Wahl in Österreich "Die Wahrheit für SPÖ und ÖVP lautet: Eure Zeit ist vorbei"

Das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl in Österreich bringt das etablierte Parteiengefüge ins Wanken. Die Reaktionen auf das "Fiasko" für die Konservativen und Sozialdemokraten.
FPÖ-Kandidat Hofer

FPÖ-Kandidat Hofer

Foto: HEINZ-PETER BADER/ REUTERS

Es ist eine politische Sensation in Österreich: In der Stichwahl um das Amt des Bundespräsidenten steht weder ein Kandidat der Konservativen noch einer der Sozialdemokraten. Stattdessen tritt der Kandidat der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) , Norbert Hofer, gegen Alexander Van der Bellen von den Grünen an.

Diesen spektakulären Erfolg der FPÖ wertet der österreichische "Standard" als Debakel - und mahnt SPÖ und ÖVP zugleich, das Ergebnis auch als Chance zu begreifen. "Denn sonst werden beide Parteien das Schicksal ihrer Kandidaten erleiden. Aus einstigen Volksparteien werden Kleinparteien." SPÖ und ÖVP hätten jedoch bis 2018 noch die Möglichkeit, durch ihre Arbeit zu überzeugen. "Bei der vergangenen Nationalratswahl haben die beiden Regierungsparteien zusammen ohnehin nur noch 51 Prozent erreicht. Das scheint aus heutiger Sicht unerreichbar. Also bleibt nur: Kämpfen oder aufgeben - und die Hofburg und bald auch die Regierung einfach der FPÖ überlassen", schreibt "Der Standard". 

"Die Presse" aus Wien kommentiert:  "Die Wahrheit für SPÖ und ÖVP lautet schlicht: Eure Zeit ist vorbei." Dies heiße nicht, dass es eine der beiden Parteien in Zukunft nicht mehr geben könne. "Aber so, wie es bisher war, wird es nie wieder." 30 Jahre nach der Machtübernahme Jörg Haiders bei der FPÖ "ist die Zweite Republik - so wie wir sie als Kinder schätzen gelernt haben und wie wir sie heute als überholt empfinden - Geschichte."

Die "Neue Zürcher Zeitung" nennt den Wahlausgang ein Fiasko: "Die Sozialdemokraten und die Konservativen, die während Jahrzehnten in Österreich politisch schalten und walten konnten, wie es ihnen beliebte, haben ihre Mehrheitsfähigkeit verloren." Die Wähler hätten genug von den Mauscheleien der Regierungsparteien. "Die Regierung sollte das Fiasko als Auftrag verstehen, eine ehrlichere und lösungsorientierte Politik zu verfolgen", kommentiert die "NZZ". 

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Bundespräsidentenwahl in Österreich: Die Kandidaten im Überblick

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Die Bewerber der rot-schwarzen Regierung, Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP), lagen den Hochrechnungen zufolge am Sonntag bei jeweils rund zwölf Prozent. Hofer hat die erste Runde der Bundespräsidentenwahl mit Abstand gewonnen. Der 45-Jährige kam laut vorläufigem Endergebnis auf 36 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Umfragen hatten ihn zuvor nur auf dem zweiten Platz gesehen, hinter dem Kandidaten der Grünen, Van der Bellen. Der landete nun mit 20 Prozent auf dem zweiten Platz und tritt am 22. Mai in einer Stichwahl gegen FPÖ-Kandidat Hofer an. Die unabhängige, von den bürgerlichen Neos unterstützte Irmgard Griss bekam 18,5 Prozent der Stimmen.

brk/dpa