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18. Dezember 2013, 19:56 Uhr

Neuer Außenminister

27-Jähriger will Österreich umkrempeln

Am Montag Vereidigung, am Freitag Visite in Kroatien, zwischendurch krempelt er das Ministerium um: Österreichs jüngster Außenminister, Sebastian Kurz, hat sich für seine Amtszeit viel vorgenommen.

Wien - Sebastian Kurz ist kaum 24 Stunden Außenminister und plant schon sein erste offizielle Auslandsreise nach Kroatien. Am Donnerstag will er sich mit seiner kroatischen Amtskollegin Vesna Pusic treffen. Der jüngste Außenminister innerhalb der Europäischen Union (EU) habe sein Reiseziel mit Bedacht gewählt: "Ich möchte gerne das jüngste Mitglied der EU besuchen. Wir sind ja fast Nachbarn", sagte der 27-jährige Politiker der Wiener Tageszeitung "Standard".

Ebenso plant der Jungpolitiker ein Treffen mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, den Kurz schon aus seiner Zeit als Staatssekretär für Integration kennt.

Dass er mit 27 zu unerfahren, einfach nicht kompetent genug sein könnte, hört Kurz seit seiner Ernennung am Montag oft. Die Kritik nimmt er in der Öffentlichkeit gelassen: "Ich leugne nicht, dass ich für dieses Amt sehr jung bin. Ich will aber das junge, moderne, weltoffene Österreich repräsentieren", sagte er dem österreichischen "Kurier".

Als Bundespräsident Heinz Fischer den jungen Politiker als Außenminister vereidigte, war Kurz bereits in der österreichischen Politik bekannt: Als er 2009 mit seinem Wahlkampfauto "Geil-o-mobil" die altehrwürdige ÖVP in Wien entstauben sollte, landete er erstmals in den Schlagzeilen. Im Alter von 25 Jahren übernahm der Jura-Student ohne Abschluss dann sogar als Staatssekretär die Integrationsagenda seiner Partei.

Kurz auf dem internationalen Parkett

Nun soll der einstige Polit-Hallodri neben Schwergewichten der Außenpolitik, wie Russlands Sergej Lawrow, Frank-Walter Steinmeier oder seinem US-amerikanischen Amtskollegen John Kerry, Österreichs Interessen auf dem diplomatischen Parkett vertreten. Nicht nur in den österreichischen Medien, auch international sorgte diese ungewöhnliche Wahl für Verwunderung, mancherorts sogar für Entsetzen.

Seine Ernennung zum Integrationsminister bezeichnete der "Standard" damals als "Verarschung". Eine britische Zeitung verglich Kurz mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un, der 29 Jahre alt war, als er die Führung seines Landes übernahm.

"Ich habe viel Energie", verkündete der Nachwuchsdiplomat in dem "Standard"-Interview am Mittwoch. Für seine Agenda hat sich Kurz viel vorgenommen: So will der Jungspund die Entwicklungspolitik Österreichs umkrempeln, die Menschenrechte zu seinem Schwerpunkt machen, die Zusammenarbeit mit dem Westbalkan fördern und nebenbei "die Österreicher für Außenpolitik begeistern".

Für einen Besuch im russischen Sotschi bei den Winterspielen in Februar werde Kurz aber voraussichtlich keine Zeit haben, der Terminkalender sei schon voll, sagt er.

cth

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