Olympische Spiele in London USA wollen Sportler mit Hunderten FBI-Beamten sichern

Es ist ein Misstrauensvotum gegen die britische Regierung: Die USA wollen eigene Sicherheitskräfte zu den Olympischen Spielen nach London schicken, um ihre Athleten zu schützen. Hunderte FBI-Beamte sollen einfliegen. Die Briten reagieren äußerst verstimmt.

AP/ Olympic Park Legacy Company

London - Die US-Regierung traut der britischen Polizei offenbar nicht zu, die amerikanische Delegation bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 ausreichend zu schützen. Laut "Guardian" will sie nächstes Jahr bis zu tausend eigene Sicherheitskräfte in die britische Hauptstadt schicken, darunter 500 Beamte der Bundespolizei FBI.

Die Diskussionen der britischen Sicherheitsverantwortlichen seien von Nachfragen aus den USA dominiert, berichtet das Blatt. Die besorgten Partner trieben die Briten zur Verzweiflung. "Die Amerikaner sind risikoscheu. Sie wollen bei allem mitreden - Gebäudesicherheit, Anti-Terror-Strategie und VIP-Sicherheit", klagt ein britischer Beamter. "Wir sind keine Partner auf Augenhöhe."

Kein Vertrauen der US-Regierung

Die Londoner Sommerspiele gelten als Top-Terrorziel. 600 Millionen Pfund aus dem Olympia-Budget von 9,3 Milliarden Pfund sind für die Sicherheit bestimmt - dazu kommt eine unbestimmte Summe für Anti-Terror-Maßnahmen. Zwar wurde die Terrorwarnung auf die dritthöchste Stufe gesenkt, doch bereiten sich Polizei und Militär auf alle möglichen Anschlagsszenarien vor.

Die britische Regierung erklärte, die Sicherheitsvorkehrungen liefen nach Plan, es gebe keinen Anlass zur Sorge. Der nationale Sicherheitskoordinator der Olympischen Spiele, Chris Allison von der Metropolitan Police, sagte der BBC, er könne die im "Guardian" genannten Zahlen nicht bestätigen. Man arbeite eng mit den Amerikanern zusammen.

Volles Vertrauen hat die US-Regierung in die britischen Behörden jedoch offenbar nicht - nicht zuletzt wegen der zögerlichen Reaktion der britischen Polizei auf die Londoner Krawalle im August. Zudem hat das Londoner Organisationskomitee der Spiele kürzlich eingeräumt, den Bedarf an Sicherheitskräften unterschätzt zu haben. Die ursprüngliche Planung sah 10.000 private Sicherheitsleute vor. Inzwischen schätzen die Organisatoren den Bedarf auf doppelt so viel. Die privaten Sicherheitsleute sind für die Sicherung der 32 Wettkampfstätten zuständig. Zusätzlich werden 12.000 Polizisten im Einsatz sein.

Alptraum-Szenario Mumbai

Die plötzliche Revision der Planung ist für die private Sicherheitsfirma G4S ein Problem. Da sie nicht in der Lage sei, in so kurzer Zeit so viele ausgebildete Fachkräfte zu finden, habe das Militär angeboten, mit bis zu 5000 Mann einzuspringen, schreibt der "Guardian". Das britische Verteidigungsministerium ist über die zusätzliche Belastung nicht sonderlich glücklich, weil das Budget ohnehin knapp ist.

Doch bereitet sich das Militär schon länger auf den Olympia-Einsatz vor. Die "Sun" berichtete kürzlich, dass auch die Spezialeinheit SAS während der Spiele in Alarmbereitschaft sein werde. Sie werde ein Hauptquartier am Ufer der Themse beziehen und im Notfall mit Schnellbooten zum Einsatzort rasen. "London wird geschützt sein wie nie zuvor", hatte das Blatt eine anonyme Quelle zitiert.

Als eines der möglichen Alptraum-Szenarien gilt in Londoner Sicherheitskreisen ein Angriff im Stil von Mumbai. In der indischen Millionenstadt hatten zehn schwerbewaffnete Männer im November 2008 zur gleichen Zeit mehrere Hotels und Cafés gestürmt und 174 Menschen getötet.

Der Druck aus den USA macht die britischen Organisatoren zusätzlich nervös. "Die USA haben keine Scheu zu sagen, wenn etwas nicht sicher ist", sagte ein britischer Beamter dem "Guardian". "Wenn etwas passiert, und wir sagen, wir hatten nicht genug Leute, ist es aus."

cvo



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Seite 1
Niamey 14.11.2011
1. Hoch lebe der olympische Gedanke,
Zitat von sysopEs ist ein Misstrauensvotum*gegen die britische Regierung: Die USA wollen eigene Sicherheitskräfte zu den Olympischen Spielen*nach London schicken, um ihre Athleten zu schützen. Hunderte FBI-Beamte sollen einfliegen. Die Briten*reagieren äußerst*verstimmt. * http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797617,00.html
aber so hoch, dass keiner mehr dran kommt.....!!! Das ist ein Witz, oder? Die Amis haben 2 Wolkenkratzer verloren und n'en Flieger im Pentagon gehabt. Sie werden den Folgen der laxen Waffengesetze im eigenen Land nicht Herr und ziehen die Mexikaner mit in den Dreck. Ihre Bevölkerung schnupft soviel Kokain, dass die Fische im Hafen von New York permanent high sind...usw. Und gerade die wollen überall mitreden und steuern. Vielleicht sollten sie dann besser zuhause bleiben!
silenced 14.11.2011
2. <->
1992 wurde Jugoslawien aus der Fußballeuropameisterschaft ausgeschlossen, weil sich das Land im Krieg befand. Bei der nächsten Olympiade sollten ALLE Staaten ausgeschlossen werden, die sich in irgendeinem Krieg befinden, und wenn das Gastland selbst in einem Krieg verwickelt ist, dann ist die Olympiade komplett abzusagen, denn der Sinn hinter der Veranstaltung hat etwas zu tun mit Frieden und Völkerverständigung. Damit hat sich das 'Problem' Sicherheit für US-Amerikanische Athleten im Grunde auf alle Ewigkeit erledigt, denn irgendwo führt dieser Staat immer Krieg.
frubi 14.11.2011
3. .
Zitat von sysopEs ist ein Misstrauensvotum*gegen die britische Regierung: Die USA wollen eigene Sicherheitskräfte zu den Olympischen Spielen*nach London schicken, um ihre Athleten zu schützen. Hunderte FBI-Beamte sollen einfliegen. Die Briten*reagieren äußerst*verstimmt. * http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797617,00.html
Die britische Regierung spielt schon seit Jahren den Sancho Pancho für die USA und nun beklagen die sich weil die USA etwas machen, was für die USA selbstverständlich ist.
montaxx 14.11.2011
4. Shocking!
"Wir sind kein Partner auf Augenhöhe",klagt also ein britischer Beamter.Schön,dass er das jetzt auch bemerkt.Sonst lassen sich unsere britischen Freunde doch gern durch das Gerede von der angeblich speziellen amerikanisch-britischen Beziehung einlullen,spielen auch mal gern das Trojanische Pferd der USA in der EU (etwa bei gemeinsamen Interessen der Londoner City und der Wall Street) und lassen auch gern den US-Abhördienst NSA auf ihrem Territorium buchstäblich "schalten" und walten...
Zapallar 14.11.2011
5. .
1972 in München haben die Deutschen Sicherheitskräfte im olypmischen Dorf leider auch versagt ... und in Mogadishu haben wir deutschen auch lieber die GSG9 geschickt statt uns auf die Somalis zu verlassen .... gleiches Recht für alle?
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