Operation "Iraqi Freedom" Ruhe vor dem nächsten Sturm

Am Abend überschlugen sich die Ereignisse im Irak: Mit der zweiten Angriffswelle waren amerikanisch-britische Truppen in den Irak eingedrungen. Die Hafenstadt Umm Kasr soll eingenommen worden sein. In Bagdad stehen mehrere Gebäude in Flammen. Angeblich wurde ein US-Kampfhubschrauber abgeschossen. Inzwischen gaben Sirenen in Bagdad vorläufig Entwarnung. US-Generalstabschef Richard Myers sagte, der Krieg werde möglicherweise nicht schnell vorüber sein.


Raketeneinschlag im Planungsministerium in Bagdad
DPA

Raketeneinschlag im Planungsministerium in Bagdad

Kuweit - Bei der Offensive amerikanischer und britischer Truppen waren die Angreifer auf irakisches Gegenfeuer gestoßen. Ein Mitglied des US-Militärs bestätigte, dass eine Einheit von irakischen Mörsern beschossen wurde. Informationen über Opfer lagen nicht vor. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, ein US-Kampfhubschrauber sei abgeschossen worden. Ein irakischer Armeesprecher hatte im irakischen Fernsehen gesagt, dass der Hubschrauber vom Typ Sikorsky beim Eindringen in den irakischen Luftraum beschossen worden sei. Eine unabhängige Bestätigung für die irakischen Angaben gab es nicht.

Inmitten der verstärkten militärischen Angriffe am Abend kam die Warnung von US-Generalstabschef Richard Myers, der Krieg werde möglicherweise nicht schnell vorüber sein. Es werde Tote und Verwundete geben. "Wir betrachten Kampf nicht als leichte Aufgabe", sagte der General. "Krieg ist gefährlich. Wir werden Verluste haben."

CNN-Fernsehbilder, die Erinnerungen wecken an den ersten Golfkrieg: Irakische Luftabwehrgeschütze lassen den Himmel über Bagdad am Donnestagabend grün aufleuchten.
CNN

CNN-Fernsehbilder, die Erinnerungen wecken an den ersten Golfkrieg: Irakische Luftabwehrgeschütze lassen den Himmel über Bagdad am Donnestagabend grün aufleuchten.

Mit Marschflugkörpern wurden angeblich auch Stützpunkte der Republikanischen Garde, Saddams Eliteeinheit, angegriffen. Nach irakischen Angaben wurden auch nicht-militärische Ziele wie Medien- und Bürogebäude angegriffen. Dabei sollen bei Doura, südöstlich von Bagdad, mehrere Zivilisten verletzt worden sein. Eine Person erlag ihren Verletzungen. Laut Radio Irak soll ein Anwesen Saddam Husseins getroffen worden sein. Dabei habe es keine Opfer gegeben.

Nach Angaben einer kuweitischen Nachrichtenagentur wurde der irakische direkt an der kuweitischen Grenze liegende Ölumschlagshafen Umm Kasr, 50 Kilometer südlich von Basra, von den amerikanisch-britischen Truppen eingenommen.

Irakischen Angaben zufolge wurde ein feindlicher Angriff an der jordanischen Grenze am Abend zurückgeschlagen. In einer Stellungnahme der irakischen Armee hieß es, dass Raketen auf Kuweit abgeschossen worden seien. Gegen den Irak seien insgesamt 72 Cruise Missiles abgefeuert worden. Viele davon seien von irakischer Flugabwehr abgeschossen worden, hieß es, ohne dass eine genaue Zahl angegeben wurde. Im Staatsfernsehen wurde eine Erklärung verlesen: "Vier unserer Kämpfer sind heute den Märtyrertod gestorben." Fünf irakische Soldaten sollen verletzt worden sein.

Angriffe von Flugzeugträgern aus

Am Abend hatten sich etwa 10.000 gepanzerte US-Militärfahrzeuge auf den Süd-Irak zubewegt. US-Eliteeinheiten überquerten die Grenze in der Nähe von Basra. Laut BBC wurden zahlreiche Raketen abgefeuert. "Das ist ein gewaltiger Angriff", sagte der BBC-Reporter.

Amerikanische Raketenbatterie an der Grenze zum Irak: Schwerer Beschuss eröffnete Bodenoffensive (Aufnahme eines Manövers der US-Truppen in Kuweit vom Februar)
AP

Amerikanische Raketenbatterie an der Grenze zum Irak: Schwerer Beschuss eröffnete Bodenoffensive (Aufnahme eines Manövers der US-Truppen in Kuweit vom Februar)

Generaladmiral Barry Costello, Kommandeur der "USS Constellation" sagte, von dem Flugzeugträger seien neben den Marschflugkörpern auf Bagdad auch 24 Angriffe gegen Militär- und Kommunikationseinrichtungen im Irak geflogen worden. Laut Costello sind von seinem Schiff zudem EA-6B-Prowler-Flugzeuge zur Unterstützung von F1-17-Tarnkappenbombern gestartet, die Irak überflogen hätten.

Insgesamt seien von der "USS Constellation" 54 Flugzeuge gestartet. Das Schiff ist einer von fünf Flugzeugträgern in den Gewässern um den Irak. Die Angriffe seien Teil einer Übergangsphase gewesen, mit der das "Schlachtfeld" für folgende Luftangriffe und die Bodenoffensive vorbereitet werden sollte, sagte Costello.

Nach Agenturberichten starteten rund zehn amerikanische Kampfjets von einer US-Militärbasis in Katar. Mehrere Dutzend Jagdbomber mit Luftkampfraketen und Bomben sind vom US-Flugzeugträger "Theodore Roosevelt" im östlichen Mittelmeer gestartet, wie John Oliveira, Sprecher des Schiffes, sagte. Die Flugzeuge unterstützen die Angriffe gegen den Irak.

Zuvor hatten internationale Nachrichtenagenturen den Beginn der Bodenoffensive gemeldet. Beim Angriff der 3. Infanteriedivision seien wurden Haubitzen und Raketensysteme mit Mehrfachsprengköpfen eingesetzt worden, teilte der US-Generalmajor Bufourd Blount mit, der die erste Phase der Bodenoffensive bestätigte.

In Großbritannien stationierte amerikanische Langstreckenbomber vom Typ B-52 wurden am Donnerstag mit Marschflugkörpern und anderem Kriegsgerät beladen. Die Bomber können innerhalb von fünf bis sechs Stunden den Norden des Irak erreichen. Zuvor hatte die Türkei nach langem Zögern ihren Luftraum für US-Militärflüge geöffnet.

Gegen 23.00 Uhr Ortszeit wurde nach Angaben des in Katar ansässigen arabischen Senders al-Dschasira Luftalarm in der nordirakischen Stadt Mosul ausgelöst.

Angriffe auf Bagdad

In Bagdad heulten am Abend die Sirenen auf, um vor weiteren Luftattacken zu warnen. Der Himmel über der irakischen Hauptstadt wurde vom Feuer der Flugabwehrgeschütze erleuchtet, es waren schwere Explosionen zu hören. US-Flugzeuge schossen bei Angriffen auf das Zentrum von Bagdad Gebäude im Regierungsviertel in Brand. Aus Hochhäusern stiegen Flammen und schwarzer Rauch auf. Feuerwehrautos waren zu Löscharbeiten unterwegs.

Bilder des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira zeigten zunächst eine dunkle Stadt. Nur vereinzelt waren Wohnungen um das Informationsministerium beleuchtet. Busse fuhren ohne Licht. Auf den Straßen waren nur wenige Passanten zu sehen.

Im Zentrum von Bagdad, am Westufer des Tigris, hatte sich eine gewaltige Rauchwolke in den Abendhimmel erhoben.

Die US-Bodentruppen an der Grenze zum Irak erhielten den Befehl, Schutzkleidung gegen Chemie- und Biowaffen anzulegen und Gasmasken bereit zu halten. Ein amerikanischer Kommandeur sagte, dieser so genannte "MOPP-1-Status" werde normalerweise vor einem Angriff ausgerufen.

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