Russlands Anti-Homosexuellen-Gesetz Breite Front gegen Olympia-Boykott

Außenminister Westerwelle lehnt einen Boykott der Olympischen Winterspiele in Sotschi ab. Damit widersprach er Forderungen aus der Opposition. Auch andere Staaten wollen trotz der neuen russischen Gesetze gegen Homosexuelle an den Wettkämpfen teilnehmen.
Aktivisten in London: Viele Regierungen lehnen einen Boykott ab

Aktivisten in London: Viele Regierungen lehnen einen Boykott ab

Foto: AP/dpa

Berlin/Moskau - David Cameron hat sich schon geäußert, Barack Obama auch. Am Sonntag meldete sich nun auch ein Mitglied der deutschen Bundesregierung zu Wort: Außenminister Guido Westerwelle sprach sich gegen einen Boykott der Olympischen Winterspiele in Sotschi wegen des russischen Anti-Homosexuellen-Gesetzes aus. "Ich halte die Diskussion über Olympia-Boykotte für falsch", erklärte der Liberale während einer Nahost-Reise. "Das schadet dem berechtigten Anliegen des Minderheitenschutzes mehr, als es ihm nutzt."

Die Behandlung von Homosexuellen in Russland bezeichnete Westerwelle als nicht akzeptabel. "Der russische Staat muss den Schutz von Homosexuellen sicherstellen."

Die Duma hatte im Juni ein Gesetz zum Verbot der "Werbung für nicht traditionelle sexuelle Beziehungen" verabschiedet. Kritikern zufolge sind damit alle Demonstrationen Homosexueller verboten. Auch Sympathiebekundungen könnten verfolgt werden. Dies hat weltweit Proteste und eine Diskussion über einen Boykott der Olympischen Spiele ausgelöst.

Am Freitag hatte IOC-Präsident Jacques Rogge von Russland eine Erklärung verlangt, wie das Gesetz während der vom 7. bis zum 23. Februar 2014 angesetzten Spiele umgesetzt werden soll. Er wies darauf hin, dass die Olympische Charta eine Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung untersagt.

"Wie Hitler es mit den Juden gemacht hat"

Am Samstag demonstrierten mehrere hundert Menschen in London nahe dem Amtssitz des britischen Premierministers Cameron und forderten die Regierung auf, Druck auf Russland wegen des Gesetzes auszuüben. Zu den Boykott-Befürwortern gehört auch der britische Schauspieler und Aktivist Stephen Fry, der sich in einem Brief an Cameron und das IOC gewandt hatte. Darin heißt es, Russlands Präsident Wladimir Putin habe "aus Schwulen Sündenböcke gemacht - wie Hitler es mit den Juden gemacht hat". Cameron twitterte Samstag, Großbritannien werde die Spiele nicht boykottieren.

Auch US-Präsident Obama hat sich gegen einen Boykott der Spiele ausgesprochen. Die beste Art von Protest wäre es, wenn homosexuelle Athleten gewännen, sagte er am Freitag. "Ich freue mich unter anderem darauf, dass einige schwule und lesbische Sportler vielleicht Gold, Silber oder Bronze nach Hause bringen", erklärte er. "Wenn Russland keine schwulen oder lesbischen Sportler hat, wird es seine Mannschaft vermutlich schwächen."

In Deutschland forderte der Grünen-Politiker Volker Beck in der "Welt am Sonntag", wenn die Sicherheit von Schwulen und Lesben nicht gewährleistet sei, "muss man sich einen anderen Austragungsort überlegen". Der SPD-Politiker Johannes Kahrs sagte, das Gesetz verstoße gegen die IOC-Satzung. Auch ein Boykott der Spiele sei eine Überlegung wert, sagte er der Zeitung. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, Ausgrenzung und Boykott seien keine guten Vorzeichen für die Olympischen Spiele in Sotschi.

ler/Reuters/AFP
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