Türkische Offensive Trump ordnet Rückzug weiterer US-Soldaten aus Nordsyrien an

Laut dem US-Verteidigungsministerium hat Trump angeordnet, weitere Truppen der USA aus Nordsyrien abzuziehen. Man wolle nicht zwischen zwei sich gegenüberstehende Armeen geraten.

US-Truppen in Syrien
ANHA/ DPA

US-Truppen in Syrien


Inmitten der Militäroffensive der Türkei hat US-Präsident Donald Trump den Rückzug weiterer US-Soldaten aus Nordsyrien angeordnet. Es bestehe die Gefahr, dass die USA zwischen zwei sich gegenüberstehende Armeen gerieten, die in Nordsyrien vorrückten, sagte US-Verteidigungsminister Mark T. Esper dem US-Sender CBS. Das sei eine "sehr unhaltbare" Situation.

Esper habe deshalb mit Trump gesprochen, der angeordnet habe, mit einem Rückzug von Kräften aus Nordsyrien zu beginnen. Die US-Regierung wolle sicherstellen, dass keine US-Soldaten verletzt oder getötet würden, sagte Esper. Im Nordosten Syriens befanden sich zuletzt rund tausend US-Soldaten.

Laut einem Sprecher des Außenministeriums prüft die USA derzeit Berichte, wonach eine kurdische Politikerin und gefangene kurdische Kämpfer im Zuge der türkischen Offensive getötet wurden. Am Samstag hatte die Organisation Syrian Observatory for Human Rights gemeldet, dass von der Türkei unterstützte Gruppen neun Zivilisten getötet hätten, darunter Hervin Khalaf, Generalsekretärin der "Future Syria Party".

Kurdische Politikerin und Frauenrechtlerin offenbar getötet

Von türkischer Seite gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Die regierungsnahe Zeitung "Yeni Safak" meldete unter Berufung auf Quellen vor Ort, Khalaf sei bei einer Operation "außer Gefecht gesetzt worden". Sie sei bei einem Luftschlag auf dem Weg von Rakka nach Kamischli getötet worden, der auf Basis von Geheimdienstinformationen durchgeführt worden sei.

"Wir haben Berichte über die Ermordung von Khalaf sowie von mehreren gefangenen SDF-Kämpfern gesehen, wobei Letztere offenbar in den Händen von türkisch unterstützten, bewaffneten syrischen Oppositionskräften erschossen wurden", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Die Berichte seien äußerst beunruhigend und spiegelten die allgemeine Destabilisierung Nordost-Syriens wider.

Aus dem unmittelbaren Gebiet der türkischen Offensive, die seit Mittwoch läuft, hatten die USA vergangene Woche rund 50 Soldaten abgezogen. Die Entscheidung wurde von Kritikern als grünes Licht für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für den Einsatz gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien gewertet. Trump hatte für die Entscheidung scharfe Kritik auch aus seinen eigenen Reihen kassiert.

Ziel der am Mittwoch begonnenen türkischen Offensive ist die Kurdenmiliz YPG, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Regierung in Ankara sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei und damit eine Terrororganisation. Für die USA waren die von der kurdischen YPG angeführten "Syrian Democratic Forces" (SDF) im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) allerdings ein verlässlicher Verbündeter. Trump wird deshalb nun vorgeworfen, die Kurden verraten zu haben.

hej/dpa/Reuters

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