Neuer Bundespräsident Grüner Van der Bellen gewinnt Wahl in Österreich

Es war knapp: Die Österreicher haben Alexander Van der Bellen mit 50,3 Prozent zum neuen Bundespräsidenten gewählt. FPÖ-Mann Norbert Hofer gestand seine Niederlage ein.

REUTERS

Der künftige Bundespräsident Österreichs heißt Alexander Van der Bellen. Das verkündete Innenminister Wolfgang Sobotka. Demnach gewann der von den Grünen unterstützte Van der Bellen mit 50,3 Prozent.

FPÖ-Mann Norbert Hofer kam auf 49,7 Prozent. Es entschieden damit wenige Tausende Stimmen.

Präsidentenwahl in Österreich

Vorläufiges Gesamtergebnis - Angaben in Prozent

Norbert Hofer
FPÖ
49,7
Alexander Van der Bellen
von den Grünen unterstützt
50,3

Stand: 23.5.2016, 16:53 Uhr, Quelle: Bundesministerium für Inneres

Hofer hatte bereits vor der Verkündung des vorläufigen Endergebnisses seine Niederlage auf Facebook eingestanden. Dort schreibt der FPÖ-Mann: "Liebe Freunde! Ich bedanke mich für Eure großartige Unterstützung. Natürlich bin ich heute traurig. Ich hätte gerne für Euch als Bundespräsident auf unser wunderbares Land aufgepasst. Bitte seid nicht verzagt."

In der ORF-Hochrechnung am Sonntagabend hatten Van der Bellen und Hofer gleichauf gelegen: Patt. Dort war auch eine erste Prognose für die Briefwähler einberechnet.

Es kam also auf die Auszählung der Briefwahlstimmen an. Sie entschieden sich offenbar mehrheitlich für den Grünen Van der Bellen.

Briefwahl-Rekord

Bei dieser Stichwahl hatten über 885.000 Wähler die sogenannten Wahlkarten, die Unterlagen für die Briefwahl, beantragt. Ein Rekord. Tatsächlich eingegangen sind rund 740.000 Briefwahlstimmen. Seit Montagmorgen wurden sie ausgezählt. In Österreich werden die Wahlkarten erst nach den Urnenstimmen ausgewertet.

Van der Bellen hatte für den Fall seiner Wahl bereits angekündigt, Gräben zuschütten zu wollen. Der unterlegene Hofer, so berichtet der ORF, wird am Montag nicht vor die Medien treten.

Van der Bellen ist mit dem Gewinn der Stichwahl eine Aufholjagd gelungen, die viele nach der ersten Runde nicht für möglich gehalten hatte. Die hatte der FPÖ-Kandidat Hofer mit 35,1 Prozent gewonnen - mit einem deutlichen Vorsprung zu Van der Bellen, der von den Grünen unterstützte Kandidat. Er kam auf 21,3 Prozent.

Van der Bellen konnte in der zweiten Runde einstige Nichtwähler und Anhänger aus dem Lager der sozialdemokratischen SPÖ als auch dem der bürgerlich-konservativen ÖVP für sich gewinnen. Vor allem zahlte sich für ihn die Unterstützung der unabhängigen Kandidatin Irmgard Griss aus. Über 500.000 Stimmen wanderten aus ihrem Lager zu Van der Bellen laut Nachwahlbefragungen. Sie wollten vor allem den FPÖ-Mann Hofer an der Spitze des Staates verhindern. (Lesen Sie hier mehr zu den Motiven der Wähler).

Die Wahlbeteiligung lag bei 72,7 Prozent. Damit gingen wieder mehr Menschen in Österreich wählen.

heb



insgesamt 192 Beiträge
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Seite 1
alyeska 23.05.2016
1. Und das ist gut so !
Keine Macht den Rechten. Ein Sieg für die Vernunft.
ackergold 23.05.2016
2.
Glückwunsch für Herrn Van der Bellen. Er hat Österreich damit vor einem Unglück bewahrt. Danke an die Wähler dort!
David K. 23.05.2016
3. Demokratien am Wendepunkt
Wenn sich alle Minderheiten zusammenschließen, um eine (unliebsame) rechte Mehrheit zu verhindern, dann ist dies eine Möglichkeit in einer Demokratie. Aber diese Möglichkeit ist eine der letzten, die man in dieser Staatsform hat. Europa und seine Demokratien stehen vor einem Wendepunkt - und das wird bei dieser Wahl nochmals sehr deutlich.
citi2010 23.05.2016
4.
Unwort des Jahres: Rechtspopulist. Ich bin froh, dass der alte Herr das Rennen gemacht hat. Aber statt die Kritiker des Status Quo pauschal mit Verachtung zu strafen und mit Worten wie Rechtspopulist, Demagogen, Menschenfänger usw zu überschütten sollte man lieber die Themen Ernst nehmen, die eigenen Positionen nicht nur in Hinblick auf die Karriere in der Partei sondern eben mit dem Wohl des Landes im Blick festlegen und überhaupt all den Bürgern dienen, die den Politikern Gehalt und Rente bezahlen.
blumenstrauss 23.05.2016
5. Geschichte ...
... wiederholt sich nicht zwangsläufig. Wien hat die blauen Faschisten gestoppt. Und - mein Dank an die mutigen, gebildeten Frauen in den Großstädten Österreichs. Die Angsthasen werden sich jetzt den Verschwörungstheorien hingeben.
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