Olympisches Feuer IOC-Boss Rogge beharrt auf Fackellauf - San Francisco rüstet sich gegen Randale

Das Olympische Feuer erreicht die USA: San Francisco hat sich mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften auf den Fackellauf vorbereitet. Einer der Läufer sagte seine Teilnahme bereits aus Sicherheitsgründen ab. IOC-Präsident Rogge schloss aus, den Fackellauf abzusetzen.


Peking - IOC-Präsident Jacques Rogge hat dementiert, das Internationale Olympische Komitee erwäge einen Verzicht auf die außerhalb Chinas geplanten Etappen der Olympischen Flamme. Entsprechende Meldungen beruhten auf einem Missverständnis, sagte Rogge dem "Wall Street Journal". "Es gibt keine Diskussion darüber, irgendwelche Etappen abzusagen." Der IOC-Exekutivrat werde sich bei seiner Sitzung am Freitag lediglich routinemäßig mit dem bisherigen Ablauf der Veranstaltung beschäftigen.

San Francisco: Protest gegen Chinas Tibet-Politik
AFP

San Francisco: Protest gegen Chinas Tibet-Politik

Nach den Tumulten bei dem Fackellauf in London und Paris haben Tibet-Aktivisten angekündigt, auch die heute geplante Etappe durch San Francisco für Protestaktionen zu nutzen. Rogge zeigte sich betrübt über die Störungen. "Ich bin traurig, dass ein so schönes Symbol wie die Fackel, die Menschen verschiedener Religionen, verschiedener ethnischer Hintergründe, verschiedener politischer Systeme, Kulturen und Sprachen vereint, angegriffen wird", sagte er dem Blatt. Zudem täten ihm die Menschen leid, die zum Tragen der Olympischen Flamme ausgesucht worden seien und denen nun "dieser fantastische Augenblick ihres Lebens" verdorben werde. Das IOC respektiere das Recht auf Protest, doch dieser müsse gewaltlos sein.

Gegenüber der chinesischen Regierung und den Organisatoren der Olympischen Spiele in Peking im Sommer habe das Komitee "sehr deutlich gemacht, dass Gewalt nicht mit dem olympischen Ideal zusammenpasst", sagte Rogge zur Situation in Tibet. Allerdings verfüge das IOC nicht über eine Armee oder eine Polizei, um seine Überzeugungen durchzusetzen. "Wir können nur mit Werten kämpfen", sagte er.

Gestern hatten bereits mehrere hundert Menschen in der kalifornischen Metropole friedlich gegen die chinesische Tibet-Politik demonstriert. Die Protestierer marschierten durch die Straßen zum chinesischen Konsulat, viele trugen tibetische Flaggen. Tags zuvor hatten drei Aktivisten mit einer spektakulären Aktion gegen die Pekinger Tibet-Politik protestiert: Sie kletterten auf die Golden Gate Bridge und hängten dort die tibetische Fahne auf sowie zwei Transparente auf mit der Aufschrift "Freies Tibet 08" und "Eine Welt - Ein Traum. Freies Tibet".

Die geplante 6,9 Kilometer lange Route des Fackellaufs werde möglicherweise noch geändert, erklärte der Bürgermeister von San Francisco, Gavin Newsom. Die Entscheidung liege bei der Polizei. In Paris und London war es bei dem Fackellauf zu massiven Protesten gekommen. Nach San Francisco soll die Olympische Fackel noch nach Buenos Aires in Argentinien und dann in ein Dutzend weiterer Länder reisen, bevor sie am 4. Mai nach China kommt.

Argentinien mobilisiert 4200 Polizisten und Helfer

Angesichts der massiven Proteste gegen Chinas Tibet-Politik in aller Welt haben die Behörden in Buenos Aires für den olympischen Fackellauf durch die argentinische Hauptstadt am Freitag starke Sicherheitskräfte mobilisiert. Mindestens 1200 Polizisten sollen zusammen mit 3000 zivilen Helfern dafür sorgen, dass die etwa 80 Läufer mit dem olympischen Feuer, darunter voraussichtlich auch der frühere Fußballstar Diego Maradona, die insgesamt 13 Kilometer lange Strecke durch die lateinamerikanische Millionenmetropole ohne Störungen überstehen. "Wir gehen davon aus, dass die Fackel kommt", sagte Bürgermeister Mauricio Macri angesichts der inzwischen dementierten Gerüchten, der Lauf könne abgebrochen werden.

Buenos Aires ist die siebte von weltweit 21 geplanten Stationen des Fackellaufes. Nie zuvor war das Olympische Feuer am Rio de la Plata, und die Hauptstadt des Tango ist zugleich der einzige Ort in der spanischsprachigen Welt, durch die der Fackellauf gehen soll. "Es wird alles gut organisiert, und wir sind überzeugt, dass dies ein Grund der Freude und des Stolzes sein wird", sagte Macri. Zugleich rief er dazu auf, Sport und Politik nicht zu vermischen. "Wir sind für die Menschenrechte hier, in China und in Paris, aber ein Akt des Friedens darf nicht mit einem politischen Vorgang verwechselt werden", sagte der konservative Politiker.

Jedoch wurde schon Macris Pressekonferenz von einem Mann, der sich als Vertreter einer Organisation Freies Tibet bezeichnete, unterbrochen. Jorge Aníbal Carcavallo kündigte an, die Fackel solle in Buenos Aires zwar nicht wie in Paris gelöscht werden, aber es werde "überraschende Aktionen" geben. Dabei gehe es darum, sich für eine "Kultur des Friedens und für die Befreiung Tibets" einzusetzen, sagte Carcavallo weiter.

953 Menschen in Lhasa festgenommen

Die chinesische Polizei hat offiziellen Angaben zufolge wegen der blutigen Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa seit Mitte vergangenen Monats 953 Menschen festgenommen.

Insgesamt wurden 93 Menschen als Hauptverdächtige gesucht, 13 von ihnen seien bereits verhaftet worden, zitierte am Mittwoch die Nachrichtenagentur Xinhua den Gouverneur Tibets, Qiangba Puncog.

Gegen 403 Beteiligte sei offiziell Haftbefehl erlassen worden. 362 Menschen hätten sich freiwillig gestellt, der Großteil sei wegen minderer Vergehen und Kooperation mit den Behörden aber bereits wieder auf freiem Fuß. Die Lage in Lhasa habe sich inzwischen normalisiert, sagte der Gouverneur.

Nach offiziellen Angaben starben bei den Unruhen am 14. März in der tibetischen Hauptstadt Lhasa 19 Menschen. Die tibetische Exilregierung spricht von etwa 140 Toten. Von Lhasa hatten sich die schweren Proteste auf andere von Tibetern bewohnte Gebiete im Westen Chinas ausgebreitet.

asc/AP/Reuters/dpa

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