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29. April 2012, 11:41 Uhr

Olympische Spiele in London

Militär will Luftabwehrraketen auf Wohnhaus installieren

Die Bewohner erfuhren es aus einem Flugblatt: Das britische Militär plant, eine Batterie mit Luftabwehrraketen auf dem Dach eines Londoner Apartement-Komplexes zu installieren. Sie sollen bei den Olympischen Spielen dem Schutz vor Terror-Anschlägen dienen. Die Mieter sind empört.

London - Raketen auf ihrem Dach, damit hätten die Bewohner eines Apartement-Blocks im Osten Londons wohl nie gerechnet. Nun wird es vielleicht zur Realität, für die Sicherheit der Olympischen Spiele im Sommer 2012. Das britische Militär teilte den Bewohnern des fraglichen Hauses laut Agenturberichten mit, dass ihr Haus zur Abwehr feindlicher Angriffe mit Boden-Luft-Raketen bestückt werden könnte.

Das Wohnhaus sei eines von mehreren Objekten in der englischen Hauptstadt, das vom Militär als Basis für die Verteidigungs-Raketen in Betracht gezogen werde, gab das Verteidigungsministerium bekannt. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. Es wäre das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dass Raketen auf den Dächern Londons installiert werden.

Anwohner des Bow Quarter Wohnkomplexes zeigten sich schockiert von den Plänen ihrer Regierung. "Es gab keine Rücksprache, niemand hat bei uns an die Tür geklopft", sagt Brian Whelan, ein 28-jähriger Journalist. "Man wacht einfach eines Morgens auf und erfährt aus einem Flugblatt, dass Raketen auf dem eigenen Dach installiert werden. Ich kann mir keine Umstände ausmahlen, die es rechtfertigen, Raketen über einer so dicht bevölkerten Gegend abzuschießen."

Laut Angaben des Journalisten soll es zunächst Tests auf dem Dach des Wohnhauses geben. Sollten diese erfolgreich sein, würden die Raketen aufgebaut, zehn Soldaten sollen dann für zwei Monate auf dem Haus stationiert werden. Es ist noch nicht bekannt, ob die Anwohner für die Unannehmlichkeiten eine Entschädigung erhalten, berichtet der "Independent".

In dem Flugblatt des Verteidigungsministers hieß es, dass der frühere Wasserturm des Bow Quarter Wohnkomplexes einen "exzellenten Blick über die Umgebung des Olympia-Parks und den gesamten Himmel" biete. Der Turm sei damit der einzige geeignete Standort in der Gegend für das geplante High Velocity Missile System (HVM-System), ein Luftabwehrraketen-System. Die Raketen sollen aber nur bei "extremer Bedrohung" eingesetzt werden.

Verteidigungsminister Philip Hammond hatte im November erstmals verkündet, Raketen in der Stadt stationieren zu wollen. Großbritannien folge damit dem Beispiel der letzten Olympischen Spiele in Peking 2008, erklärte der Politiker. Die Chinesen hatten Abwehrraketen einen Kilometer südlich der Stadien installiert, in denen die Sportler um die Medaillen kämpften.

Die Raketenbatterie ist eine von vielen außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen, mit denen die Londoner während der riesigen Sport-Veranstaltung rechnen müssen. Während der Olympischen Spiele sollen mehr als 40.000 Sicherheitskräfte die Stadt schützen. Die Vorkehrungen werden voraussichtlich mehr als 1,6 Milliarde Pfund kosten, mehr als 1,9 Milliarde Euro.

irb/afp/Reuters

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