Olympischer Fackellauf China-Gegner planen massive Proteste in San Francisco

Widerstand in London, Chaos in Paris - auch bei der nächsten Station des Fackellaufs mit dem Olympischen Feuer ist mit Ausschreitungen zu rechnen: In San Francisco planen China-Gegner massive Proteste. US-Präsidentschaftsbewerberin Clinton fordert von Präsident Bush, er solle der Olympia-Eröffnungsfeier fernbleiben.


San Francisco - Die Olympische Flamme ist noch gar nicht da, aber Demonstranten haben auch schon für die nächste Station ein Zeichen des Protests gesetzt: Vor der Ankunft der Olympischen Flamme in San Francisco haben drei Demonstranten mit einer spektakulären Aktion gegen Chinas gewaltsames Vorgehen in Tibet protestiert.

Anti-China-Protest in San Francisco: Demonstranten an der Golden Gate Bridge
AP

Anti-China-Protest in San Francisco: Demonstranten an der Golden Gate Bridge

Sie kletterten an der Golden Gate Bridge empor und enthüllten dort ein Transparent mit der Aufschrift "Freies Tibet 08". Einer der drei Demonstranten trug eine tibetische Fahne. Die US-Behörden schienen von der Protestaktion kalt erwischt worden zu sein. Nachdem die Demonstranten von der Brücke heruntergeklettert waren, wurden sie festgenommen.

Im Lokalradio sagte Laurel Sutherland, der angab, einer der Demonstranten gewesen zu sein: "Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt auf die Rechtsverletzungen in Tibet lenken und zeigen, wie China versucht, mit der Fackel die Folter in Tibet zu verschleiern." Er gehört eigenen Angaben zufolge der Organisation "Studenten für ein freies Tibet" an.

Die Polizei in San Francisco kündigte nach den heftigen Protesten in London und Paris ein massives Sicherheitsaufgebot für den Fackellauf an. "Wir haben verfolgt, was in London und Paris passiert ist und passen unsere Pläne dementsprechend an", sagte Polizeisprecher Neville Gittens der Nachrichtenagentur AFP. Es wurde erwartet, dass mehrere hundert Polizisten die Straßen während des Laufs durch die US-Stadt abschirmten.

In San Francisco hatten die Behörden als Zeichen für Verbundenheit mit den Tibetern in der vergangenen Woche eine symbolische Resolution verabschiedet. Darin hieß es, dass sie die Olympische Flamme "mit Beunruhigung und Einspruch" empfingen.

In Paris hatten China-Gegner am Montag den Fackelzug behindert und mehrfach aufgehalten. Er wurde daraufhin abgebrochen.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderte US-Präsident George W. Bush zum Boykott der olympischen Eröffnungszeremonie in Peking auf. "Im Lichte der jüngsten Vorkommnisse glaube ich nicht, dass Präsident Bush die Eröffnungszeremonie besuchen sollte, wenn sich die chinesische Politik nicht klar ändert", sagte Clinton. Die Frage des Umgangs mit Peking werde Bushs Führungskraft auf die Probe stellen. Bush hält bislang an seinem Plan fest, zur Eröffnung der Olympischen Spiele im Sommer nach Peking zu reisen.

China verurteilte die "verachtenswerten Aktivitäten" während des Fackellaufs durch London und Paris. "Separatistische Kräfte" aus Tibet hätten den Zug ohne Rücksicht auf den Olympischen Geist und die Gesetze in Großbritannien und Frankreich gestört, sagte Jiang Yu, Sprecher des chinesischen Außenministeriums nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Olympische Flamme war vor zwei Wochen in Griechenland entzündet worden und reist bis zum Beginn der Sommerspiele in Peking am 8. August durch fünf Kontinente.

hen/dpa/AFP

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