Olympischer Lauf Indien rüstet sich für Fackelproteste

Kritische Etappe beim olympischen Fackellauf: Mit einem massiven Sicherheitsaufgebot rüstet sich Neu-Delhi für heftige Proteste, die Polizei rechnet mit Ausschreitungen und Selbstverbrennungen. Indien ist das Land mit der größten Gemeinde von Exil-Tibetern weltweit.


Neu-Delhi - Der Lauf durch Neu-Delhi zählt zu den heikelsten Etappen des weltweiten Fackellaufes. Noch ist es weitgehend ruhig dort, doch die Sicherheitskräfte sind alarmiert. Das olympische Feuer ist in der indischen Millionenstadt eingetroffen, Proteste sind schon angekündigt.

Indische Paramilitärs in Neu-Delhi: Massives Sicherheitsaufgebot
AFP

Indische Paramilitärs in Neu-Delhi: Massives Sicherheitsaufgebot

15.000 Polizisten sichern die Route des Laufs, um Zwischenfälle wie zuvor in London, Paris und San Francisco zu verhindern. Indische Medien berichteten, die Sicherheitskräfte erwarteten zum Fackellauf möglicherweise drastische Proteste wie Selbstverbrennungen von Tibetern.

Der Präsident der Indischen Olympischen Vereinigung, Suresh Kalmadi, und der chinesische Botschafter in Indien, Zhang Yan, hatten die Fackel in der Nacht in Neu-Delhi in Empfang genommen.

Kurz darauf wurden nach Polizeiangaben rund 50 Tibeter festgenommen, die in der Nähe des Flughafens und des Hotels, wo die Fackel aufbewahrt sein soll, gegen die chinesische Besetzung ihrer Heimat demonstrierten. Auch an einer belebten Straße demonstrierten schon am Vormittag zwei Dutzend Exil-Tibeter. Mehrere von ihnen wurden von Polizisten gewaltsam abgeführt und in Polizeibussen weggefahren.

Indien hat die größte Gemeinde von Exil-Tibetern weltweit: Mehr als 100.000, von denen viele sich seit den Unruhen in ihrer Heimat im März an fast täglichen Demonstrationen gegen China beteiligten. Der Dalai Lama, das Oberhaupt der Tibeter, lebt im nordindischen Dharamsala im Exil.

Proteste werden an diesem Donnerstag vor allem während des Fackellaufs selbst erwartet, der am Mittag deutscher Zeit beginnen soll. Die Behörden haben die ursprünglich neun Kilometer lange Strecke deutlich verkürzt. 70 Fackelträger sollen die olympische Flamme im Regierungsviertel nun über eine Distanz von weniger als drei Kilometern tragen.

Die Polizei rechnet mit rund 3000 Demonstranten, die unter anderem einen alternativen Fackellauf organisieren wollen. Laut dem indischen Fernsehsender NDTV will Neu-Delhi auch auf die ursprünglich als Zuschauer eingeladenen Schulkinder beim Fackellauf verzichten. Damit wird die olympische Flamme praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch die Stadt getragen.

ffr/AP/dpaAFP



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