Millionenentschädigung Kanada entschuldigt sich bei Guantanamo-Häftling

Omar Khadr ist 15 Jahre alt, als er in Afghanistan von US-Soldaten festgenommen wird. Er verbringt zehn Jahre im Gefangenenlager Guantanamo. Nun entschuldigt sich Kanada offiziell bei ihm und zahlt eine Millionenentschädigung.

Omar Khadr in Mississauga, Kanada
AP

Omar Khadr in Mississauga, Kanada


Der ehemalige Guantanamo-Häftling Omar Khadr hat von Kanada eine offizielle Entschuldigung und eine finanzielle Entschädigung in Millionenhöhe bekommen. Khadrs Anwälte hatten offenbar bereits vor Wochen eine entsprechende Einigung erzielt, wie erst jetzt bekannt wurde.

Ein Vertreter der Regierung sagte, die vereinbarte Summe belaufe sich auf 10,5 Millionen Kanadische Dollar (etwa 7,1 Millionen Euro). Seine Anwälte hatten 20 Millionen Kanadische Dollar gefordert. Offiziell bestätigt ist die Summe jedoch nicht. Der Vertreter der Regierung wollte anonym bleiben. Ein anderer Amtsträger der Regierung sagte, Khadr habe das Geld bereits erhalten.

Der Oberste Gerichtshof in Kanada hatte bereits 2010 entschieden, dass Khadr von der kanadischen Regierung entschädigt werden müsse. Der Vorwurf: Kanadische Geheimdienstler hatten sich an den Verhören in Guantanamo beteiligt und die Informationen an US-Behörden weitergegeben und so zu einer Verlängerung der Haft beigetragen.

Kindersoldat oder Terrorist

Auch das Kinderhilfswerk Unicef und der Uno-Ausschuss für Menschenrechte hatten die Behandlung von Khadr scharf kritisiert und ihn als Kindersoldaten bezeichnet.

Bereits Anfang der Woche hatte es Gerüchte gegeben, dass Khadr entschädigt werden soll. Die Entscheidung hatte bei einigen Kanadiern für Empörung gesorgt. Sie halten Khadr für einen Terroristen.

Khadr wurde in Toronto geboren und hat die kanadische Staatsbürgerschaft. Er lebte jedoch die meiste Zeit in Pakistan und in Afghanistan. Dort soll er nach Angaben seiner Anwälte von seinem Vater in den Konflikt in Afghanistan getrieben worden sein, der ein ranghohes Qaida-Mitglied gewesen sei.

2002 wurde Khadr festgenommen, weil er einen US-Soldaten mit einer Handgranate getötet haben soll. Khadr war damals 15 Jahre alt. Er selbst erlitt schwere Verletzungen, verlor sein linkes Augenlicht und wurde von zwei Kugeln in den Rücken getroffen.

Das umstrittene Geständnis

Von einem Militärgefängnis in Afghanistan wurde er ins Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba gebracht. Dort saß er zehn Jahre in Gefangenschaft und wurde gefoltert. Er war der jüngste Häftling dort.

2010 wurde er von einem Militärgericht in Guantanamo unter anderem wegen Mordes, Verschwörung und Spionage verurteilt. Khadr hatte sich in allen Anklagepunkten schuldig bekannt und unter anderem zugegeben, den US-Soldaten 2002 getötet zu haben.

Das Schuldbekenntnis war Teil einer strafmildernden Vereinbarung mit den US-Behörden. Nach dem Urteilsspruch musste er noch ein Jahr Haft in Guantanamo verbüßen, den Rest der Strafe sollte er in Kanada absitzen. Im Mai 2015 wurde er in Kanada unter Bewährungsauflagen aus der Haft entlassen. Zuvor hatte er Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt, da sein Geständnis unter Zwang erfolgt sei.

koe/Reuters/AFP



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