Präsidentenwahl in Österreich TV-Duell endet im Desaster

Keine Themenvorgabe und kein Moderator: Das waren die Regeln beim TV-Duell zur österreichischen Präsidentenwahl. Man kann sich denken, wie die 45-minütige Diskussion ablief.

DPA

Eine Woche vor der entscheidenden Stichwahl am 22. Mai haben sich die beiden Präsidentschaftskandidaten in Österreich in einem TV-Duell einen unerwartet aggressiven Schlagabtausch geliefert. Der von den Grünen unterstützte Wirtschaftsprofessor Alexander Van der Bellen, 72, und der Rechtspopulist Norbert Hofer, 45, von der FPÖ traten in einer 45-minütigen Sendung gegeneinander an.

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Das Besondere daran: Es gab keinen Moderator und keine Themenvorgabe.

Beobachter, die den Auftritt der beiden Kandidaten im österreichischen Privatsender ATV unmittelbar danach analysierten, sprachen von einem "Schlamm-Catchen". Politikberater Thomas Hofer sagte: "Beide blamiert, Amt beschädigt."

Einen wesentlichen Teil der Sendung nahmen Vorwürfe ein, was jeweilige Unterstützer des anderen in sozialen Netzwerken an Beleidigungen gepostet hätten. Themen wie das Verhältnis zur EU und die Bekämpfung der Rekordarbeitslosigkeit spielten eine weniger prominente Rolle.

Das Fazit der Sendung fällt entsprechend aus: "Unmoderierte Politikerdiskussionen funktionieren nicht", schrieb der Wiener Politikwissenschaftler Hubert Sickinger auf Twitter. Andere schrieben: "Die beiden senken gerade die Wahlbeteiligung auf 20 Prozent."

wal/dpa



insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
mkummer 16.05.2016
1.
Das ist die Zukunft! Vermutlich auch bei uns in good old Germany (und sonst auf der Welt).
black-mamba 16.05.2016
2. Was zu beweisen war...
Den sogenannten Volksvertretern - und das trifft nicht nur auf Österreich zu - geht es nicht um Sachthemen. Es geht um Machteringung und Durchsetzung der ureigensten ganz persönlichen Interessen. Keine politische Ausrichtung nacht dabei einen Unterschied. Es würd wohl noch viele Jahrhunderte dauern, bis die Menschheit soweit ist, dass die Begrifflichkeiten Demikratie, Gleichheit, Zivilisiertheit, Moral und Anstand auch wirklich im Leben und Denken angekommen und verstanden ist. Es ist beschämend und abstoßend, wen wir zu unseren 'Anführern' machen und wie diese mit der geliehenen Macht umgehen. Ausnahmslos!
zvonimir 16.05.2016
3. hirnrissig, sich
in eine solche Diskussion ueberhaupt hineinhetzen zu lassen, noch dazu, wo ein solches Spektakel nur dem Sender nutzt. Ueberhaupt war dieser Wahlkamp von einer sagenhaften Wuerdelosigkeit gepraegt, wobei die Medien durchaus eine tragende Rolle und die Kandidaten leider mitgespielt. Nun stehlen sich die Medien gerne aus der Verantwortung, diesesmal sollte das jedoch nicht so einfach sein.
behindtheborderline 16.05.2016
4. Sich in so einem geschmacklosem Dekorraum
ein Rededuell zu liefern, sagt schon alles über das tiefe Niveau der österr.Politik aus. einfach grausam, dass sich dort seit 40 Jahren alles nur noch zum schlimmen ver(r)ändert hat. So etwas macht einen als Auslandsösi nur noch tiefer betroffen, als es bisher schon war. Die Lemminge stürzen sich mal wieder mit tiefer Inbrunstigkeit in einen braunblauen Abgrund. Gute Nacht, Austria.
thequickeningishappening 16.05.2016
5. Meine imaginaere Traumdebatte
ohne Moderator: Herbert Wehner, Angela Merkel F.J.S.und Erich Honnecker.
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