Alexander Lebedew Oligarch kündigt Rückzug aus Russland an

Der Druck ist zu hoch: Milliardär und Medien-Mogul Alexander Lebedew will seine Geschäfte in Russland beenden. Er ist der einzige Superreiche, der sich öffentlich gegen die russische Machtelite stellt. "Das war's, ich gebe auf, die Geheimdienste haben gewonnen", sagt er jetzt.
Alexander Lebedew: "Ich habe keine andere Wahl. Gegen mich gibt es eine Kampagne"

Alexander Lebedew: "Ich habe keine andere Wahl. Gegen mich gibt es eine Kampagne"

Foto: Dima Korotayev/ Getty Images

Moskau - Das war's. Der russische Milliardär Alexander Lebedew hat angekündigt, sich aus Russland zurückziehen. Er sei Drohungen und Erpressungen des Inlandsgeheimdienstes ausgesetzt, denen er nicht länger standhalten könne, sagte er am Freitag der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Lebedew hatte sich mehrfach kritisch über die Regierung geäußert und Oppositionelle unterstützt. Zuletzt hatte Lebedew für Aufsehen gesorgt, als er sich vor laufenden TV-Kameras prügelte. Unklar ist allerdings, ob hinter der Ankündigung, sich komplett aus Russland zurückzuziehen, wirtschaftliches Kalkül steckt.

Auf die Frage, ob seine Entscheidung endgültig sei, sagte Lebedew dem russischen Internetportal gazeta.ru: "Ich habe keine andere Wahl. Gegen mich gibt es eine Kampagne. Ich sage nicht, dass dahinter der Kreml steckt. Ich meine Geheimdienstoffiziere, die zu mir sagten: 'Wir haben einen Auftrag.' 80 Prozent meiner Top-Manager haben ihren Job bereits gekündigt, weil sie ständig von Agenten eingeschüchtert werden", sagte Lebedew.

In seinem Blog schrieb er, der Geheimdienst FSB habe "in den vergangenen drei Jahren präzise und bewusst meine Geschäfte zerstört". Er kapituliere vor dem Druck und der Hetze, die gegen ihn, "die Angestellten unserer Firmen und gegen meine Familie" ausgeübt würden. Bereits vor einigen Tagen hatte er in seinem Blog angekündigt, seine Geschäftsaktivitäten auf null zurückzufahren.

In den Filialen von Lebedews Bank hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt Razzien gegeben. Zu gazeta.ru sagte Lebedew, Offiziere des Sicherheitsdienstes hätten ihm persönlich gesagt, dass die Angriffe auf seine Person angeordnet worden seien.

"Forbes" schätzt Lebedews Vermögen auf 1,1 Milliarden Dollar

Dem Radiosender Moskauer Echo sagte Lebedew, dass der Druck auf ihn seit der Rückkehr Wladimir Putins ins Präsidentenamt zugenommen habe. "Sie werfen mir vor, der Chefsponsor der Opposition zu sein, das ist lächerlich", sagte Lebedew, dessen Vermögen das Magazin "Forbes" auf 1,1 Milliarden Dollar schätzt.

Lebedew kann nach eigenen Angaben seine Unternehmen in Russland nicht verkaufen, sondern muss sie abwickeln. Der Verkauf eines Geschäfts im Wert von mehr als einer Million Dollar sei in Russland ohne das Wohlwollen der Geheimdienste nicht möglich, sagte der Oligarch.

Der ehemalige KGB-Offizier betreibt in Russland unter anderem eine Bank und ist zusammen mit dem ehemaligen Präsidenten Michail Gorbatschow Teilhaber der oppositionellen Zeitung "Nowaja gaseta". Lebedew, der fließend Englisch spricht und stets etwas lässig gekleidet ist, gehören zudem die englischen Zeitungen "The Independent" und "Evening Standard".

In den vergangenen Monaten hatte Lebedew unter anderem den bekannten Blogger und Korruptionskritiker Alexej Nawalny unterstützt, der im Winter zu den Anführern der Proteste gegen den damaligen Ministerpräsidenten Putin zählte. Seit der Putin-Gegner Michail Chodorkowski in einem ebenso umstrittenen Prozess für viele Jahre in ein sibirisches Gefängnis verbannt worden war, suchten die meisten russischen Unternehmer die Nähe zu Putin oder wandten sich von ihm ab.

lei/AFP
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