Zweites TV-Duell in Österreich Wir bedauern die Entgleisung und setzen die Debatte fort

Das letzte TV-Duell der beiden Kandidaten für das Bundespräsidentenamt in Österreich war ein Desaster. Nun trafen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer erneut aufeinander.

Hofer und Van der Bellen
AP

Hofer und Van der Bellen


Schon die Sitzordnung war ein Problem: Die beiden verbliebenen Kandidaten um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten, der frühere Grünen-Vorsitzende Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer, Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ, trafen im zweiten TV-Duell aufeinander.

Wie die Wiener Tageszeitung "Der Standard" berichtet, war eine der strittigsten Fragen im Vorfeld, wer am Donnerstagabend im Fernsehstudio rechts sitzen soll. Der Zuschlag wurde im Losverfahren vergeben, er ging an Hofer.

Beide Kandidaten waren bei diesem Aufeinandertreffen deutlich bemüht, staatsmännischer aufzutreten als fünf Tage zuvor. Beim ersten Mal hatten sie nämlich noch ohne Moderator gestritten - ein Versuch, der gründlich misslang.

Hofer sagte dazu, der Sender ATV habe eben "zwei Gladiatoren in eine Arena gesperrt". Van der Bellen räumte ein, die Duellanten seien in dem führungslosen Streit "entgleist". Inhaltlich brachte die zweite TV-Diskussion wenig neue Erkenntnisse. Beide Kandidaten versuchten, mit Heimatverbundenheit bei den Wählern zu punkten.

Hitzig wurde es laut Österreichischem Rundfunk (ORF), dessen Sender ORF2 die einstündige Debatte live ausstrahlte, bei einer Diskussion um einen angeblichen Anschlag während eines Besuches von Hofer in Israel im Juli 2014: Moderatorin Ingrid Thurnher konfrontierte Hofer erneut damit, es habe laut israelischer Sicherheitskreise keine Schießerei in seiner Nähe gegeben, als Hofer im Land war. Hofer sagte laut ORF, er habe Bilder davon gemacht, wollte sie aber im Fernsehen nicht zeigen.

Im ersten Wahlgang Ende April hatte Hofer gut 35, Van der Bellen 21 Prozent der Stimmen bekommen. Die Kandidaten der Regierungsparteien ÖVP und SPÖ landeten abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.

Die jüngste Umfrage des Instituts Gallup sah zuletzt leichte Vorteile bei Hofer. Für Sonntag wird dennoch ein sehr knappes Rennen um das höchste Staatsamt erwartet.

Der Bundespräsident ernennt in Österreich den Bundeskanzler, bei neuen Gesetzen kann er diesen die Unterschrift verweigern, wenn sie gegen die Landesverfassung verstoßen.

Van der Bellen hatte bereits angekündigt, dass er als Bundespräsident einen FPÖ-Kandidaten nicht zum einen Kanzler ernennen werde, sollte die Partei bei den Parlamentswahlen siegen. Am Donnerstagabend in dem TV-Duell sagte er dazu allerdings, er könne sich einen FPÖ-Vizekanzler unter bestimmten Bedingungen vorstellen. Hofer erneuerte seine Ankündigung, als Bundespräsident etwa bei einem Gesetz zur Steuererhöhung ein Veto einlegen zu wollen.

Ein Sieger der Diskussion war nicht auszumachen. Eine entsprechende Blitzumfrage unter den Zuschauern, wie bei TV-Duellen von Politikern etwa in Deutschland üblich, gab es im Anschluss nicht.

cht



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