Flüchtlingstragödie in Österreich Schleuserbande des Todes-Lkw hatte neun Fahrzeuge

Der Laster mit 71 toten Flüchtlingen in Österreich wurde nach SPIEGEL-Informationen erst kurz vor der Abfahrt in Ungarn zugelassen. Die Schleuserbande kaufte außer dem Todes-Lkw noch weitere Fahrzeuge.

Lkw mit toten Flüchtlingen im Burgenland: Fünf mutmaßliche Schleuser gefasst
DPA

Lkw mit toten Flüchtlingen im Burgenland: Fünf mutmaßliche Schleuser gefasst


Der Halter des Lastwagens, in dem auf der Autobahn A4 bei Parndorf im österreichischen Burgenland 71 Flüchtlinge tot entdeckt wurden, ist nach Informationen des SPIEGEL der 50-jährige Kassim S., ein Bulgare mit libanesischen Wurzeln. Das ergaben Ermittlungen von ungarischen Beamten. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 37/2015
Das tödliche Geschäft der Schlepper-Mafia

Er war jahrelang im Autohandel tätig und betrieb einen Gewerbehof in Linz. Sein Name und seine Daten tauchen auch in mehreren Verfahren gegen Schleuser in Deutschland auf. Die Ermittler nehmen an, dass er zur mittleren Führungsebene gehörte und mit der Organisation der Fluchtautos betraut war.

Mittlerweile haben die Beamten fünf Mitglieder der bulgarisch-afghanischen Tätergruppe gefasst, darunter auch den Fahrer des Fahrzeugs.

Die Polizisten stellten außerdem fest, dass die Schleuser zuletzt außer dem Todes-Lkw acht weitere Kleinlaster kauften, die ihm baulich ähneln. Nach dem Drama auf der A4 meldeten sich Flüchtlinge bei der österreichischen Polizei und berichteten, dass auch sie wenige Tage zuvor mit einem Lkw mit der Aufschrift "Hyza" auf der Seite über die österreichische Grenze gebracht wurden - und ebenfalls Probleme mit der Luftzufuhr hatten.

Die Mutter des gleichfalls Verhafteten Metodi G., 29, aus der bulgarischen Stadt Lom sagte dem SPIEGEL, ihr Sohn habe früher saisonbedingt Arbeiter von Bulgarien nach Italien und Deutschland gefahren. Er fiel auch in Bulgarien durch Straftaten auf. Wegen Verkehrsdelikten drohte ihm dort eine achtmonatige Haftstrafe. Seine Ehefrau Velichka T. berichtet, Metodi G. habe sich aus Angst vor dem Gefängnis aus Bulgarien abgesetzt.

Vier Kinder unter den Toten

Nach den Obduktionen der Leichen geht die Polizei davon aus, dass die Flüchtlinge noch in Ungarn auf der Ladefläche erstickten. Sie hätten nur Luft für ein bis anderthalb Stunden gehabt und dürften langsam bewusstlos geworden sein, sagte Polizeidirektor Hans Peter Doskozil am Freitag auf einer Pressekonferenz. Es gebe keine Anzeichen, dass sie versucht hätten, sich zu befreien.

Man habe 17 Reisedokumente und 40 Mobiltelefone bei den Leichen gefunden. Demnach sei davon auszugehen, dass es eine Gruppe aus Syrern, Afghanen und Irakern war. Über die Telefone habe die Polizei Kontakt zu mutmaßlichen Verwandten aufgenommen. Bei den Toten handele es sich um 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder.

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