Offensive in Nordsyrien Türkische Truppen kesseln zwei Städte ein

Trotz internationaler Kritik setzt die Türkei ihre Offensive in Syrien fort. Eigenen Angaben zufolge haben die Truppen die Grenzstädte Ras al Ain und Tel Abjad umzingelt. Zehntausende sind auf der Flucht.

Türkische Soldaten
STR/EPA-EFE/REX

Türkische Soldaten


Bei ihrer Offensive in Nordsyrien gewinnt die Türkei offenbar an Boden. Gemeinsam mit verbündeten Einheiten hat das türkische Militär eigenen Angaben zufolge mittlerweile die Grenzstädte Ras al Ain und Tel Abjad eingekesselt. Das erklärte ein Sprecher der Miliz Nationale Armee, die das türkische Militär im Kampf gegen die von der Kurden-Miliz YPG geführten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) unterstützt.

In den beiden Städten, die unter Kontrolle der syrisch-kurdischen SDF stehen, leben überwiegen arabische Syrer. Die Orte sind ein wichtiges Ziel der türkischen Führung, die hofft, dass sich die dortige arabische Bevölkerung von der kurdischen Regionalverwaltung lossagt. Zuvor hätten türkische Bodentruppen und Kämpfer der Nationalen Armee mehrere Dörfer in der Umgebung der Städte unter ihre Kontrolle gebracht, sagte der Sprecher.

Die Türkei hatte am Mittwoch mit ihrer seit Langem angedrohten Offensive in Nordsyrien begonnen. Ziel der Offensive ist die Kurdenmiliz YPG, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei und damit eine Terrororganisation. Sie will entlang der Grenze eine sogenannte Sicherheitszone einrichten und dort auch syrische Flüchtlinge ansiedeln, die derzeit in der Türkei leben.

Mindestens 60.000 Vertriebene in 36 Stunden

In den ersten 36 Stunden seit Beginn der Offensive seien mindestens 60.000 Menschen vertrieben worden, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Deren Angaben zu Flüchtlingen beruhen auf Schätzungen, eine unabhängige Bestätigung gab es für diese Zahl nicht. Auch wurden seit Beginn der Offensive Aktivisten zufolge mindestens 15 Zivilisten getötet.

International löst die Militäroperation massive Kritik aus. Die Bundesregierung und mehrere EU-Staaten forderten einen umgehenden Stopp der Offensive. Befürchtet wird eine neue Eskalation in dem seit über acht Jahren tobenden syrischen Bürgerkrieg und eine weitere Destabilisierung der Region. Auch wächst die Sorge darüber, was mit den inhaftierten Anhängern des "Islamischen Staates" passiert. Derzeit werden Zehntausende IS-Gefangene von SDF-Kämpfer in Lagern festgehalten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat auf die Kritik derweil mit deutlichen Worten reagiert. Den Europäern drohte er mit einer Flüchtlingswelle - sollten sie die Militäroperation als Invasion darstellen. "Wir werden die Türen öffnen und 3,6 Millionen Menschen werden zu euch kommen", sagte Erdogan in Ankara.

asc/Reuters/dpa

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