"Open Arms" Lage auf spanischem Schiff laut Rettungsorganisation "außer Kontrolle"

Seit Tagen liegt das Rettungsschiff "Open Arms" vor Italiens Küste. Verzweifelte Migranten sind bereits ins Wasser gesprungen - wohl um nach Lampedusa zu schwimmen. Nun ist ein spanisches Marineschiff unterwegs.

Guglielmo Mangiapane/REUTERS

Die Situation auf dem Schiff der Rettungsorganisation "Proactiva Open Arms" vor der italienischen Küste spitzt sich offenbar immer weiter zu. Inzwischen sind laut der Organisation neun Menschen ins Meer gesprungen, offenbar wollten sie zur italienischen Insel Lampedusa schwimmen. Die Besatzung und die italienische Küstenwache versuchten, sie in Sicherheit zu bringen.

Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, einige Migranten seien von der Küstenwache bei starkem Wellengang gerettet worden. An Land seien sie von Ärzten betreut worden.

Der Rest der Migranten an Bord der "Open Arms" soll nun von einem spanischen Marineschiff aufgenommen und nach Spanien gebracht werden. Das teilte die sozialistische Regierung in Madrid mit. "Die 'Audaz' wird heute um 17.00 Uhr ablegen und dann drei Tage nach Lampedusa fahren", erklärte die Regierung in Madrid. Danach sollten die Flüchtlinge nach Palma de Mallorca gebracht werden.

Salvini will Migranten nicht ins Land lassen

Zuvor hatte die Regierung in Madrid dem Schiff den nächstgelegenen spanischen Hafen angeboten - auf den Inseln Menorca oder Mallorca. Die NGO sah sich aber nicht in der Lage, bei der prekären Lage an Bord noch tagelang quer über das Mittelmeer zu fahren. Italien hatte angeboten, die Migranten mit einem Schiff ihrer Küstenwache nach Spanien zu fahren. Aus Sicht der NGO sei das weitaus teurer, als die Menschen per Flugzeug von Italien nach Spanien zu bringen.

Schon bevor klar war, wie die Lösung Spaniens aussehen wird, teilte Salvini mit: "Spanische NGO, spanisches Schiff, spanischer Hafen: richtig so. Die italienische Kohärenz und die Standhaftigkeit zahlen sich aus, wir sind nicht länger das Flüchtlingslager Europas."

Zuvor hatte die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles den italienischen Innenminister Matteo Salvini dafür kritisiert, die Menschen auf der "Open Arms" nicht an Land lassen. "Das, was Salvini im Zusammenhang mit 'Open Arms' macht, ist eine Schande für die gesamte Menschheit", sagte Robles.

Später ergänzte sie: Angesichts der humanitären Notlage an Bord dürfe niemand wegschauen. Salvini kümmere sich nicht um Menschenleben, sondern nur um seinen Wahlkampf.

höh/aev/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.