Telefonat mit Erdogan Merkel fordert "umgehende Beendigung" der türkischen Syrienoffensive

Die Kanzlerin hat den türkischen Präsidenten in einem Telefonat zum sofortigen Stopp der Militäroffensive in Nordsyrien aufgefordert. Die Operation drohe, die Region zu destabilisieren und den IS zu stärken.
Angela Merkel

Angela Merkel

Foto: Jonathan Ernst/REUTERS

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Stopp der Militäroffensive im Nordosten Syriens aufgefordert. Die Kanzlerin habe sich am Sonntag in einem Telefonat mit Erdogan für eine "umgehende Beendigung der Militäroperation" ausgesprochen, teilte eine Regierungssprecherin mit.

Ungeachtet berechtigter türkischer Sicherheitsinteressen drohe diese zur Vertreibung größerer Teile der lokalen Bevölkerung, zur Destabilisierung der Region und zum Wiedererstarken der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu führen. Das Telefonat von Merkel und Erdogan kam laut der Sprecherin auf Wunsch der türkischen Seite zustande.

Erdogan hat sich derweil unbeeindruckt von Sanktionen als Reaktion auf den Vormarsch seiner Truppen in Nordsyrien gezeigt. Wer glaube, die Türkei werde wegen Wirtschaftssanktionen oder Waffenembargos von ihrem Weg abweichen, irre sich, sagte Erdogan am Sonntag. Er habe mit Merkel am Telefon auch über das Thema gesprochen.

Erdogan: "Seid Ihr auf unserer Seite oder auf der Seite der Terrororganisation?"

Erdogan betonte, dass die Türkei ein Nato-Partner sei, die Kurdenmiliz YPG, gegen die sich die türkische Militäroffensive in Nordsyrien richtet, sei dagegen eine "Terrororganisation". An den Westen gerichtete sagte er: "Seid Ihr auf unserer Seite oder auf der Seite der Terrororganisation?"

Ziel der am Mittwoch begonnenen türkischen Offensive ist die Kurdenmiliz YPG, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Regierung in Ankara sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei und damit eine Terrororganisation. Für die USA waren die von der kurdischen YPG angeführten "Syrian Democratic Forces" (SDF) im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) allerdings ein verlässlicher Verbündeter. Trump wird deshalb nun vorgeworfen, die Kurden verraten zu haben.

Bereits mehrere Länder - darunter Deutschland - schränkten ihre Rüstungsexporte an Ankara ein. Am Samstag hatte Außenminister Heiko Maas bereits bekannt gegeben, dass die Bundesregierung als Reaktion auf den türkischen Einmarsch in Nordsyrien die Rüstungsexporte an den Nato-Partner teilweise gestoppt hat. Ungeachtet dessen treibt Ankara seine Offensive weiter voran.

hej/dpa
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