern an der Regierung beteiligt sind. Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 waren sie bis 2017 im österreichischen Parlament vertreten. Bei der letzten Nationalratswahl scheiterten sie aber mit nur 3,8 Prozent an der 4-Prozent-Hürde. Ihre Kernthemen sind vor allem Umwelt- und Klimaschutz. Derzeit haben sie mehr als 7000 Mitglieder. Der derzeitige Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt von den Grünen, lässt die Mitgliedschaft aber seit seiner Kandidatur 2016 ruhen.
Liste Jetzt
Die frühere Liste Peter Pilz hat ihr Namensgeber gegründet, nachdem er im Sommer 2017 eine Kampfabstimmung um seinen Listenplatz bei den Grünen verloren hatte. Inzwischen nennt sie sich Liste Jetzt. Pilz positioniert die Liste weiter in der Mitte als die linkeren Grünen und will auch bei Nicht- und Protestwählern punkten. So forderte Pilz etwa ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst. 2017 übersprang die Liste gleich die 4-Prozent-Hürde und errang acht Mandate.
Neos
Die Neos haben sich erst 2012 gegründet und wollen vor allem jüngere Wähler ansprechen. Dafür spricht auch ihre Parteifarbe, nämlich pink. 2014 sind sie mit den österreichischen Liberalen fusioniert. Die Neos sind explizit EU-freundlich und legen ihre Schwerpunkte auf die Themen Bildung und Partizipation. Ihre Ausrichtung ähnelt der deutschen FDP, sie sind jedoch weniger wirtschaftsliberal. 2017 errangen sie 5,3 Prozent und waren mit zehn Mandaten im Nationalrat vertreten.

So wird gewählt

In Österreich gilt wie in Deutschland das Verhältniswahlrecht. Jeder Staatsbürger ab 16 Jahren hat bei der Nationalratswahl jedoch nur eine Stimme, die er einer Parteiliste geben kann. Innerhalb der Parteiliste kann er dann aber noch einzelne Kandidaten mit Vorzugsstimmen umreihen. Acht Parteien stellen sich landesweit zur Wahl, dazu treten in einzelnen Bundesländern noch fünf weitere an. Es gibt neun Landeswahlkreise, die in 39 Regionalwahlkreise untergliedert sind. Selbst kandidieren darf man in Österreich ab 18 Jahren. Rund 6,4 Millionen Österreicher sind wahlberechtigt.

Jede Partei, die landesweit vier Prozent erreicht, schafft den Sprung ins Parlament. Auch ein direktes Regionalwahlkreismandat bedeutet den Einzug. Der Nationalrat hat 183 Sitze. Die Mandatsverteilung wird über die verschiedenen Wahlkreise und abhängig von der Bevölkerungszahl in einem komplizierten mathematischen Verfahren ermittelt. Die Legislaturperiode des Nationalrates beträgt fünf Jahre. Zuletzt wurde der Nationalrat 2017 gewählt, die jetzige Wahl ist vorgezogen.



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