Österreich Tritt Haider zurück?

In Österreich verdichten sich die Gerüchte: Angeblich will der Rechtspopulist Jörg Haider von seinem Amt als FPÖ-Vorsitzender zurücktreten. Oder ist es doch nur eine Drohung, um die Partei auf Linie zu bringen?

Wien - Haider, so berichtet es die österreichische Agentur APA, sei zu einer Sitzung des Parteivorstandes nach Wien gekommen. Bislang habe er sich aber noch nicht geäußert. Auch die beiden größten Zeitungen Österreichs, die "Kronenzeitung" und der "Kurier", berichteten über Rücktrittsgerüchte.

Zuletzt hatte sich der 50-Jährige, der die FPÖ bisher unangefochten beherrscht hat, in der Partei in der Frage der Politikergehälter nicht mehr durchsetzen können. Haider hatte in der letzten Woche angekündigt, die Höchstgrenze von 60.000 Schilling (8570 Mark) für alle FPÖ-Politiker gelte auch für die FPÖ-Mitglieder der Bundesregierung. "Darauf können sie Gift nehmen", hatte der umstrittene Politiker versichert.

Am Wochenende war jedoch bekannt geworden, dass diese Höchstgrenze jetzt nicht mehr für die FPÖ-Minister in der neuen rechtskonservativen Regierung gelten soll. Vor allem der von der FPÖ entsandte neue Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte die Höchstgrenze offen abgelehnt.

Zunächst herrschte in politischen Kreisen in Wien Unklarheit über die Rücktrittsgerüchte. Die Spekulationen gingen einerseits dahin, dass Haider in der Partei nicht mehr wie früher allein bestimmen könne, nachdem die FPÖ-Minister in der Bundesregierung starke Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden hatten.

Auf der anderen Seite hieß es, Haider könne eine Rücktrittsdrohung einsetzen, um seine Partei wieder "auf Vordermann" zu bringen. Schon 1998 hatte der Populist mit Rücktritt gedroht, sollten seine Anhänger ihm nicht folgen.

Haider war 1986 FPÖ-Vorsitzender geworden, als die Oppositionspartei fünf Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Nach einem jahrelangen Feldzug gegen die "Altparteien" der Großen Koalition, Sozialdemokraten (SPÖ) und Volkspartei (ÖVP), hatte er seine Partei mit 27 Prozent zur zweitstärksten politischen Kraft im Lande gemacht. Im vergangenen März war der erfolgreichste Rechtspopulist Europas mit seiner Partei in Kärnten erstmals in einem Bundesland zur stärksten politischen Kraft aufgestiegen und Landeshauptmann geworden.