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09. Oktober 2017, 06:55 Uhr

Österreich

Kanzlerkandidat Kurz sieht rechte FPÖ als größte Konkurrenz

Die FPÖ hat laut ÖVP-Spitzenkandidat Kurz bei der Parlamentswahl in Österreich Chancen auf den Sieg. Dabei profitiert die rechte Partei weiter von einem Skandal zwischen den Regierungsparteien.

Im Wahlkampf in Österreich sieht ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz den Chef der rechten FPÖ, Heinz-Christian Strache, nun als schärfsten Konkurrenten um die Kanzlerschaft. "Es wird ein tolles Ergebnis für die FPÖ geben. Die Frage ist, wer geht als Erster über die Ziellinie?", sagte Kurz am Sonntagabend in einem TV-Duell mit Strache im Privatsender Puls 4.

Die Debatte zwischen Kurz und Strache verlief insgesamt sehr gemäßigt. In einer Schnellumfrage unter 500 repräsentativ ausgewählten Zuschauern sahen 43 Prozent Strache als Sieger des TV-Duells, 36 Prozent waren von Kurz überzeugt. Bisher galt Kurz als klarer Favorit auf den Sieg bei der Parlamentswahl am 15. Oktober.

Nach Ansicht von Politik-Experten profitiert die FPÖ aktuell allerdings von der Schlammschlacht zwischen den Regierungsparteien der großen Koalition, SPÖ und ÖVP, die von gegenseitigen Vorwürfe wegen einer Schmutzkampagne handeln.

ÖVP-Chef Kurz: SPÖ hat die österreichische Politik vergiftet

Der ehemalige SPÖ-Berater Tal Silberstein soll eine gegen ÖVP-Kandidat Kurz gerichtete Negativ-Kampagne mithilfe zweier gefälschter Facebook-Seiten veranlasst haben. Silberstein war im August in Israel im Zusammenhang mit Korruptions- und Geldwäschevorwürfen vorübergehend festgenommen und daraufhin als SPÖ-Berater entlassen worden. Medienberichten zufolge wurden die Facebook-Seiten gegen Kurz jedoch in Abstimmung mit der SPÖ-Wahlkampfzentrale weiter betrieben und erst nach jüngsten Enthüllungen aus dem Netz entfernt.

Um diese Schmutzkampagne war es auch in einer TV-Debatte zwischen Kurz und Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) gegangen, die vor dem Duell zwischen Kurz und Strache stattgefunden hatte. Sie wurde zu einem Schlagabtausch der beiden Spitzenpolitiker. Dabei versuchte der SPÖ-Chef Kern erneut, der ÖVP eine erhebliche Mitschuld an den aktuellen Entgleisungen zu geben. Kurz warf Kern in der Debatte wiederum vor, mit die österreichische Politik durch die Kampagne vergiftet zu haben.

Zugleich hat die SPÖ allerdings den Verdacht, dass die ÖVP mit Bestechung versucht hat, an SPÖ-interne Informationen zu kommen. Kern warf Kurz in der TV-Debatte unter Verweis auf Medienberichte vor, die ÖVP habe einem Mitglied von Silbersteins Team Geld geboten, um an Informationen über dessen Vorgehen zu kommen. Die Schmutzkampagne dominierte weite Teile der TV-Debatte. Weitere Themen waren die Flüchtlingsthematik sowie die Steuerreform. Die SPÖ schwächelt in den Umfragen aktuell. Den Sozialdemokraten droht der Gang in die Opposition.

aev/AFP/dpa

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