Syriens Giftgasarsenal OPCW hält sämtliche Chemiewaffen unter Verschluss

Alte Chemiewaffen können nicht mehr eingesetzt, neue nicht mehr hergestellt werden: Das gesamte C-Waffen-Arsenal des syrischen Regimes ist unter Verschluss - "mit Siegeln, die nicht gebrochen werden können", berichten die OPCW-Inspekteure.

OPCW-Inspekteur in Syrien (Archiv): Alle Chemikalienlager und alle Chemiewaffen sind versiegelt
DPA/ Syrian TV

OPCW-Inspekteur in Syrien (Archiv): Alle Chemikalienlager und alle Chemiewaffen sind versiegelt


Damaskus - Das gesamte syrische Chemiewaffenarsenal ist nunmehr unter Verschluss. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) gab am Donnerstag in Den Haag bekannt, dass die rund tausend Tonnen chemischer Waffen und Kampfstoffe sicher versiegelt seien.

"Alle Chemikalienlager und alle Chemiewaffen sind versiegelt, mit Siegeln, die nicht gebrochen werden können", sagte OPCW-Sprecher Christian Chartier. Zuvor hatte es von Seiten der OPCW bereits geheißen, die Produktionsstätten für die Waffen seien funktionsuntüchtig gemacht worden. Demnach ist die gesamte Ausrüstung zum Mischen und Befüllen chemischer Waffen nicht mehr nutzbar.

Rechtzeitig vor dem Ablauf der Frist des Uno-Sicherheitsrats am Samstag seien auch die letzten Anlagen unbrauchbar gemacht worden, sagte ein OPCW-Vertreter am Vormittag. Der Uno-Sicherheitsrat hatte im September die Zerstörung aller syrischen Chemiewaffen angeordnet; Syrien hatte sich bereit erklärt, dem Folge zu leisten.

Chance auf Friedenskonferenz sinkt

Trotz des Vertrauenbeweises, den Syrien damit der internationalen Gemeinschaft geliefert hat, sinken die Aussichten auf das Zustandekommen einer Syrien-Friedenskonferenz in Genf Ende November. Auch nach dem jüngsten Treffen des Uno-Vermittlers Lakhdar Brahimi mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad seien die Voraussetzungen für die Konferenz nicht gegeben, verlautete am Donnerstag aus diplomatischen Kreisen in Beirut.

Der Exekutivrat der OPCW soll am 5. November über das weitere Vorgehen bezüglich der Chemiewaffen beraten. Grundlage sei der umfassende "Zerstörungsplan", der von der Regierung in Damaskus am 24. Oktober vorgelegt worden sei, erklärte die Organisation.

Nach Informationen der OPCW hatte Syrien an 23 über das Land verteilten Standorten insgesamt 41 Produktionsstätten für C-Waffen errichtet. Das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) geht davon aus, dass das Regime von Präsident Assad bisher die Kapazität hatte, jährlich mehrere hundert Tonnen der Kampfstoffe zu produzieren.

300 Tonnen Senfgas, 700 Tonnen Sarin

Laut OPCW verfügt Syrien über etwa 300 Tonnen Senfgas und rund 700 Tonnen der chemischen Kampfstoffe Sarin beziehungsweise VX. Bereits geringe Mengen des hochgefährliche Nervengifts VX töten Menschen innerhalb kurzer Zeit.

Syrien hatte sich erst am 14. Oktober der OPCW angeschlossen. Das Bürgerkriegsland ist das 190. Mitglied der Organisation. Das Team von Chemiewaffeninspektoren ist seit 1. Oktober in Syrien im Einsatz - 60 Mitarbeiter der OPCW und der Uno sind vor Ort. Die OPCW hat für ihre jahrelange Arbeit im Kampf gegen Chemiewaffen den Friedensnobelpreis erhalten.

sun/AFP

insgesamt 2 Beiträge
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druck_im_topf 31.10.2013
1. asymetrische Politik
Kleines "Cleverle" Assad macht es genau richtig. Selbst Iran scheint sich zu überlegen, daß man mit Massenvernichtungswaffen keinerlei Punkte mehr auf der Weltbühne sammeln kann. Aber man kann mit dem Verzicht sogar eine Weltmacht auf der politischen Bühne neutralisieren.
ein anderer 31.10.2013
2. ...
Zitat von druck_im_topfKleines "Cleverle" Assad macht es genau richtig. Selbst Iran scheint sich zu überlegen, daß man mit Massenvernichtungswaffen keinerlei Punkte mehr auf der Weltbühne sammeln kann. Aber man kann mit dem Verzicht sogar eine Weltmacht auf der politischen Bühne neutralisieren.
Massenvernichtungswaffen machen nur dann Sinn wenn man den Gegner auch erreichen kann. Das war doch Assads Dillemma als die USA angreifen wollten. Assad hatte keine Zweitschlagkapazität welche auch den Angreifer erreichen konnte. Er hätte sich eben frühzeitig um U-Boote bemühen müssen wie sein Nachbarland. Nur so kann man westliche Mächte noch in Schach halten. Interkontinentalraketen sind ob der Raketenabwehr auch nur noch bedingt nützlich.
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