Rechtspopulisten in Österreich Wiener FPÖ bunkerte Parteivermögen in Gold

Geheimes Goldlager in der Pension "Enzian": Die Freiheitliche Partei in Österreich hatte so große Angst vor einem Bankencrash, dass sie ihr Geld in Edelmetall umtauschte und in Tirol versteckte.

Goldbarren (Symbolbild)
Armin Weigel/ DPA

Goldbarren (Symbolbild)


Der Fund mehrerer Goldbarren in einem von der rechtspopulistischen FPÖ genutzten Bauernhaus in Tirol bringt die Freiheitlichen in Erklärungsnot.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Profil" fand die österreichische Polizei bereits im Sommer in der Pension "Enzian" in St. Jakob im Osten des Bundeslands Tirol drei Kassetten mit Goldbarren. In dem ehemaligen Bauernhaus befindet sich demnach ein Bildungsinstitut der FPÖ.

Welchen Wert der Goldschatz hat, ist bislang nicht genau bekannt. Die "Zeit im Bild" (ZIB) berichtet, es handele sich um Edelmetall im Wert von mehr als einer Million Euro. Darauf deute auch die Kopie eines notariellen Schreibens hin, in dem die Anzahl der Barren in den drei Kassetten aufgeführt sei, das aber an den entscheidenden Stellen geschwärzt worden sei. Die Barren haben demnach ein Einzelgewicht von 500 Gramm und bestehen aus Feingold. Damit ergäbe sich ein Wert von derzeit 21.000 Euro pro Stück.

Auch die Besitzverhältnisse sind demnach in dem Papier aufgeführt. Laut dem Faksimile, das "Profil" zeigt, gaben die bei der Unterzeichnung Anwesenden an, zwei Kassetten gehörten der Wiener FPÖ-Fraktion und eine weitere der Wiener FPÖ.

Wiener FPÖ-Chef Nepp: "Hier ist alles ganz legal"

Laut "Profil" war einer der Berechtigten für das Öffnen der Tresore der heutige Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp. Er räumte die Existenz des Goldlagers auf Medienanfragen ein, bestritt aber, dass ein Goldlager in einem Ferienhaus einer politischen Partei problematisch sei. "Hier ist alles ganz legal", sagte Nepp.

Die Partei habe das Gold während der Finanzkrise 2008 gekauft, um ihr Vermögen in wirtschaftlich turbulenten Zeiten zu schützen. Der ZIB sagte der Wiener FPÖ-Chef, das Geld zum Goldkauf stamme aus Mitgliedsbeiträgen, staatlicher Parteienfinanzierung und sonstigem Parteivermögen. Die Partei habe sich entschieden, die Barren privat zu verwahren, da Banken pleitegehen und schließen könnten.

Geheime Kasse in Liechtenstein

Das Goldbarren-Lager ist nicht das einzige Problem der FPÖ. In der sogenannten Casino-Affäre muss sie sich Vorwürfen stellen, in denen es um Günstlingswirtschaft bei der Besetzung eines Postens im Vorstand der Casinos Austria AG geht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bestechung, Amtsmissbrauch und Untreue.

Konkret lautet der Vorwurf, die FPÖ habe einen Bezirksrat aus Wien auf Basis eines politischen Deals in den Casinos-Vorstand hieven lassen - wo er ein Jahresgehalt von 350.000 Euro plus Boni bezieht. Im Gegenzug für seine Unterbringung auf dem Posten soll die FPÖ dem Glücksspielkonzern Novomatic, an dem Casinos Austria beteiligt ist, zusätzliche Glücksspiellizenzen versprochen haben.

Hinzu kommt, dass der FPÖ-Mann für den Vorstandsposten nicht qualifiziert gewesen sein soll. So konstatierte laut "taz" ein Headhunter, der FPÖ-Bezirksrat würde "in den meisten Auswahlverfahren für eine entsprechende CFO-Position keine Berücksichtigung finden".

Im Zusammenhang mit der Casinos-Affäre gab es bereits im August Hausdurchsuchungen, von denen auch der frühere FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache betroffen war. Der wies die Vorwürfe umgehend zurück. "Der gegen mich erhobene Vorwurf entbehrt jeder Grundlage und ist daher lediglich ein weiterer politischer Angriff auf meine Person", teilte Strache mit.

Ibiza-Affäre beendete Regierung von FPÖ und ÖVP

Gegen die FPÖ gab es wiederholt Vorwürfe der illegalen Parteienfinanzierung. Im Mai setzte die Ibiza-Affäre des damaligen Vizekanzlers Strache der Beteiligung der FPÖ an der Regierung in Wien ein Ende. Derzeit verhandelt ÖVP-Chef Sebastian Kurz mit den Grünen über eine Koalition.

Der SPIEGEL und die "Süddeutsche Zeitung" hatten damals enthüllt, dass Strache noch vor der Parlamentswahl von 2017 einer von einer Schauspielerin gemimten russischen Oligarchin politische Gefälligkeiten gegen Geld für die FPÖ angeboten hatte.

In einem 2015 erschienenen Buch über den langjährigen FPÖ-Chef Jörg Haider hatte ein früherer Vertrauter des Rechtspopulisten die Existenz einer geheimen Kasse in Liechtenstein enthüllt. Das Geld sollte demnach zur Finanzierung von politischen Aktivitäten Haiders verwendet werden.

cht/AFP



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
auweia 22.11.2019
1. Wo ist jetzt der Skandal?
Ich finde die Panikreaktion der FPÖ etwas überzogen und von Kosten her (Gebühren für Goldkauf, Aufwand für Betreuung/Sicherung) eher zu teuer. Aber was ist gegen den Kauf von Gold einzuwenden? Es hängt doch lediglich an den Befugnissen des Parteischatzmeisters. Wenn der das darf... Davon ab: Ich teile das Misstrauen sowohl gegen das bestehende Euro-System als auch gegen den Trend, alles ausser elektronisch einsehbarem Geld für illegal zu halten. Cash rulez! Go, gold!
peterw 22.11.2019
2. Schreibt auch keiner
Schreibt auch keiner, dass das ein Skandal ist. Interessanter ist generell die Herkunft der Gelder bei der FPÖ.
radlrambo 22.11.2019
3. Da haben sie recht, aber
Zitat von auweiaIch finde die Panikreaktion der FPÖ etwas überzogen und von Kosten her (Gebühren für Goldkauf, Aufwand für Betreuung/Sicherung) eher zu teuer. Aber was ist gegen den Kauf von Gold einzuwenden? Es hängt doch lediglich an den Befugnissen des Parteischatzmeisters. Wenn der das darf... Davon ab: Ich teile das Misstrauen sowohl gegen das bestehende Euro-System als auch gegen den Trend, alles ausser elektronisch einsehbarem Geld für illegal zu halten. Cash rulez! Go, gold!
Goldbarren haben auch den Vorteil, dass man sie aus anderen Ländern im Kofferraum transportieren kann, nur zum Beispiel aus Russland oder Ibiza, ohne dass es die doofe Finanzkontrolle mitbekommt. Finden sie nicht?
sonnemond 22.11.2019
4. Klug
Während der Finanzkrise gekauft? - Da kostet die Unze zeitweise nur 800 Dollar. Heute bei 1.390 Euro. Parteivermögen verdoppelt in nur 10 Jahren? Einen guten Job gemacht. Nicht im Banksafe aufbewahrt? Lässt sich drüber diskutieren. Bei einem Bank-Run, der in der systemischen Krise 2008/2009 möglich war, hätte das Gold nicht mehr zugänglich sein können. Oft wurde Gold auch von Staaten konfisziert.
Bondurant 22.11.2019
5. Erstmal kein Skandal
Zitat von auweiaIch finde die Panikreaktion der FPÖ etwas überzogen und von Kosten her (Gebühren für Goldkauf, Aufwand für Betreuung/Sicherung) eher zu teuer. Aber was ist gegen den Kauf von Gold einzuwenden? Es hängt doch lediglich an den Befugnissen des Parteischatzmeisters. Wenn der das darf... Davon ab: Ich teile das Misstrauen sowohl gegen das bestehende Euro-System als auch gegen den Trend, alles ausser elektronisch einsehbarem Geld für illegal zu halten. Cash rulez! Go, gold!
Sondern der übliche Appell an die Ressentiments: FPÖ-Gold-illegale Parteienfinanzierung. Auch wenn man gar nichts weiß. Die eigentliche Bedeutung dieser Nachricht ist für mich, dass die vermutlich überdurchschnittlich informierten Politiker immerhin so besorgt waren, dass sie die Beschaffung von Gold angesichts der Situation der europäischen Banken für angezeigt hielten. Das macht außerordentlich nachdenklich.
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