Steueroasen Chinas Mächtige schafften angeblich Vermögen in die Karibik

Angehörige von Chinas Machtelite haben laut Berichten mehrerer Medien offenbar systematisch immense Geldsummen in karibische Steueroasen verschoben. Das legen Unterlagen der sogenannten Offshore-Leaks nahe. Es geht demnach um bis zu vier Billionen Dollar.
Parteitag der chinesischen PK (2012): Billionen in die Karibik?

Parteitag der chinesischen PK (2012): Billionen in die Karibik?

Foto: Lintao Zhang/ Getty Images

Hamburg - Der Datensatz der Offshore-Leaks bringt neue Enthüllungen zutage: Mehr als ein Dutzend Angehörige von Chinas Top-Politikern und Militärs wickeln angeblich Transaktionen über anonyme Briefkastenfirmen auf den Virgin Islands ab. Das berichteten die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") , der Norddeutsche Rundfunk (NDR)  und der britische "Guardian"  am Dienstagabend. So taucht Deng Jiagui, der Schwager des amtierenden Staatschefs Xi Jinping, als Geschäftsführer und Anteilseigner der Firma Excellence Effort Property Development Limited auf, berichtet der NDR. Neben ihm kommen auch der Sohn, die Tochter und der Schwiegersohn von Ex-Premierminister Wen Jiabao in den Dokumenten vor.

Auf der Liste befinden sich den Berichten zufolge auch die Namen der Tochter des früheren Premiers Li Peng, eines Neffen zweiten Grades von Ex-Staatschef Hu Jintao und die der Schwiegersöhne des einstigen Reformers Deng Xiaoping. Zudem würden Mitglieder des Nationalen Volkskongresses aufgeführt. Auch Führungskräfte staatlicher Unternehmen, die in Korruptionsskandale verwickelt waren, sind laut "SZ" in den Papieren zu finden.

Die Daten würden ebenfalls dokumentieren, dass westliche Banken wie die Schweizer Institute UBS und Credit Suisse sowie die Deutsche Bank in die Errichtung der Strukturen sowie dessen Instandhaltung verwickelt waren, berichtet die "SZ" weiter. So soll der Hongkong-Ableger der Credit Suisse die Firma Trend Gold Consultants auf den British Virgin Islands für Wen Yunsong, den Sohn von Wen Jiabao, gegründet haben, schreibt der "Guardian". Hunderte ähnliche Dienstleistungen seien etwa von UBS und anderen Instituten vorgenommen worden.

Wahre Besitzverhältnisse verschleiern?

Die Deutsche Bank teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, die Kunden würden "ihre Steuerangelegenheiten vollumfänglich regeln und dabei alle Steuergesetze und Meldeverpflichtungen befolgen". Ein Sprecher der UBS betonte laut "SZ", die internen Regularien der Bank gehörten "zu den striktesten der Branche". Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE reagierte die Bank bisher nicht. Credit Suisse hat sich laut "SZ" bisher nicht geäußert und war auch für SPIEGEL ONLINE am Abend nicht zu erreichen.

Insgesamt offenbare der 260 Gigabyte große Datensatz, dass mehr als 21.000 Offshore-Firmen mit Kunden aus China und Hongkong in Verbindung gebracht werden könnten. Schätzungen zufolge seien seit dem Jahr 2000 Gelder und Firmenanteile im Wert von bis zu vier Billionen Dollar aus der Volksrepublik verschoben worden. Auf Anfrage der "SZ" habe sich keine der betroffenen Politikerfamilien geäußert.

Was mit dem Geld passiert, ist unklar. "SZ" und "Guardian" spekulieren, dass die Aktionen die wahren Besitzverhältnisse der chinesischen Elite der restlichen Bevölkerung gegenüber womöglich verschleiert werden sollten. Die Steueroasen könnten den Betroffenen aber auch helfen, Restriktionen zu umgehen. Wie der NDR berichtet, gelten in der Volksrepublik strenge Regeln für den Abfluss von Kapital - größere Investitionen im Ausland müssten demnach genehmigt werden.

vks
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