Österreich-Wahl Schüssel auf der Suche nach einer Koalition

Einen Tag nach dem triumphalen Wahlerfolg der ÖVP in Österreich wird Bundeskanzler Wolfgang Schüssel mit Verhandlungen über die zukünftige Regierung beginnen. Trotz einer schweren Schlappe für Jörg Haiders Freiheitliche gilt eine Neuauflage der bisherigen Koalition als wahrscheinlich.


Schüssel: alle Optionen
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Schüssel: alle Optionen

Wien - Der Vorstand der Freiheitlichen (FPÖ) des Rechtspopulisten Jörg Haider, die bei der Abstimmung fast zwei Drittel ihrer Wähler verloren hatten, will am Nachmittag entscheiden, ob sie die bisherige Koalition mit der Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel fortsetzt. Schüssel zeigte sich zunächst für alle Optionen offen. Er wolle mit allen drei anderen im Parlament vertretenen Parteien verhandeln.

Zu einer Zusammenarbeit mit der FPÖ, die nach innerparteilichen Querelen die alte rechtskonservative Regierung beendet hatte, sagte Schüssel, dazu könne es nur mit "verlässlichen Rahmenbedingungen" von Seiten des Juniorpartners kommen. "Es muss Garantien und Sicherheiten geben", sagte Schüssel am späten Sonntagabend an die Adresse der FPÖ. "Manche Festlegungen vor der Wahl müssen überdacht werden."

Die SPÖ, die ebenfalls Gewinne verzeichnet hatte, aber vom ersten auf den zweiten Platz zurückgefallen war, will von einer Koalition mit Schüssel bisher nichts wissen. "Unser Platz wird in der Opposition sein", kündigte SPÖ-Parteichef Alfred Gusenbauer nach der Wahl an. Er hatte vor der Abstimmung die Oppositionsrolle der SPÖ im Falle eines zweiten Platzes angekündigt. Seine Partei hatte zwar leicht gewonnen, war aber mit 36,9 Prozent (+3,8 Prozentpunkte) abgeschlagen auf Platz zwei gelandet. Die Mehrheit in der SPÖ sage, "bevor wir unsere Wahlziele verraten, werden wir in die Opposition gehen", versicherte Gusenbauer weiter.

Die konservative ÖVP hatte bei der um ein Jahr vorgezogenen Wahl einen sensationellen Sieg errungen. Sie hatte von 26,9 Prozent auf 42,3 Prozent zugelegt. Das war der größte Zuwachs, den je eine Partei in Österreich seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht hat. Die FPÖ war von 26,9 auf 10,2 Prozent geschrumpft - ebenfalls ein historischer Rekord.

Weiter in der Opposition werden auch die schon bisher dort sitzenden Grünen bleiben. Sie hatten bei der Wahl 9,0 Prozent (+1,6 Prozent) erzielt - deutlich weniger als erwartet. Die von den Grünen und der SPÖ angestrebte erste rot-grüne österreichische Regierung kommt damit auf keinen Fall zu Stande.

Der FPÖ-Vorsitzende und Spitzenkandidat Herbert Haupt will nach dem verheerenden Wahlergebnis "selbstverständlich" seinen Rücktritt anbieten, sagte der Politiker nach der Wahl. Er wolle aber an der Spitze der Partei bleiben. "Wenn es nach mir geht, soll sich die Partei in der Regierungsverantwortung neu ordnen", hatte er am Sonntagabend angekündigt. Über seine Position und den Kurs der Partei müsse aber der Vorstand am Montag entscheiden.



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