Menschenrechtsaktivist Israel weist Regionalchef von Human Rights Watch aus

Israels Regierung wirft Omar Shakir vor, einen Boykott des Landes zu unterstützen. Der Regionalchef der NGO Human Rights Watch stritt das ab, unterlag aber vor Gericht. Nun wird die Abschiebung vollzogen.

Omar Shakir kurz vor seiner Ausreise am Ben-Gurion-Flughafen: HRW "mundtot" machen
Jack Guez / AFP

Omar Shakir kurz vor seiner Ausreise am Ben-Gurion-Flughafen: HRW "mundtot" machen


Omar Shakir, Regionalchef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), verlässt Israel. Shakir werde am Abend ausreisen, teilte die NGO auf ihrer Website mit. "Die Ausweisung ist ein Zeichen der zunehmenden Angriffe der Behörden auf Menschenrechte", hieß es in der Stellungnahme.

Israels Höchstes Gericht hatte zu Monatsbeginn die Entscheidung des Innenministers Arje Deri bestätigt. Dieser begründete die Ausweisung damit, dass Shakir einen Boykott Israels unterstütze - was Shakir aber bestritt. Die Europäische Union hatte Israel aufgerufen, die Entscheidung zurückzunehmen.

Shakir, ein amerikanischer Staatsbürger mit irakischen Wurzeln, ist bei Human Rights Watch für Israel und die Palästinensergebiete zuständig. (Mehr zu dem Fall lesen Sie hier.) Mit seiner Ausweisung reagiere die israelische Regierung auf seine Bemühungen, für die Menschenrechte einzustehen, sagte Shakir kurz vor seiner Ausreise am Ben-Gurion-Flughafen. Zudem warf er der Regierung vor, mit der Maßnahme die Menschenrechtsorganisation "mundtot" machen zu wollen.

HRW-Chef kritisiert Entscheidung scharf

"Der Einsatz von Human Rights Watch gegen Menschenrechtsverstöße durch Israel, die Palästinenserbehörde und Hamas wird unter Leitung Shakirs fortgesetzt werden", teilte HRW mit. Shakir werde in der Region von einem anderen Büro der Organisation aus arbeiten.

HRW-Chef Kenneth Roth sagte: "Israel schließt sich heute Ländern wie Venezuela, Iran und Ägypten an, indem es HRW-Mitarbeiter blockiert." Israel werde aber Menschenrechtsverstöße nicht verbergen können. Er forderte internationalen Druck, um "die systematische Unterdrückung von Palästinensern unter der Besatzung" zu beenden.

Israel hat 2018 festgelegt, Aktivisten bestimmter Organisationen, die zu einem Israel-Boykott aufrufen, die Einreise zu verweigern.

asa/dpa



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