Russland Olympia-Kritiker Witischko in Hungerstreik getreten

Drei Jahre Haft für einen Plakatprotest am Zaun: Das Berufungsverfahren des russischen Umweltaktivisten Jewgenij Witischko ist gescheitert. Internationale Kritiker prangern das Verfahren als "unverhältnismäßig" an. Der Verurteilte ist in den Hungerstreik getreten.

Umweltaktivist Jewgenij Witischko: Seit einer Woche im Hungerstreik
DPA

Umweltaktivist Jewgenij Witischko: Seit einer Woche im Hungerstreik


Moskau/Sotschi - Der inhaftierte Umweltaktivist Jewgenij Witischko ist in den Hungerstreik getreten. Seit vergangenen Mittwoch verweigere der 40-jährige Geologe als Zeichen des Protests gegen seine Verurteilung die Nahrungsaufnahme, bestätigten mehrere russische Menschenrechtsorganisationen am Montag. "Jewgenij hat uns gesagt, dass er sich seit dem 12. Februar in Hungerstreik befinde", teilte auch die liberale Oppositionspartei Jabloko mit.

Jabloko-Parteichef Sergej Mitrochin kündigte einen Protestbrief an den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, an. "Wie kann er es dulden, dass in der Region der Olympischen Winterspiele ein politischer Prozess im Geiste der dreißiger Jahre stattfindet?", sagte Mitrochin einer Mitteilung zufolge.

Auch internationale Politiker prangerten den Prozess und das Berufungsverfahren Witischkos als politisch motiviert an. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte die Verurteilung Witischkos als "ziemlich unverhältnismäßig" bezeichnet.

Witischko war in der vergangenen Woche von einem Gericht in zweiter Instanz zu drei Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt worden. 2012 soll Witischko, der gegen Umweltsünden und Korruption im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen im Sotschi kämpft, Widerstand gegen den Bau von Stadien und Straßen geleistet haben. Angeblich hatte er einen Zaun demoliert, den der Gouverneur des Gebiets um sein - mitten in einem Naturschutzgebiet liegendes - Anwesen gezogen hatte. Witischko soll außerdem gegen seine Bewährungsstrafe verstoßen haben, nachdem er bereits Anfang Februar eine 15-tägige Haftstrafe wegen Pöbelei in der Öffentlichkeit erhalten hatte.

cth/dpa/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
lwresi 17.02.2014
1. Interne russische Angelegenheit
Dies ist eine interne russische Angelegenheit.
n01 17.02.2014
2.
Zitat von sysopDPADrei Jahre Haft für einen Plakatprotest am Zaun: Das Berufsverfahren des russischen Umweltaktivisten Jewgenij Witischko ist gescheitert. Internationale Kritiker prangern das Verfahren als "unverhältnismäßig" an. Der Verurteilte ist in den Hungerstreik getreten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/olympia-kritiker-witischko-ist-in-den-hungerstreik-getreten-a-953980.html
3Jahre Lagerhaft finde ich schon etwas heftig. Aber womöglich wird er nach den Spielen unauffällig wieder freigelassen.
solaris111 17.02.2014
3. Vorstrafen
Wenn ich hier in Deutschland schon vorbestraft bin und dann wieder was anstelle,muss ich auch hier mit ner Gefängnisstrafe rechnen.Ausserdem ist das eine innere russische Angelegenheit der russischen Justiz,die wir respektieren sollten
lerchenvogel 17.02.2014
4. 3 Jahre sind lang
20 sind länger http://www.spiegel.de/panorama/justiz/usa-ordensschwester-megan-rice-bricht-in-atomlager-y-12-ein-a-898960.html
südling 17.02.2014
5. Und wieder.....
Zitat von sysopDPADrei Jahre Haft für einen Plakatprotest am Zaun: Das Berufsverfahren des russischen Umweltaktivisten Jewgenij Witischko ist gescheitert. Internationale Kritiker prangern das Verfahren als "unverhältnismäßig" an. Der Verurteilte ist in den Hungerstreik getreten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/olympia-kritiker-witischko-ist-in-den-hungerstreik-getreten-a-953980.html
....die ewigen Beschwichtiger unterwegs. Es ist richtig so, daß trotz dieses ganzen Alles-ist-gut-Olympiatrubels, solche Fälle nicht untergehen. Rein russische Angelegenheit? Nein, wenn der Rechtsstaat gebeugt wird und das Urteil politisch motiviert ist, ist es das nicht. In Deutschland ist es auch nicht anders? Doch, ist es. Ein ums andere mal zeigt sich in Rußland die hässliche Fratze der Autokratie. Das könne auch diese völlig überzogenen und vor Selbstbeweihräucherung triefenden "Spiele" nicht übertünchen. Gut so, daß sich die Öffentlichkeit nicht, wie schon einmal geschehen, von 14-Tagen Trallalla nicht gänzlich blenden lässt.
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